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Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht

Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht

ZU GAST BEI ARNOLD SCHÖNBERG

Mit Notenblättern, Schach und Gemälden

Arnold Schönbergs Arbeitszimmer Los Angeles © Hannes Böck

Arnold Schönbergs Arbeitszimmer Los Angeles © Hannes Böck

Eine illustrierte Einladung, den Komponisten in seinen zahlreichen Wohnsitzen zu besuchen

Arnold Schönberg war, was seine Wohnsitze betrifft, eher ein unsteter Charakter. Der Universalkünstler lebte an insgesamt 17 Orten auf zwei Kontinenten, verstand es aber, in jeder der Bleiben den Alltag eines sportlichen und geselligen Menschen mit der vielseitigen Kreativität eines Genies zu verbinden. In der 28. Ausstellung im 28. Bestandsjahr des Arnold Schönberg Centers gibt es nun die Möglichkeit, eine Ahnung von den Lebensumständen sowohl privater als auch schöpferischer Art zu gewinnen. Kuratorin Therese Muxeneder erzählt in „Zu Gast bei Arnold Schönberg“ (bis 19. Februar 2027) anhand einer Timeline die Biografie des 1874 in Wien geborenen und 1951 in Brentwood (Los Angeles) verstorbenen Komponisten und Malers. Begleitet werden die bebilderten Daten von insgesamt 170 Exponaten, die neben dem künstlerischen Wirken ein umfassendes Interesse an Tennis, Ping Pong, Schach und seiner Familie sichtbar machen.

Nuria, Arnold und Gertrud Schönberg, Henriette Kolisch, Mitzi und Mischa Seligmann 1937 Los Angeles

Nuria, Arnold und Gertrud Schönberg, Henriette Kolisch, Mitzi und Mischa Seligmann 1937 Los Angeles © Arnold Schönberg Center, Wien

Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht

Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht mit Karikaturen

Am Empfang stehen Schreibmaschine, ein Metronom und in einer Schale liegen Federn für das Notenschreiben. 0b Schönberg seine illustren Gäste bis in das Arbeitszimmer vorgelassen hat, bleibt offen. Was sie aber zu sehen bekommen haben, waren Blätter mit Skizzen zu seinen Kompositionen, von ihm persönlich kommentiert. Es heißt, er hätte in seiner Arbeit reine Handwerkslehre über Theorieglaube, Wahrheit über Schönheitssinn, Kunstwirkung über die Ewigkeitsgesetze konservativer Ästhetik gestellt. Schönberg hatte dabei die Gelegenheit, mit den Künstlern seiner Zeit über die Befreiung von Systemzwängen zu diskutieren. Thema war bestimmt auch die von ihm entwickelte Zwölftonmusik oder seine bildnerische Kunst. Gemälde und Karikaturen waren bestimmender Teil des Interieurs und brachten die Konversation ins Rollen. In den Selbstporträts wird Schönbergs Seelenlandschaft offengelegt, oder wie er selbst gesagt hat: „Ich habe Blicke gemalt ... Das ist etwas, was nur ich getan haben konnte, denn es ist von meiner Natur heraus und ist der Natur eines wirklichen Malers vollkommen entgegengesetzt.“ Fotos, die den Meister beim Tennis, mit Frau und Kind auf Reisen oder feiernd im Freundeskreis zeigen, sind Beiträge privater Natur.

Schriftstücke zum Ankauf oder Neubau eines Hauses zeigen ein zusätzlich architektonisches Bedürfnis, die unmittelbare Umgebung seinem Schaffen adäquat anzupassen. Den Abschluss der Schau bildet das befremdlich knallbunte „Koalitionschach“, das von vier Parteien zu spielen ist. Ein Gast, der dieses von ihm entwickelte Spiel nicht zu Gesicht bekommen hat, war der Schachweltmeister Emanuel Lasker. Schönbergs humorige Begründung: „Das wäre für Lasker so schlimm wie für mich eine Komposition von ihm.

Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht

Zu Gast bei Arnold Schönberg, Ausstellungsansicht

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