Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


BASQUIAT Retrospektive, Ausstellungsansicht

BASQUIAT Retrospektive, Ausstellungsansicht

JEAN-MICHEL BASQUIAT Radikale Kunst als vehemente Anklage

BASQUIAT Retrospektive, Ausstellungsansicht, Detail

BASQUIAT Retrospektive, Ausstellungsansicht, Detail

Die Werke des ersten afroamerikanischen Künstlers strahlen bis heute Furor von den Wänden

Jean-Michel Basquiat wurde nur 27 Jahre alt. Dennoch wird ihm, ähnlich anderen jung verstorbenen Genies, immense Bedeutung attestiert. Auch das in der kurzen Lebenszeit entstandene Œuvre ist enorm und vor allem ungebrochen aktuell. Der 1960 in New York City als Sohn eines Haitianers und einer Puerto-Ricanerin geborene Basquiat war, man möchte es nicht wahrhaben, der erste afroamerikanische Künstler, der sich in der bildenden Kunst durchgesetzt und Weltruhm erlangt hat. Sein Aufstieg war alles andere als gewöhnlich. Er begann mit Al Díaz Wände im Stadtteil SoHo unter dem Pseudonym SAMO© mit poetischen Graffiti zu verzieren. Die Botschaften fallen auf und nehmen bereits seine später klar definierten Anliegen vorweg. In den scheinbar wild auf die jeweilige Unterlage gezeichneten Strichen verbirgt sich vehemente Gesellschaftskritik, ein Aufschrei gegen Besitz- und Machtverhältnisse, gegen Ausbeutung und Kolonialismus, vor allem aber gegen Rassismus und Gewalt der Obrigkeit, die mit seinen öffentlich angebrachten Malereien mittels Spraydose keine rechte Freude hatte.

Jean-Michel Basquiat Light Blue Movers, 1987 © Estate of Jean-Michel Basquiat.

Jean-Michel Basquiat Light Blue Movers, 1987 © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Jean-Michel Basquiat Flesh and Spirit, 1982/83

Jean-Michel Basquiat Flesh and Spirit, 1982/83 Photo: Courtesy of Fredrik Nilsen. On loan from the Parker Foundation © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Basquiat treibt sich in einem Biotop von Subkulturen herum, wird aber dennoch von der von Weißen dominierten Kunstszene entdeckt. Der junge Mann lernt in einer Galerie Madonna kennen und verkehrt mit Keith Haring und letztlich mit Andy Warhol. Mit diesem verbindet ihn eine tiefe Freundschaft, die bis zu intensiver Zusammenarbeit reichte. Die wichtigsten Galeristen New Yorks erkennen das ungeheure Potential seiner Arbeitsweise. 1982 wird Basquiat als jüngster Teilnehmer der documenta 7 endgültig zum ersten schwarzen Star der Kunstgeschichte. Seine Werke werden in den großen amerikanischen und europäischen Museen gezeigt. Die Coverstory auf dem New York Times Magazine ist nur eine der großen Auszeichnungen.

Sein hauptsächliches Schaffen konzentriert sich auf die 1980er-Jahre, die von Rassenunruhen und dem Kampf um Gleichberechtigung gezeichnet sind. Am 12. August 1988 stirbt Jean-Michel Basquiat an den Folgen einer, wie es im Obduktionsbericht heißt, „akuten multiplen Drogen-Intoxikation“.

 

Mit „Black Lives Matter“ wird auch der „Alten Welt“ bewusst, dass in der „Neuen“ die Spannungen zwischen weißer und farbiger Bevölkerung noch längst nicht beseitigt sind. So löst nach fast zweieinhalb Jahrzehnten der Blick auf fratzenhafte Schädel, teils auf Monsterkörper gesetzt, auf mit ungelenker Schrift versehene Blätter und auf Ansammlungen furchterregender Phantasiegestalten nach wie vor einen Schock aus, ein Erschrecken, das durchaus heilsam sein könnte, besser gesagt, sollte. Kurator Dieter Buchart hat in der Albertina versucht, die Wirkung der als Waffe eingesetzten Zeichnung im Kampf für eine bessere Welt in der Ausstellung „BASQUIAT Retrospektive“ (bis 8. Jänner 2023) deutlich zu machen und eine Ausstellung geschaffen, die nicht einfach nur zu bewundern ist, sondern spürbar Furor von den Wänden strahlt.

Jean-Michel Basquiat Self Portrait, 1983 Photo: Ulrich Ghezzi | © Estate of Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat Self Portrait, 1983 Photo: Ulrich Ghezzi | © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Albertina Logo breit

Statistik