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Her Story. Künstlerinnen der Albertina, Ausstellungsansicht

Her Story. Künstlerinnen der Albertina, Ausstellungsansicht

HER STORY Was Frauen über die Sammlung erzählen

Her Story. Künstlerinnen der Albertina, Ausstellungsansicht

Her Story. Künstlerinnen der Albertina, Ausstellungsansicht

Künstlerinnen und ihre prägenden Werke aus dem Schatten des Depots ins Licht einer Ausstellung gerückt

Die Albertina feiert ihr 250-jähriges Jubiläum! Es ist eine Erfolgsgeschichte, getragen von den Namen großer Künstler. Doch schon am Anfang steht neben dem Gründer Herzog Albert von Sachsen-Teschen unübersehbar der Name einer Frau. Erzherzogin Marie Christine von Habsburg-Lothringen. Sie hatte ihre Liebe zu einem angeblich nicht standesgemäßen Bräutigam bei ihrer Mutter Maria Theresia durchgesetzt. Albert und sie wurden zum Power-Paar der Kunstszene ihrer Zeit, verbunden durch eine beispiellose Sammelleidenschaft. Geld und wohl auch Expertise brachte der Gemahl ein. Marie Christine trug dazu praktische Erfahrungen bei. Als Frau des Hochadels waren Zeichnen und Malen Teil ihrer Erziehung. Ihr Schaffen wurde als dilettantisch bezeichnet, entstanden aus der Freude an Kreativität, dem delectare, das erst später seinen abwertenden Beigeschmack erhielt. Gearbeitet wurde von den Damen privatim, ihre Werke wurden im engsten Kreis zwar bewundert, aber noch lange nicht so ernst genommen, wie sie es wohl verdient hätten.

Marie-Louise von Motesiczky Jagd, 1936

Marie-Louise von Motesiczky Jagd, 1936 ALBERTINA, Wien – Schenkung des Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust © Tate

Marie Christine von Habsburg-Lothringen nach Jean Siméon Chardin Dame mit Buch, 1760/70er-Jahre

Marie Christine von Habsburg-Lothringen nach Jean Siméon Chardin Dame mit Buch, 1760/70er-Jahre, ALBERTINA, Wien

Mit einer Richtigstellung setzt auch die Ausstellung „Her Story. Künstlerinnen der Albertina“ (bis 14. Februar 2027) ein. Eine ganze Wand beeindruckt mit der dichten Hängung von Porträts und Selbstporträts, die vom 16. bis zum 20. Jahrhundert von Frauen geschaffen wurden und aufgrund ihrer Qualität Eingang in die Sammlung der Albertina gefunden haben. Als Titel steht darüber das Wort „Sichtbar“. Vieles davon sind Reproduktionen in Form von Drucken. Sie stellten eine der wenigen Möglichkeiten dar, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und einen professionellen Status zu behaupten. Später wurde aus der Darstellung des eigenen Konterfeis eine ausgesprochen weibliche Form, um die eigene Identität zu befragen, mit Körperlichkeit zu provozieren und sich so als Künstlerin neu zu erfinden.

Meret Oppenheim Psyche, Freundin der Männer, aus der Mappe Parapapillonneries, 1976 ALBERTINA, Wien

Meret Oppenheim, Psyche, Freundin der Männer, aus der Mappe Parapapillonneries, 1976 ALBERTINA, Wien

Angelika Kauffmann Ohnmacht der Julia, Gattin des Pompeius, als sie dessen blutbefleckte Tunika

Angelika Kauffmann Ohnmacht der Julia, Gattin des Pompeius, als sie dessen blutbefleckte Tunika erkennt, um 1785 ALBERTINA, Wien

Die weitere Promenade vorbei an Kunst aus Frauenhand ist ebenfalls in Themenkreise eingeteilt. „Unternehmerisch“ eröffnet den Blick auf die eingeschränkten Möglichkeiten von Ehefrauen und Töchtern, den familiären Werkstätten ihren Stempel aufzudrücken. Eine der ersten Frauen war Diana Scultori, die ihre Kupferstiche selbstbewusst signierte. „Akademisch“ war vor dem 20. Jahrhundert ein Begriff, der Männern vorbehalten war. Aktstudium am lebenden Modell musste durch das Abzeichnen antiker Skulpturen ersetzt werden. Eine der Pionierinnen war Hermine Munsch, die in ihrem Wiener Atelier Aktunterricht anbot. Den geschäftlichen Bereich beleuchtet das Kapitel „Engagiert“. Die Künstlerinnen fanden immer wieder Wege, um Ansehen und Marktwert zu steigern.

Bereits im 17. Jahrhundert verband die Malerin Maria Sibylla Merian „Wissenschaft“ mit Kunst. Sie rückte die Genese von Schmetterlingen ins rechte Licht und überwand damit irrige Annahmen der Forschung, dass Insekten aus Schlamm entstünden. Es war das 19. Jahrhundert, das einer Olga Wisinger-Florian oder Tina Blau „eigenständiges“ Arbeiten und neue Wege innerhalb der anbrechenden Moderne ermöglichte, nicht zuletzt durch Gründung von Interessensvereinigungen. Das dunkle Kapitel von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg zeigt unter „Vertrieben“ eine Reihe von Betroffenen wie Lili Réthi, Trude Waehner oder die 1942 ermordete Ella Iranyi. Die große Wende im Verhältnis weiblich männlich setzte ein, als der Kunstmarkt über Geschlechtergrenzen hinaus „Anerkennung“ schuf. Nicht zuletzt wurde der weibliche Körper von seiner Ästhetik gelöst und – wie bei „Woman Power“ von Maria Lassnig – zu einem Schauplatz „feministischen“ Widerstands transformiert.

Maria Sibylla Merian Brennnessel mit Metamorphose des Kleinen Fuchs und zweier Fliegenarten

Maria Sibylla Merian Brennnessel mit Metamorphose des Kleinen Fuchs und zweier Fliegenarten, 1679-1683 ALBERTINA, Wien

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