Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Natur & Symbol, RaumKiki Smith

NATUR & SYMBOL werfen tiefschürfende Fragen auf

Ofer Lellouche Woman and Man 2011 Holzschnitt

Holzschnitte, Tapisserien und Köpfe ohne Gesicht

Sommer ist´s und noch dazu Corona-Starre. Trotzdem will auch ein Museum wieder live spielen, genauso wie die Theater und Konzertsäle. Die Albertina hat diesbezüglich auf eine Sonderausstellung gesetzt und mit deren Gestaltung die Kuratorin Dr. Antonia Hoerschelman betraut. „Natur & Symbol“ (bis 13. September 2020) ist ein vielversprechender Titel, unter den sich allerlei Gescheites subsumieren lässt. Für die Objekte brauchte Hoerschelman nur die Ankäufe und Schenkungen der letzten Jahre zu durchforsten, um passende Positionen zu finden. Der ideale Ort für derlei eher kleine Schauen ist die Pfeilerhalle, die auch einige wenige Werke bedeutungsvoll erschienen lässt. So sind 20 großformatige Arbeiten von Franz Gertsch, Christiane Baumgartner, Ofer Lellouche und Kiki Smith einander gegenüber gestellt. Sie wollen den Betrachter zu Fragen animieren:

Rüschegg Franz Gertsch

Fragen menschlicher Identität und Existenz – Fragen nach dem Woher und Wohin unseres flüchtigen, durch Raum und Zeit fließenden Lebens.“ Auf die Sprünge hilft der Wandtext mit der Erkenntnis, dass diese vier Positionen den „Einfluss, den Geschlecht, Generation und Herkunft auf die Arbeiten einer Künstlerin oder eines Künstlers haben“, verdeutlichen.

Cathedral Tapisserie von Kiki Smith

Franz Gertsch ist Schweizer. Seine Holzschnitte sind faszinierende Umsetzungen von zufällig wirkenden Situationen in der Natur und Porträts. Allein das Format lässt grübeln, woher der Künstler eine Holzplatte von derart monumentalen Ausmaßen hat? Die Antwort darauf gibt Dr. Hoerschelman. Sie weiß, dass Gertsch dafür Bretter aus den Stämmen von Birnenbäumen so sauber verleimt hat, dass man auch bei genauer Betrachtung keine Naht entdecken kann. Darauf hat Gertsch die Dias projiziert. Mit großem Gemüt und feinsten Sticheln werden die Tiefen aus dem Holz herausgearbeitet, um am Ende ein flirrendes Bild von sich kräuselnden Wellen eines vorbeiströmenden Flusses (Schwarzwasser) oder das zarte Gesicht von „Silvia“, einem x-beliebigen Mädchen, sichtbar werden zu lassen. Angeregt von der Wirkung dieser Holzschnitte hat die deutsche Künstlerin Christiane Baumgartner dieses traditionelle Medium mit „Transall“ in den Bereich Video und digitale Fotografie weitergeführt.

Transportflugzeuge des Militärs erscheinen wie hinter einem Nebel, heimlich geknipst von einer Spionagekamera. Durch ihre Größe wirken sie bedrohlich, ähnlich den viel kleineren „Banshees“, mit denen sich die US-amerikanische Künstlerin Kiki Smith identifiziert. Es handelt sich dabei um uralte weibliche Geister der gälischen Folklore, deren hohes Wehklagen einen Tod in der Familie ankündigt. Die Technik dazu ist kompliziert, die Zeichnungen ungelenk, aber in ihrer Gesamtheit eine Aufforderung zum Hinschauen. Auffallend sind ihre Tapisserien, in denen die apokalyptische Endzeitstimmung der Offenbarung des hl. Johannes in den paradiesischen Frieden umgewandelt wurde. Unangenehm wirken die Werke des in Tunesien geborenen und in Tel Aviv lebenden Ofer Lellouche. Seine Körper und gesichtslosen Köpfe sind von der Art ihrer Herstellung bestimmt.

Er lehnt es ab, einem beliebigen Medium eine abstrakte Idee aufzuzwingen, sondern fügt sich der Metallplatte oder dem Bronzeguss, die im Grunde das Endergebnis bestimmen. Dahinter steht, so der Wandtext, das Judentum, in dem es einer Form des Götzendienstes gleichkommt, ein Abbild des Menschen zu schaffen.

Christaine Baumgartner Transall Holzschnitt
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