Kultur und Weindas beschauliche MagazinHermann Nitsch, Blutbild, 1963 Blut, Kasel auf Jute © kunstdokumentationen HERMANN NITSCH 1960 bis 1965 Zeit der Grundlagen des späteren Werks
Die „Blutorgel“ war der Startschuss für den Wiener Aktionismus, ist Direktor Klaus Albrecht Schröder überzeugt. 1962 hatten sich Adolf Frohner, Otto Muehl und Hermann Nitsch in Muehls Kelleratelier „einkerkern“ lassen. Nach drei Tagen präsentierten sie ein Manifest, als Gründungsurkunde einer Art der Kunstausübung, die sich nach anfänglich heftiger Ablehnung und harten Konflikten mit den Behörden als „Wiener Aktionismus“ die ihm zustehende Anerkennung erkämpft hat. Die künstlerischen Wege der drei Gründungsväter haben sich bald danach wieder getrennt, geblieben ist der Nimbus des Unerhörten, der wilden Performance und des Paradoxons, dass das Abstoßende gewaltige Anziehungskraft sowohl auf dessen Kritiker als auch auf begeisterte Anhänger ausübte.
Hermann Nitsch (1938-2022) hatte 1957 eine Stelle als Gebrauchsgrafiker am Technischen Museum Wien angenommen. Im dortigen Atelier entstanden kleinformatige Arbeiten auf Holzfaserplatten und älteren Bildträgern in Form von ersten Rinn- und Wachsbildern im Sinn des Informel. Zur weiteren Entwicklung erklärt Klaus Albrecht Schröder: „Um 1960 eröffnet sich Nitsch ein Weg zur Verwirklichung seines eigenen Anspruchs: Durch den Malprozess sollen physische und psychische Extremerfahrungen durchlebt, verdrängte Impulse freigelegt und überwunden werden, um so zu einer gesteigerten Daseinserfahrung zu gelangen. Nitsch beschüttet und bespritzt Leinwände und nennt die Arbeiten „Schüttbilder“. Er lässt Farbe vertikal über die Leinwand herab rinnen und bezeichnet seine Resultate als ‚Rinnbilder‘. Ende 1960 gibt es die erste Malaktion.
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