Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Karl Anton Fleck, Ausstellungsansicht

Karl Anton Fleck, Ausstellungsansicht

KARL ANTON FLECK Das Mischwesen aus Mensch und Tier

Karl Anton Fleck, MAKE UP, 1974 (Detail), Sammlung Wilhelm Weiss

Karl Anton Fleck, MAKE UP, 1974 (Detail)

Personale für ein der Kunstwelt (noch) unbekanntes Multitalent

Die Albertina ist dem Ehepaar Dagmar und Manfred Chobot zu großem Dank verpflichtet. Sie sind Sammler und betrieben zuletzt eine renommierte Galerie in Wien. 2019 haben sie einen Teil davon als Schenkung der Albertina übergeben, aus der nun schwerpunktmäßig Ausstellungen gestaltet werden können. Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder darf beneidet werden, in diesem Konvolut an hochwertigen Kunstwerken zu stöbern und spannende Entdeckungen zu machen. Eine davon betrifft den 1928 in Wien geborenen Karl Anton Fleck. Sein Brotberuf war die Retusche, eine grafische Arbeit, die ihm jedoch die Freiheit ließ, seine Talente als Zeichner, Maler und Musiker auszuleben. Als bildnerischer Künstler entdeckt und gefördert wurde er von Familie Chobot, die ihm schon früh Werke abkaufte und schließlich 1987, vier Jahre nach seinem Tod, seinen gesamten Nachlass erwarb. Im Untergeschoss der Albertina Modern werden dazu bis 22. Jänner 2023 von Kuratorin Constanze Malissa programmhaft ausgewählte Arbeiten in einer Personale für Karl Anton Fleck präsentiert.

Karl Anton Fleck, Osterhasenfleck, 1973, Familiensammlung Haselsteiner

Karl Anton Fleck, Osterhasenfleck, 1973, Fam.sammlung Haselsteiner

Karl Anton Fleck Ohne Titel (Filmmontage 16), 1965-1969 © Bildrecht, Wien 2022

Karl Anton Fleck Ohne Titel (Filmmontage 39), ALBERTINA, Wien – Sammlung Dagmar und Manfred Chobot © Bildrecht, Wien 2022

Den Anfang machen Werke einer vom Informel inspirierten abstrakten Bildsprache Anfang der 1960er-Jahre. Immer öfter treten in der Folge figurative Elemente ins Geschehen ein und erinnern mit ihren Körper- und Ornamentfragmenten an Kompositionen der Pop-Art. Damit sollte ganz im Sinne dieser Zeit Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft ausgedrückt werden. Deutlich wird sein Anliegen in einer Reihe von Stillleben mit Titeln wie „Überfluss“ oder „Diätwahn“.

Es sind opulente Karikaturen entstanden, deren Witz den Wandel der Epochen locker überdauert hat. Auf den „Rezeptgedichten“ finden sich zudem charakteristische Buchstaben, die Text und Bild in eins verbinden. Auch die tägliche Beschäftigung mit den fotografischen Negativen hinterließ Spuren in Collagen, Filmmontagen und vor allem in einer extremen Lichtsetzung in den Zeichnungen. Sein liebstes Modell war Fleck jedoch er selbst. Er hat es aber nicht bei einer möglichst großen Erkennbarkeit seiner Porträts belassen. Das eigene Gesicht wurde zum Träger seltsamer Vorstellungen einer bis dahin noch nie so wahrgenommenen Natur. Er zeichnete sich als Mischwesen zwischen Mensch und Tier, immer mit einer Pointe, die Aufschluss über seine Persönlichkeit gibt. Vor allem brauchte er keine Angst zu haben, den Gegenstand seiner Darstellungen zu beleidigen. Fleck durfte auf Eleganz und Schönheit verzichten, zugunsten einer Spannung in dynamischen Strichbündeln, die sich stets auf das Wesentlichste beschränken und diesen (noch) unbekannten Meister in die Riege der bedeutenden österreichischen Künstler reihen.

