Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Clemens Kerschbaumer und Ballett © Christian Husar

Clemens Kerschbaumer und Ballett © Christian Husar

Abheben mit Urbino Airlines zu einer NACHT IN VENEDIG

Clemens Kerschbaumer mit Gondel © Christian Husar

Gondoliere Clemens Kerschbaumer © Christian Husar

Ein Beweis für die Zeitlosigkeit von Johann Strauß und die Serenissima

Wenn die Gondel, in der Delacquas Gattin Barbara sicherheitshalber auf die Insel Murano verbracht werden soll, eine Luftmatratze ist, und die wunderschönen Masken zu Superman-, Panzerknacker- und Zwergenlarven verkümmert sind, dann sind wir in einer besonderen Art von Gegenwart, vielleicht bei einem Gschnas in einem Wiener Vorstadtbeisel. Im nach wie vor sehr traditionell gefeierten, wenn auch von Massen von Touristen umlagerten Karneval in der Lagunenstadt wird man bei derartigen Vorstößen seltsamer Verkleidungen wohl eher Anstoß erregen als für Heiterkeit sorgen. Dennoch ist es einem Regisseur wie Thomas Smolej unbenommen, eine ganz neue Ansicht von Venedig auf die Bühne zu stellen. Er selbst schreibt im Programmheft: Um ein generationenübergreifendes Publikum anzusprechen, halten wir die Optik in der Jetztzeit, aber natürlich bleibt die bekannte und beliebte Musik klassisch orchestriert und gesungen. Man könnte meinen, dass es knapp 140 Jahre nach der Uraufführung der Operette „Eine Nacht in Venedig“ an der Zeit war, Äußerlichkeiten den Zeitumständen anzupassen.

Ricardo Frenzel Baudisch mit Ballett © Christian Husar

Ricardo Frenzel Baudisch mit Ballett © Christian Husar

Beppo Binder, Roman Hackl, Thomas Malik © Christian Husar

Senatoren Beppo Binder, Roman Hackl, Thomas Malik © C. Husar

Ob ein solcher Vorstoß aber eine neue Zielgruppe anspricht und sich die Reihen der guten alten Sommerarena mit jungen Besuchern füllen, weil aus dem Herzog der Eigentümer und Captain der Urbino Airlines geworden ist, aus dessen Leibbarbier Caramello ein fescher Co-Pilot und aus dem Seeoffizier Piselli ein Flugbegleiter, bleibt eine offene Frage; zumal die Konsequenz von ernsthafter Bissigkeit und Satire fehlt. Aber als in die Jahre gekommener Zuschauer gewöhnt man sich bald an diese Veränderungen und ist bereit, sich an diesen gutgemeinten Versuchen einer Aktualisierung 90 Minuten lang zu amüsieren.

 

Michael Zehetner steht am Pult des teils (coronabedingt) in die vorderen Logen aufgeteilten Orchesters und schafft mit der zeitlos schönen Musik von Johann Strauß Schwung und feine Klangnuancierungen. Das Ballett ist ordentlich gefordert, zum einen als fotografierende Touristinnen, zum anderen als adrette Stewardessen und nicht zuletzt als Staffage, da der Chor eingespart wurde. An seine Stelle treten stimmgewaltig im Moment gerade nicht beschäftigte Solisten. Dazu zählen Susanna Hirschler, die als attraktive Shopping-Queen Barbara die Geldbörse ihres Mannes Delacqua (Roman Hackl) leert und sich mit dem Jungspund Enrico Piselli (Lukas Strasser) vergnügt, sowie die beiden Senatoren Testaccio (Beppo Binder) und Barbaruccio (Thomas Malik) samt Gattin Agricola (Sylvia Rieser).

Captain Iurie Ciobanu und Ensemble © Christian Husar

Captain Iurie Ciobanu und Ensemble © Christian Husar

Die Handlung wird flott getragen von den Eifersüchteleien der temperamentvoll singenden Damen Ivana Zdravkova (Annina) und Verena Barth-Jurca (Ciboletta) und deren Freunden Caramello (Clemens Kerschbaumer mit einer unwiderstehlichen Einladung, in seine Gondel zu steigen) und Pappacoda (Ricardo Frenzel Baudisch, der mit viel Komik seine Makkaroni an die Kundschaft bringen will). Der Boss ist und bleibt aber Iurie Ciobanu als Captain der Urbino Airlines. Sein Tenor hat Kraft und Sicherheit, auch in Situationen, wenn er nackt in einem winzigen Badewandl sitzt und sich singend auf engstem Raum für das Fest umziehen muss. Schließlich will er eine ihm noch unbekannte Schöne, ausgerechnet die Frau von Delacqua, in nämlicher Nacht in Venedig verführen. Allerdings hat er keine Ahnung, wie problematisch es ist, sich gegen weibliche Listen durchzusetzen. So können auch die beiden poesievoll durchs Geschehen webenden Clowns (Natalia Bezak, Jan Bezak) zu einem solchen Ansinnen letztlich nur stumm lächeln.

Ivana Zdravkova, Susanna Hirschler © Christian Husar

Ivana Zdravkova, Susanna Hirschler © Christian Husar

Iurie Ciobanu in der Badewanne © Christian Husar

Iurie Ciobanu in der Badewanne © Christian Husar

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