Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Oliver Hebeler, Leila Strahl © Rolf Bock

Oliver Hebeler, Leila Strahl © Rolf Bock

MEINE ROSAROTE HOCHZEIT Ein respektvoller Spaß um Homoehen

Oliver Hebeler, Leopold Dallinger © Rolf Bock

Oliver Hebeler, Leopold Dallinger © Rolf Bock

Französische Komödie im Teisenhoferhof ist wie Champagner im Reich von Steinfeder, Federspiel und Smaragd

Einem Weinfreund braucht man nicht näher zu erklären, was es in Weißenkirchen mit der Vinea Wachau auf sich hat. Deren Weißweine sind ob ihrer hervorragenden Qualität mittlerweile weltweit anerkannt. Smaragde vom Riesling und Grünen Veltliner aus steilen Terrassen dürfen sich durchaus mit großen Gewächsen aus Frankreich messen. Was hat aber nun dieser gedankliche Ausflug in die Weinwirtschaft mit einer Theaterkritik zu tun? Ganz einfach: Es sind die Wachaufestspiele, die wie prickelnder Champagner das Publikum nach Paris entführen. Es ist eine Liebesgeschichte, ja, tatsächlich eine Histoire d´amour, wie es sich für die Stadt an der Seine gehört. In der Komödie „Meine rosarote Hochzeit“ von Gérard Bitton und Michel Munz (übersetzt von Anita Lochner) geht es um eine Heirat zweier Männer, also um eine Angelegenheit, die mittlerweile kaum mehr Aufsehen erregt, nachdem sich die Grenzen zwischen den Geschlechtern radikal verwischt haben.

LeopolMartin Gesslbauer, Leopoild Dallinger, Oliver Hebeler © Rolf Bock

Martin Gesslbauer, Leopold Dallinger, Oliver Hebeler © Rolf Bock

Oliver Hebeler, Reinhard Hauser © Rolf Bock

Oliver Hebeler, Reinhard Hauser © Rolf Bock

Das Ganze hat aber nichts mit der für einen solchen Schritt üblicherweise verbundenen sexuellen Komponente zu tun. Es ist eine reine Zweckverbindung, um das stattliche Erbe der jüngst verstorbenen Tante Yvonne in der uralten adeligen Familie zu halten. Notwendig geworden war die Mogelei, da der jüngste Spross, Henri de Sacy, bekennender Junggeselle ist und keinerlei Ambitionen zeigt, sich mit einer Frau ehelich zu verbinden, was aber Grundbedingung für den Erhalt des Vermögens ist. Wo bleibt dabei die Liebe? Es wären keine französischen Autoren, hätten sie nicht eine Frau in die Handlung eingeführt, die derlei Widerstände charmant überwindet und, wenn wir schon bei Homos sind, bei der Gelegenheit für einen weiteren amourösen Überraschungseffekt gesorgt. Mit Tür-auf-Tür-zu wird daraus ein rasantes Verwirrspiel, das mit Gags und pointierten Formulierungen den Teisenhoferhof mit herzlichem Lachen erfüllt.

Leila Strahl, Oliver Hebeler © Rolf Bock

Leila Strahl, Oliver Hebeler © Rolf Bock

Die österreichische Erstaufführung unter der Regie von Prinzipal Marcus Strahl wurde somit zum Erfolg, nicht zuletzt deswegen, da nach langen Monaten Corona-bedingter Einsamkeit endlich gemeinsame Heiterkeit gefeiert werden konnte. Leopold Dallinger ist der von Bindungsängsten geplagte Henri de Sacy, Reinhard Hauser sein etwas verschrobener Vater, der als Geistlicher einer nicht näher definierten Kirche auch Familienvater sein darf. Henri hat zwei Freunde, die mit ihm durch dick und dünn zu gehen bereit sind. Der Rechtsanwalt Norbert (Martin Gesslbauer, auch Bühnenbauer des rosaroten Heims) verfällt angesichts der zu einer Million angewachsenen Summe in Tantes Testament auf die Idee mit der Homo-Hochzeit. Als Bräutigam oder besser als Braut bietet sich der Computerfreak Dominique, genannt Dodo (Oliver Hebeler, der in dieser Rolle seine Komik umwerfend ausspielt) an. Alles läuft reibungslos, auch das Zusammenleben der beiden Burschen, abgesehen von ein paar ganz normalen ehelichen Reibereien.

Oliver Hebeler, Leila Strahl © Rolf Bock

Oliver Hebeler, Leila Strahl © Rolf Bock

Meine rosarote Hochzeit, Ensemble und Leading Team © Rolf Bock

Meine rosarote Hochzeit, Ensemble und Leading Team © Rolf Bock

Der wenig erfolgreiche Schauspieler Dodo hat Bügeln und Kochen übernommen und Henri bringt das Haushaltsgeld. Unter Umständen muss ein staatlicher Prüfer von der Echtheit der Ehe überzeugt werden. Als es endlich eine klitzekleine Rolle für Dodo gibt, setzt die Hetz so richtig ein. Er soll als Schwein verkleidet auf einem Kindergeburtstag den Alleinunterhalter geben. Das Kostüm hat er noch von einem Seriendreh und probiert es an. Nachdem nur die drei jungen Männer einander kennen, wird zuerst der Vater an den Rand des Wahnsinns gebracht, dann das mit Henri auftauchende blonde Gift namens Sylvie listig getäuscht. Das kann nicht gut gehen! Einer Frau wie Leila Strahl bleiben derartige Umtriebe nicht verborgen. Schließlich ist sie es, die das wackelige Gebäude aus Tricks und Lügen sehenswert zum Einsturz bringt. Ob am Ende das Erbe gerettet ist, das müssen sich die Zuschauer im Schlussapplaus selber fertig denken.

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