Karl Anton Fleck ICH WERDE ROT, 1974, Sammlung Dagmar und Manfred Chobot © Bildrecht, Wien 2022

Karl Anton Fleck ICH WERDE ROT, 1974, Sammlung Dagmar und Manfred Chobot © Bildrecht, Wien 2022

Ways of Freedom, Ausstellungsansicht

Ways of Freedom, Ausstellungsansicht

WAYS OF FREEDOM Die Explosion der abstrakten Malerei

Georges Mathieu Hommage au Connétable de Bourbon, 1959 (Detail)

Georges Mathieu Hommage au Connétable de Bourbon, 1959 (Detail)

Das Unterbewusste in der Kunst von Jackson Pollock bis Maria Lassnig

In den 1950er-Jahren sind die Formate ins Gigantische gewachsen und die Farben zu alleinigen Trägern des Inhalts. Es war ein Befreiungsschlag von den Zwängen, die zuvor die NS-Zeit den Malern auferlegt hatte und die nun unter der Knute des sozialistischen Realismus standen. Weg mit Gegenstand und Figürlichkeit, weg mit althergebrachten Ansichten, wie ein Gemälde auszusehen hätte! New York und Paris wurden zu Zentren einer ungestüm expressiven Malerei, ausgeführt von einer jungen Generation, die sich keinen Deut um die Befindlichkeiten eines konservativen Publikums kümmerte. Spontan und dynamisch war die Devise, eine unmittelbare Umsetzung des Unterbewussten in wilden Strichen oder Techniken, die auf den Zufall beruhten. Klaus Albrecht Schröder, Generaldirektor der Albertina, macht eine „Stunde Null“ aus, einen Urknall, gezündet von den Eindrücken zweier Weltkriege, der aufstrebenden Raumfahrt und der nuklearen Herausforderung, in seiner Entwicklung weitergetragen von Demokratie und freier Markwirtschaft.

Ways of Freedom, Ausstellungsansicht

Ways of Freedom, Ausstellungsansicht

Der Titel „Ways of Freedom“ (bis 22. Jänner 2023) lässt damit bereits erahnen, was in der Albertina Modern zu erleben ist. Neben den Stars dieser Szene wie Jackson Pollock oder Mark Rothko sind erstaunlich viele Österreicher vertreten, die sich dieser Bewegung angeschlossen haben. Maria Lassnig und Arnulf Rainer zeigten bereits 1951 nach einem Besuch in Paris in Klagenfurt eine Informel-Ausstellung. 1956 bildete sich in der Galerie Nächst St. Stephan eine lebendige Szene, die den abstrakten Freiheitsbegriff aufgenommen und in den eigenen Arbeiten ausgedrückt hat.

Zu sehen ist „Go-Daigos triumphale Rückkehr nach Kyoto“ (1957) von Georges Mathieu, der am Fleischmarkt Mal-Aktionen veranstaltete und nicht zuletzt damit den ein Jahrzehnt später entstandenen Wiener Aktionismus in die Wege leitete. Die Wand eindrucksvoll füllend ist das Werk „Rot auf Weiß“ von Markus Prachensky und ein Eyecatcher das an einen sturmgepeitschten Haarschopf erinnernde unbetitelte Bild von Judit Reigel (1959). Es ist zweifellos eine Schau der Superlative, mehr als nur ein historischer Rückblick, der 33 Künstler, unter ihnen viele Frauen, auf 1.500 Quadratmetern präsentiert und einfach Schaulust einfordert. Nicht allzuviel nachdenken, einfach dem eigenen Gefühl nachgeben und die in diesen ebenfalls schwierigen Jahren ausgebrochene Freiheit auf segelgroßen Leinwänden genießen!

Maria Lassnig Große Knödelfiguration, 1961/62 © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien 2022

Maria Lassnig Große Knödelfiguration, 1961/62 © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien 2022

Albertina Logo 350

Statistik