Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Verliebten, Ensemble © Sabine Hauswirt

Die Verliebten, Ensemble © Sabine Hauswirt

DIE VERLIEBTEN Commedia-dell´arte mit rockigen Songs

Christian Kainradl, Doris HIndinger © Sabinie Hauswirt

Christian Kainradl, Doris HIndinger © Sabinie Hauswirt

Carlo Goldoni von den Hirschals nach Wien verschleppt

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Die alte Binsenweisheit kann zwei Gründe haben. Erstens kann es sich um einen Nutznießer der Auseinandersetzung handeln, der nur von der Ferne abzuwarten braucht, bis das gewünschte Streitobjekt von selbst in seine Hände fällt. Die zweite Möglichkeit grenzt an Voyeurismus. Kaum etwas ist unterhaltsamer als ein Wortgefecht, das einen nichts angeht und dessen Ausgang ungerührt und doch amüsiert aus sicherer Deckung abgewartet werden darf. Carlo Goldoni hat eher an die zweite der erwähnten Erklärungen gedacht. In seiner Komödie „Die Verliebten“ lässt er zwei von der seelischen Krankheit „Liebe“ befallene Menschen alle Qualen und Freuden durchleiden, die nur mit diesem pathologischen Zustand verbunden sein können. Die Querelen, die über rasende Eifersuchtsanfälle bis zur Androhung des Selbstmordes reichen, waren für ihn genügend Handlung, um sein Publikum zu unterhalten. Für das Wiener Lustspielhaus haben nun Intendant Adi Hirschal und seine Tochter Maddalena dieses Kleinod italienischen Theaters aus dem 18. Jahrhundert in die Gegenwart transferiert. Maddalena hat „Die Verliebten“ bearbeitet und nach Wien versetzt.

Nikolaus Firmkranz, Julia Jelinek © Sabine Hauswirt

Nikolaus Firmkranz, Julia Jelinek © Sabine Hauswirt

Die Verliebten, Ensemble © Sabine Hauswirt

Die Verliebten, Ensemble © Sabine Hauswirt

Ort des Geschehens ist ein abgefracktes Palais, dessen Besitzer das Vermögen seiner Nichten in eine wertlose Kunstsammlung gesteckt hat und durch die Verheiratung der beiden jungen Frauen davon zumindest einen Teil wieder lukrieren will. Bei den Dialogen der beiden Protagonisten Violetta und Valentin handelt es sich um Streit-Hochkultur, die aber auf Deutsch, wenn auch mit wienerischen Einsprengseln, eine Spur zu ernsthaft gepflegt wird und kaum etwas von der Komik eines sich in die Haare geratenen italienischen Pärchens spüren lässt. Den versöhnlichen Ausgleich schaffen die selfmade Songs (musikalische Leitung: Thomas Mahn, an der Gitarre Michael Reitinger und an der Percussion Lenny Dickson), in denen sich die einzelnen Darsteller ihren Kummer von der Seele singen und zuletzt doch gemeinsam ein Happy End feiern.

 

Verlässlich komisch ist Prinzipal Adi Hirschal als der in die roten Zahlen geratene Privatier Eugenius Speismeier. Er hätte schon Ideen, sein verlorenes Vermögen wieder herzustellen. So trifft er beim Meinl am Graben ganz zufällig den Adeligen Rupert von Rauschenwang (Nikolaus Firmkranz), einen zweifelhaften Flaneur, der durchaus Ambition zeigt, die resche Nichte namens Violetta zu ehelichen. Doris Hindinger lässt aber keinen Zweifel aufkommen, dass ihr Herz einem anderen gehört. Ihr Auserwählter ist der mittellose Künstler Valentin Schmor, der mit Christian Kainradl jedoch deutlich klarmacht, dass er jeden Nebenbuhler eher aus dem Weg räumen würde, als auf seine Geliebte zu verzichten. Blöderweise taucht Valentins Schwägerin Henriette (Judith Thaler) auf und löst bei Violetta heftige Eifersuchtsszenen aus. Da beide Partner über eine gehörige Portion Aggression verfügen, ist es alles andere als einfach, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Die Moderatoren Julia Jelinek als hübsche, grundvernünftige Witwe Flori und Nikolaus Firmkranz als bindungsängstlicher Willibald Winkel, seines Zeichens Advokat, stehen offensichtlich auf verlorenem Posten. Irgendwann schaffen es doch alle, sich auf der ramponierten Couch mitten in einer ansonsten leeren Bühne zu versöhnen und den die Handlung tragenden Zank der Streithähne Violetta und Valentin einer harmonischen Verlobung zuzuführen.

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