Kultur und Wein

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GI Klaus Albrecht Schröder vor einem Gemälde mit Erzherzog Carl

HABSBURGISCHE PRUNKRÄUME mit Originalausstattung

GD Klaus Albrecht Schröder bei der Führung durch die Prunkräume © Albertina/Wien

Die spannende Wiedervereinigung einer in der Welt verstreuten Einrichtung

Verbunden mit seinem Amtsantritt anno 2000 war eines der erklärten Vorhaben von Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder die einst habsburgischen Prunkräume wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Er erinnert sich, dass die Wände der leeren Räume von einer Vornutzung als Lagerplatz mit Pappendeckel „tapeziert“ waren. Von der Pracht, die von der Einrichtung durch Prinz Albert von Sachen Teschen bis zum letzten habsburgischen Besitzer die Säle schmückte, war nichts mehr zu sehen. Erzherzog Friedrich hatte nach dem Zusammenbruch der Monarchie alles bewegliche Inventar zu seinem ungarischen Wohnsitz in Mosonmagyaróvár transferieren lassen. Das Palais wurde besenrein, wie Schröder es ausdrückt, der jungen Republik übergeben. Über 80 Jahre waren keine weiteren Anstrengungen unternommen worden, die Einrichtung aus einzigartigen Kästen, Tischen, Sessel, Etageren, Gemälden oder Uhren wieder an ihren ursprünglichen Standort zurück zu bringen und ihr den entsprechenden Rahmen mit Vergoldung und Bespannung der Wände zu schaffen.

Büste von Erzherzog Carl von Joseph Klieber © Albertina/Wien

Gemeinsam mit Christian Benedik, dem die Leitung Prunkräume und Architektursammlung übertragen worden war, ging Schröder nun daran, die Prunkräume wieder ihrer Bezeichnung gerecht werden zu lassen. Den Besuchern der Albertina ist es nun möglich, wie zu Zeiten der hochadeligen Bewohner vom Speisesaal mit den neun Musen bis in das Arbeitszimmer von Erzherzog Carl zu wandeln und mittels Guide die teils abenteuerlichen Geschichten zu vernehmen, die zum Erwerb und damit zur Wiedergewinnung der einzelnen Ausstattungsstücke geführt haben.

 

Generaldirektor Schröder darf nun ohne Übertreibung von einem Juwel der europäischen Ausstattungskunst sprechen. Zu den jüngsten Erwerbungen zählt eine vergoldete Tischuhr, die Herzog Albert von Sachsen-Teschen vor den französischen Truppen aus seinem Brüsseler Schloss Laeken – er war Statthalter in Vorderösterreich – gerettet hat. Die Uhr war Teil der rettenden Fuhre, die bis zu den Fensterrahmen und Supraporten alles Bewegliche aus Brüssel in sein Wiener Palais transportiert und den Grundstock für die heutige Einrichtung gelegt hat. Der Adoptivsohn von Albert, Erzherzog Carl, beauftragte die Manufaktur von Joseph Danhauser mit weiterer Anfertigung von Möbeln, von denen etliche aus dem Familienbesitz 1933 in Wien zur Auktion gelangten.

Bis heute sind diese Möbelstücke begehrte Antiquitäten, nicht zuletzt wegen ihres für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts fortschrittlichen und ansprechenden Designs. Der besondere Stolz Schröders ist das Sterbebett von Erzherzog Carl, das neben einem frei stehenden Schreibtisch mit originalem Leder als Handauflage und einer Büste von Napoleon an den „Generalissimus“ erinnert, vor dem sogar Bonaparte höchste Achtung als Kriegherr hatte, nicht zuletzt deswegen, weil Carl in der Schlacht bei Aspern erstmals den Siegeslauf des Korsen unterbrochen hatte. Die ebenfalls dort befindliche Kopie von Raphaels Madonna im Grünen stammt von Johann Evangelist Scheffer von Leonhartshoff, einem Nazarener, den Herzog Albert mit Aufträgen versah und mit großzügigen Romstipendien unterstützte. Der Hang des Sammlers zu Kunstströmungen jeweils seiner Zeit schlägt wiederum die Brücke in die heutige Albertina, die mit ihrer Grafiksammlung weit in die europäische Kunstgeschichte zurückblickt und für zeitgemäße Strömungen offen wie kaum ein anders Museum ist.

Ecketagere aus der Manufaktur Joseph Danhauser © Albertina/Wien
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