Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Peter Fendi Fünf Trachtenstudien © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Fürstliche Sammlung Liechtenstein zu Gast in der Albertina

Quentin Massys der Ältere Die Steuereintreiber © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Wien

Überwältigendes Schauvergnügen mit „Rubens bis Makart“ und „Rudolf von Alt und seine Zeit“

„Ideal präsentiert, wie Alte Meister gesehen werden sollen“, ist Direktor Albrecht Schröder überzeugt. Bis 10. Juni 2019 ist eine umfassende Auswahl an Gemälden, Skulpturen und Aquarellen aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein in der Albertina zu Gast. Anlass ist die 300-Jahr-Feier des Fürstentums Liechtenstein, zu dem eine seit seinem Bestehen personelle und künstlerische Verflechtungen zur Albertina bestehen. Die Kunstwerke wurden dafür aus den Palais, Schlössern und Gartenpalais von der dort üblichen Erhabenheit der Raumdekorationen abgenommen und dem Betrachter auf Augenhöhe gehängt. Der kann sich nun ohne sich das Genick zu verrenken auf einem Wimmelbild von Pieter Bruegel dem Älteren wie „Die Volkszählung in Bethlehem“ (1566) vertiefen. Aus fürstlicher Distanz fiele einem vielleicht gar nicht auf, dass das Volk, das der römische Kaiser Augustus erfassen lassen wollte, auch aus Chinesen bestand.

Peter Paul Rubens Venus vor dem Spiegel © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Immerhin war es ein Weltreich, könnte der Gedanke des niederländischen Malers gewesen sein, der seine Landsleute vor dem Büro des Zensors anstellen und drängen lässt. Dazwischen wird im „Heiligen Niederland“ lustig auf dem Eis gelaufen und im Hintergrund wartet bereits eine Kirche, obwohl das Jesuskind noch gar nicht geboren ist. Seine Mutter Maria und Ziehvater Josef, erkennbar an der Zimmermannssäge, sind mit Ochs und Esel noch auf der Suche nach dem geeigneten Stall für die Niederkunft. Erworben hat das Bild Fürst Johann I. von Leichtenstein im Jahr 1820.

Mehr als hundert Jahre zuvor gelangte „Venus vor dem Spiegel“ von Peter Paul Rubens in den Besitz der Familie. Man kann der nackten Dame sehr nahe treten, soweit es eben die Alarmanlage erlaubt, und die makellose Haut der eitlen Göttin bewundern. Man wird dem Kunsthistoriker Reinhold Baumstark gern zustimmen, wenn er angesichts dieses Meisterwerkes von einem Glanzstück der rubenschen Inkarnatmalerei spricht. Am Vanitas-Stillleben von Pieter Claesz dem Jüngeren lassen sich Details ähnlich einer Wunderkammer studieren und bei Jan Weenix dem Jüngeren fürstliche Jagdbeute bewundern. Wie die Herrschaften ausgesehen haben, die eine derartige Fülle an Kunst in dieser Familie angehäuft haben, zeigen uns die Porträts wie das Konterfei des Fürsten Joseph Wenzel I. von Liechtenstein aus der Hand von Hyazinthe Rigaud oder Friedrich von Amerlings Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein.

Friedrich von Amerling © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Der üppigen Schau großer bis größter Schätze in den Kahn Galleries folgen auf gleicher Ebene in den Tietze Galleries Aquarelle von Rudolf Alt und Meistern seiner Zeit. Das Fürstenhaus Liechtenstein oder andere Hochadelige hatte keine Hemmungen, Genies wie diese Künstler als Gebrauchsmaler in den Gemächern ihrer Schlösser einzusetzen. Was die Herren tatsächlich drauf hatten, lassen die Bilder schließen, die sie ohne direkten Auftraggeber geschaffen haben.

Sie nehmen den Betrachter mit auf Reisen durch Österreich, auf den Balkan und nach Italien, tollen wie Friedrich Gauermann mit einer Biedermeiergesellschaft durch den Schnee bei Miesenbach oder lassen den Blick sich an romantischen Landschaften erquicken; eine Labsal, die Joseph Höger meisterlich beherrscht hat. Der fortschrittlichste unter den Aquarellisten war zweifellos Peter Fendi. Er schätzte das Licht, das vom weißen Papier ausging als eigentliche Farbe und beschränkte sich mit der übrigen Kolorierung auf das Wesentliche des Motivs. Sind die Illustrationen zu „Das Lied von der Glocke“ noch Format füllend ausgemalt, sind Genrebilder wie „Junge Frau mit Kind vor einer Hühnersteige“ oder „Das Gewitter“ (beide 1836) in ihrer Reduktion wegweisend für weit spätere Generationen. Im Hause Liechtenstein hat man die Kraft dieser Werke wohl erkannt und sie angekauft und damit nicht zuletzt uns Heutigen ein Œuvre hinterlassen, an dem man sich derzeit in der Albertina nicht satt schauen kann.

Joseph Höger House on a Lake © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna
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