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Albrecht Dürer Ausstellungsansicht

ALBRECHT DÜRER Spektakuläre Schau des Renaissance-Genies

Albrecht Dürer Rhinocervs 1515  Druck Willem Janssen nach 1620

Wie kommt das Fenster in das Auge des Hasen?

Albrecht Dürer (1471-1528) war ein genauer Beobachter, mehr noch, er war ein Pedant, wenn es um das Festhalten von Details aus der Natur ging. Es zeichnete oder malte genau das, was er sah und ist dennoch alles andere als ein Kopist. Dazu ist sein Strich zu genial, seine Farbanwendung zu gekonnt. Darin fand Christof Metzger, Kurator der Ausstellung „Albrecht Dürer“ (bis 6. Jänner 2020) in der Albertina, auch den Grund, warum sich im Auge des Feldhasen ein Fenster spiegelt. Der Hase, der so lebendig vor dem Betrachter hockt, dass man ihn streicheln möchte, befand sich in der Werkstatt des Meisters. Dass es dennoch eine Fopperei ist, verrät der Hintergrund, nämlich ein Nichts, ein Trompe-l’œil, eine Augentäuschung. Übrig bleibt die abstrakte Idee eines Hasen, die jedoch, so Metzger, die glanzvollste Karriere machte. Die ursprüngliche Besitzerin war die Familie des Nürnberger Kaufmanns Willibald Imhoff, die jedoch bald erkannte, dass mit falschen Hasen gutes Geschäft zu machen war. Reihenweise tauchten Kopien und sogar Fälschungen auf, „sodass sich im 17. Jahrhundert in Europas Kunstkammern bis zu 25 Hasen tummelten“ (Katalog S. 164). Die Albertina darf sich im Besitz des Originals rühmen und lässt dieses zumindest für kurze Zeit wieder das Licht der Propter Homines Halle erblicken, zusammen mit einer unvorstellbaren Fülle an Werken Dürers.

Albrecht Dürer Selbstbildnis als Akt, um 1499  Weimar, Klassik Stiftung © Klassik Stiftung Weimar

Nahezu 140 Blätter kommen aus dem eigenen Bestand. Stolz wird darauf hingewiesen, dass sich deren Provenienz lückenlos bis ins Jahr 1528 zurückverfolgen lässt und damit ein seit fast 500 Jahren geschlossen erhaltenes Konvolut aus Dürers Werkstatt bildet.

 

Dass Dürer einer der größten Künstler seiner Zeit und darüber weit hinaus ist, braucht nicht eigens erwähnt zu werden, zu selbstverständlich wäre es, seine Zeichnungen, Drucke und Gemälde einfach nur großartig zu finden. Sie sind mehr, sie sind jedes für sich ein Studienobjekt, dem man sich, eins nach dem anderen, eingehend widmen sollte. Der Betrachter wird sich bald in der Feinheit der Linien und den stufenlosen Schattierungen verlieren, immer Neues entdecken, bis man dem Meister selbst begegnet, der jedoch keine Zeit für eine Plauderei mit seinem Besucher haben wird. Allein angesichts der nun gezeigten Arbeiten hat er ein schier unvorstellbares Pensum geschafft, das vermeinen lässt, Dürers Tag hätte 48 Stunden und mehr gehabt.

 

Die Ausstellung führt entlang des Lebens von Dürer. Geboren und aufgewachsen in Nürnberg beginnt er mit der Lehre als Goldschmied bei seinem Vater, wo er den Umgang mit edlen Metallen erlernte, dem seine spätere Virtuosität als Kupferstecher zu verdanken ist. Es geht weiter zur Werkstatt von Michael Wolgemut, wo der junge Albrecht zum Maler ausgebildet wurde.

Die Gesellenwanderung führte ihn zwischen 1490 und 1494 an den Oberrhein mit Colmar und Basel. Aus dieser Zeit rühren Holzschnittillustrationen, die bereits Dürer zugeschrieben werden können. Die nun folgende wirtschaftliche Selbständigkeit und Heirat ist nicht zuletzt dem Verkaufserfolg von Druckgrafiken zu verdanken, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen Themen und handwerklichen Präzision reißend Absatz fanden. Saal für Saal erzählt eine weitere Station eines Lebens, das uns heute allein durch die erhaltenen Werke ziemlich genau nachvollziehbar ist. Über all dem steht aber wie das Credo Dürers die Nachahmung der Natur, die ihm als höchste Stufe der Kunst erschien, wenn er sagte: „Dann wahrhafftig steckt die Kunst inn der Natur. Wer sie herauß kann reissen, der hat sie.

Albrecht Dürer Feldhase, 1502 © Albertina, Wien
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