Kultur und Wein

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Heldenplatz ´29 Ausstellungsansicht

HELDENPLATZ ´29 Das rote Wien erwartete die Jugend!

Jugendliche im Zug nach Wien © Archiv der Arbeiterjugendbewegung, Fotosammlung

Erinnerungen an einen vergeblichen Versuch, Krieg und Faschismus abzuwenden

Als ob es nicht hätte sein wollen. Das Jahr 1929 begann mit einem extrem kalten Winter. Kohle und Holz waren in der Großstadt Mangelware. Die Menschen waren arbeitslos. In den Straßen zeichnete sich die spätere Katastrophe des aufkommenden Faschismus ab, der in den Umtrieben der Heimwehrverbände einen bitteren Vorgeschmack dafür lieferte. Regierungskrisen waren an der Tagesordnung und aufgeregt wurde über eine neue Verfassung debattiert, die mit dem Ständestaat fünf Jahre später ohnehin belanglos geworden war. Im roten Wien stemmte man sich entschieden gegen die österreichische Spielart des in Deutschland vor der Machtübernahme stehenden Nationalsozialismus. Umso größer war die freudige Erwartung, als die Wahl für das große internationale sozialistische Jugendtreffen auf Wien fiel. 50.000 junge Menschen aus 18 Nationen strömten zu diesem Treffen, darunter sogar Teilnehmer aus Amerika und besonders willkommen Jugendliche aus dem damaligen „Palästina“. Sie kamen mit Sonderzügen, mit dem Fahrrad, einige sogar mit dem Paddelboot und, wie damals mit großem Respekt vermerkt wurde, zu Fuß in die Donaumetropole. Die Stadt hieß sie alle herzlich willkommen.

Eine der Informationstafeln der Ausstellung

Sie stellte ihnen nicht nur Unterkünfte in Zelten oder bei privaten Gastgebern im Gemeindebau, sondern sogar die Fahrscheine für die Straßenbahn zur Verfügung.

 

Es gibt Zeitungsausschnitte, Fotos und Plakate aus diesen Tagen, in denen man dieses gewaltige positive Zeichen gegen die damals sich abzeichnenden negativen Entwicklungen der Politik setzen wollte. Sie machen die Ausstellung im Waschsalon (Karl Marx Hof) mit dem Titel „Heldenplatz ´29. Das Rote Wien zwischen Feier und Faschismus“ (bis 26. Jänner 2020) zu einer Zeitreise in die Mitte der Ersten Republik. Eben dieser Heldenplatz, das österreichische Symbol für den gemeinsamen Willen eines Volkes, wurde damals noch einmal zum Schauplatz einer Manifestation gegen Krieg und Faschismus. Elf Jahre waren seit dem großen Krieg vergangen. Die Jugendlichen erhofften sich eine Zukunft in Frieden, die aber in den Bedrohungen ihrer Gegenwart zu sehr gefährdet schien. Der entscheidende Schlag erfolgte von Seiten der Hochfinanz. Im Herbst 1929 platzte an der New Yorker Börse die Spekulationsblase und holte damit die ganze Welt aus ihrem schönen Traum von wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlichem Konsens. Das Schicksal des Organisators dieses Treffens mag stellvertretend für die unzähligen Opfer der Folgejahre stehen.

Otto Felix Kanitz, ein in der Jugendarbeit erfahrener Politiker, hatte offenbar an alles gedacht, was den Teilnehmern den Aufenthalt angenehm machen sollte. Der Dank fiel allerdings anders aus, als man ihn sich auch von einigermaßen kultivierten politischen Gegnern erwarten hätte dürfen. Kanitz musste 1934 fliehen, kehrte zwar 1936 zurück, wurde aber 1938 von den Nazis verhaftet. Im März 1940 stirbt jener Mann im Konzentrationslager Buchenwald, der elf Jahre davor mit der Kraft der internationalen Jugend diesen Wahnsinn abwenden hatte wollen.

Eröffnung des Jugendtreffens auf dem Heldenplatz, 12. Juli 1929 © Archiv der Arbeiterjugendbewegung
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