Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


FElix Salten Im SChatten von Bambi Ausstellungsansicht © Foto: Klaus Pichler

FELIX SALTEN Der Intellektuelle mit einem Herz für Bambi

Felix Saltens Presseausweis für das Jahr 1933  © Wienbibliothek im Rathaus

Wien um 1900: Keine Kultur ohne die Meinung eines Berufenen

Gleichermaßen Freunde wie geschätzte Feinde von Felix Salten (1689-1945) waren die großen Kunst- und Kulturschaffenden des Fin de Siècle und der folgenden Jahrzehnte bis 1938. In diesem Jahr wurde österreichische Kultur brutal vernichtet. Deren Protagonisten waren zum großen Teil Juden, deren Wirken bis heute für ganze Epochen steht; für den Jungenstil, für die Secession, für die Kaffeehausliteratur und für den Zionismus Wiener Prägung, der letztendlich zur Gründung von Israel geführt hat. Bei jedem dieser Bereiche lieferte Felix Salten seinen Beitrag. Er war Kulturkritiker, schrieb selbst Stücke und Prosa, war engagierter Repräsentant des Judentums und war sich nicht zu bequem, als Funktionär System in die ungeordneten Haufen Kreativer zu bringen. Er war Mitstreiter des literarischen Netzwerks Jung-Wien, erster Präsident des österreichischen PEN-Clubs und ganz allgemein ein Motor der Wiener Moderne. Schließlich war er durch seine vielseitige Tätigkeit in einer Reihe von Netzwerken bestens eingebunden. Er galt als kompetenter Rezensent für literarische Neuerscheinungen.

Werbeplakat für den Film Bambi, 1951  © Wienbibliothek im Rathaus

Viel beachtet waren seine Besprechungen von Theaterpremieren und Kunstausstellungen und gern gelesen waren seine Beiträge als Feuilletonist und die eigenen dichterischen Schöpfungen, die in einer erstaunlichen Bandbreite vom Theater und dem damals noch jungen Film über Romane bis zu seinen Tierbüchern erschienen. Dass er der Erotik, ja sogar der Pornographie nicht abgeneigt war, beweist „Albertine“, die ihn in die unausrottbare Nähe zu „Josephine Mutzenbacher“ gerückt hat. Zum Welterfolg wurde jedoch dank Disneys Verfilmung „Bambi“, die ihm selbst allerdings kein Vermögen eingebracht hat, da Salten die Rechte dazu bereits vorher verkauft hatte.

Felix Salten (1.v.l.) mit Max Reinhardt (4.v.l.) 1933 © © Wienbibliothek im Rathaus

Das Wien Museum widmet derzeit im MUSA und in der Wienbibliothek im Rathaus Felix Salten anlässlich des 75. Todestages am 6. September eine Ausstellung. „IM SCHATTEN VON BAMBI“ (bis 25. April 2021) wird Salten taxfrei zum Entdecker der Wiener Moderne ernannt. Grundlage der Schau ist der Nachlass, der in der Wienbibliothek verwahrt wird. Eben dort wird anhand seiner Briefsammlung, seinen Büchern und Manuskripten das umfangreiche literarische Schaffen gewürdigt.

Im MUSA (Felberstraße 6-8) geht es um die bisher kaum gewürdigte Rolle als Kunstkritiker im Umfeld von Gustav Klimt. Fotos eröffnen den Rundgang. Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Hermann Bahr und Karl Kraus, der übrigens von Salten zwei kräftige Watschen abgefangen hat, sind Vertreter einer Szene, die für Salten ein fruchtbares Biotop bedeutet hat. Unter Gemälden aus dem Wien Museum ist Saltens Meinung über die Bilder zu lesen als großteils zutreffende Beurteilung der Werke. Das Zentrum aber bildet seine Vita.

Sie erzählt über erfolgreiche Jahre in Wien, über die Flucht vor den Nazis und seinen Tod im Schweizer Exil. Zu sehen ist ein Mensch, der zu seiner Herkunft gestanden ist, wenngleich als assimilierter Jude, dem aber das Schicksal seiner Volksgemeinschaft nahe am Herzen gestanden ist, wie so vielen, die für eine Hochblüte der österreichischen Kultur gesorgt hatten und aufgrund ihres Judentums von einem auf den anderen Tag nichts anderes als Schädlinge wahren Deutschtums verunglimpft waren.

Felix Salten Ausstellungsansicht © Foto: Klaus Pichler
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