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Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft, Ausstellungsansicht

Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft, Ausstellungsansicht

HONORÉ DAUMIER Karikaturen als zeitloses Gewissen

Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft, Ausstellungsansicht

Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft, Ausstellungsansicht

Ein lustvoller Besuch im Spiegelkabinett der Gesellschaft

Geschichte lernen war selten so vergnüglich! Was wissen wir schon über Frankreich des 19. Jahrhunderts?! Abgesehen von ein paar Eckdaten nicht allzu viel. Dank der spitzen Feder eines Karikaturisten wird man plötzlich Zeuge politischer Umtriebe, trifft hohe Vertreter der Justiz und sogar einen König, den auch eine harsche Zensur nicht vor beißender Kritik und damit vor dem Lachen seiner Untertanen bewahren konnte. Honoré Daumier (1808-1879) war das unbestechliche Gewissen der Grand Nation, die von Revolutionen und Kriegen gebeutelt allmählich ihren Weg von der Monarchie zur Republik fand. Das tatsächlich Lustige an seinen Werken ist jedoch deren Zeitlosigkeit. Wenn Abgeordnete einer bestimmten Partei als der „Gesetzgebende Bauch“ feist und träg in ihren Bänken hocken, vermeint man einige der Gesichter in einer der jüngsten Nationalratssitzungen wieder zu erkennen. Beliebte Motive Daumiers waren überdies der birnenförmige „Volkskönig“ Louis Philippe, der zum gefräßigen Monster Gargantua mutiert, aber auch seine Zeitgenossen, die einem steten sozialen Wandel unterworfen waren und diesen auf ihre nicht immer seriöse Weise bewältigt haben.

Honoré Daumier Gargantua, 1831 © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-

Honoré Daumier, Gargantua, 1831 © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Honoré Daumier Masken von 1831, La Caricature © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des SM

Honoré Daumier Masken von 1831, La Caricature © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.

Honoré Daumier war ein vielseitiger bildender Künstler, der über brillantes Zeichnen, Lithografie, Malerei und Plastik nahezu jede Technik virtuos beherrschte. Damit sind seine Arbeiten mehr als humorige Schlaglichter auf bestimmte Situationen, wie sie uns bis heute in den Karikaturen begegnen. Sie sind beeindruckende Kunstwerke mit unterhaltsamem Mehrwert. Bis 25. Mai 2026 kann man sich in der Albertina unter dem Titel „Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft“ davon überzeugen. Möglich wurde diese Ausstellung durch Leihgaben des Städel Museums Frankfurt und der dort befindlichen Sammlung Hellwig. Hans-Jürgen Hellwig war bei der Eröffnung anwesend und durfte den Dank von Generaldirektor Ralph Gleis persönlich entgegennehmen.

Zuständig für die klare Gestaltung ist Kuratorin Laura Ritter, die neben unaufdringlichen, aber aufschlussreichen Wandtexten mit ca. 200 Exponaten eine Promenade amüsierten Lächelns geschaffen hat. Der dazu erschiene Katalog bietet neben ausführlichem Begleitwissen wie „Die Lithografien“ von Astrid Reuter oder einem nicht unberechtigten Eigenlob von Laura Ritter, wenn sie ihren Beitrag mit „Der geeignetste und schönste Rahmen. Honoré Daumier in der Albertina“ betitelt, freilich alle die gezeigten Werke samt Text in deutscher Übersetzung. Nebenbei findet sich ein Plakat aus 1936, das die letzte Daumier-Ausstellung in der Albertina und damit in Wien bewirbt. 90 Jahre sind also vergangen, bis sich Zustände wie eine instabile politische Lage, eine die Macht missbrauchende ruchlose Clique, eine kriselnde Wirtschaft und eine unübersichtliche gesellschaftliche Situation so deutlich zeigen wie in der mit diesen Worten skizzierten Schilderung einstiger französischer Verhältnisse, denen Honoré Daumier mit seiner Kunst so treffend begegnet ist.

Honoré Daumier Der Grafikliebhaber, ca. 1860/1862 © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum

Honoré Daumier Der Grafikliebhaber, ca. 1860/1862 © Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V.

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