Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Von der Freiheit, den richtigen Wein zu machen – Denkanstöße!

Foto aus dem besprochenen Buch © Konstantin Volkmar

Biodynamisches Winzerhandwerk und seine Meister

Eines der häufigsten Fotomotive in dem von Frau Master of Wine Romana Echensperger verfassten Buch sind Hände, die behutsam und stolz Erde präsentieren. Winzer sind von Natur aus mit ihrem Grund und Boden zutiefst verbunden. Schließlich schafft ihnen dieser, egal ob es sich um Löss, Urgestein, Schotter oder Kalk handelt, die tragfähige Basis für ihre Rebstöcke, gibt den Trauben jeweils speziellen Charakter mit und spiegelt sich in der Mineralität des fertigen Weins. Blättert man jedoch weiter, dann tauchen an zweiter Stelle Kuhhörner auf und weisen zweifellos die Richtung eines Weinbaus, der in den letzten Jahren mehr und mehr Anhänger gefunden hat, in die Biodynamik. Was mit Biologischem Weinbau, ausgeführt mit Schwefel und Kupfer, begonnen hat, wird nun radikal über den Verzicht von systemischen Mitteln hinaus in eine bereits esoterisch anmutende Methode weitergeführt.

Von der Freiheit, den richtigen Wein zu machen, Cover 900

Rudolf Steiner, ein charismatischer Prediger einer von ihm entwickelten spirituellen Weltanschauung, hat vor mehr als 100 Jahren das gedankliche Rüstzeug dazu erarbeitet. Was sich in der Feldwirtschaft nicht durchgesetzt hat, feiert nun im Weinbau fröhliche Urständ und nennt sich Biodynamik, die sich nach langem Suchen um Ersatz für den Boden schädigende Kunstdünger und Pestizide als durchaus praktisch durchführbar erwiesen hat. Wenn es eines Beweises bedarf, dann braucht man nur biodynamische Weingüter zu besuchen, dort Weine zu verkosten und die wundersame Gelassenheit der Winzer zu beobachten, mit der sie mittlerweile Wetterunbilden und Schädlingsbefall gegenüberstehen.

Foto aus dem besprochenen Buch © Konstantin Volkmar

Genau das haben die Weinfachfrau Romana Echensperger und der Fotograf Konstantin Volkmar getan und über das Jahr zwölf Spitzenweingüter Mitteleuropas aufgesucht, um sie in einem im Verlag Westend erschienenen Buch zu porträtieren. Mit dem etwas sperrigen Titel „Von der Freiheit, den richtigen Wein zu machen“ wird angedeutet, dass es alles andere als einfach ist, sich für die Biodynamie zu entscheiden. Abgesehen davon, dass die Kollegenschaft gerne mit einem spöttischen Lächeln das Ganze als seltsamen Aberglauben abtut, muss man sich an Chemiekonzernen reiben, die ihre Ware verkaufen wollen. Aber spätestens dann, wenn man die Namen der Winzer liest, die sich dem Biodynamischen Handwerk verschrieben haben, werden auch die schärfsten Kritiker nachdenklich. Der Blaufränkische von Franz Weninger aus Horitschon (Mittelburgenland) zählt längst zu den besten seiner Art, Olivier Humbrecht von der Domaine Zind-Humbrecht aus dem Elsass hat sich in Frankreich durchgesetzt und welcher Weinfreund kennt nicht Alois Lageder, den Südtiroler Pionier des alternativen Weinbaus?

Sie alle kommen in diesem Buch zu Wort, geben ungemein gescheite Sachen von sich, wie beispielsweise der Wagramer Bernhard Ott, der eingesteht, dass er erst durch die Biodynamie zu seiner Freiheit gefunden hat. In der Pfälzer Familie John am Hirschhorner Hof wird sogar zwischen den Wörtern Weingarten und Weinberg fein unterschieden. Die frisch ausgesetzten Rieslingreben sind keine Solisten, sondern sind eingebettet in ein durchdachtes Nutzpflanzensystem. Ohne die Wachauer Familie Saahs vom Weingut Nikolaihof wäre das Buch nicht vollständig. Christine und Nikolaus Saahs waren eine der ersten, die sich auf Böden, auf denen bereits 2000 Jahre lang Weinbau betrieben wird, den Ideen von Rudolf Steiner ausgesetzt haben

Und sie waren damit erfolgreich. Zum Buch selbst: Dank einer ausführlichen Einleitung, die eine kurze Geschichte der Landwirtschaft und die Grundlagen der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise auch dem Laien in verständlicher Art bietet, wird so manches, das einem in diese – sagen wir´s so – Kulte Nichteingeweihten bisher ratlos dastehen ließ, nachvollziehbar erklärt und der Genuss eines Glases biodynamisch gekelterten Weins beträchtlich erhöht.

Foto aus dem besprochenen Buch © Konstantin Volkmar
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