Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


NEUN, Esemble © Gregor Nesvadba

NEUN, Esemble © Gregor Nesvadba

NEUN- GUIDO!!! Inspiration verschwindet mit den Frauen

Dorina Garuci, Drew Sarich © Gregor Nesvadba

Dorina Garuci, Drew Sarich © Gregor Nesvadba

Fellinis Autobiographie als Vorlage für ein erfolgreiches Musical über einen veritablen Absturz

Nehmen wir den unwahrscheinlichen Fall an, dass ein Film so gemacht wird; also von einem Regisseur, der zuerst ein Thema finden muss, dann dazu ein Drehbuch schreibt, um schließlich die Dreharbeiten zu leiten. Der bedauernswerte Einzelkämpfer heißt Guido Contini, hat sich einen großen Namen gemacht und dennoch in letzter Zeit einige Flops wegstecken müssen. Eine Produzentin, an sich Leiterin eines namhaften Pariser Nachtlokals, streckt ihm Geld vor, überredet ihn zu einem Vertragsabschluss und erwartet einen Geniestreich. Was sie nicht wissen kann: Der Gute leidet unter einer ordentlichen Midlifecrisis und hat nicht die Spur von einer Idee, womit er die Phantasie seines Publikum entfachen könnte. Gemeint ist damit Federico Fellini, der eine ähnliche Schaffenskrise mit dem Streifen Otto e mezzo (8 ½) aufgearbeitet und überwunden hat. Der US-amerikanische Komponist und Texter Maury Yeston, spezialisiert auf Broadway-Musicals, lässt mit dem Autor Mario Fratti (Buch) in NINE diesen Regisseur seinem Untergang zutreiben. Was ist Contini ohne die Frauen? Nichts! Nur mit einer treuen Ehefrau, einer supergeilen Geliebten und einer wunderschönen Muse wäre es ihm möglich, Großes hervorzubringen. Aber die Damen ticken nicht so, wie er sich das vorstellt. Sie wollen ihn jede für sich allein und bringen das Genie dadurch sehenswert zu Fall. Guido! Guido! Ach Guido!

Jacqueline Braun, Drew Sarich, Ensemble © Gregor Nesvadba

Jacqueline Braun, Drew Sarich, Ensemble © Gregor Nesvadba

Wietske van Tongeren, Ensemble © Gregor Nesvadba

Wietske van Tongeren, Ensemble © Gregor Nesvadba

Vieles, nicht alles, wird klar, wenn man auf der Bühne Baden NEUN (Nine) in der Regie von Ramesh Nair miterlebt. Schon die düstergrauen Kulissen (Judith Leikauf, Friederike Friedrich) strahlen genügend Tristesse aus, um sich in die zerrüttete Seelenwelt des Protagonisten hineinversetzen zu können. Drew Sarich versucht als Guido Contini die ihn umschwirrende Weiblichkeit von seiner Liebe zu überzeugen. Nur bei seiner harten Produzentin Liliane La Fleur (Patricia Nessy) macht er nicht einmal den Versuch, Charme spielen zu lassen, und den bissigen Anwürfen seitens der ihm vor die Nase gesetzten Kritikerin Stephanie Necrophorus (Wietske van Tongeren) ist er hilflos ausgeliefert. Mehr Herz hat er als Neunjähriger verspürt, als ihm und seinen Mitschülern die Prostituierte Sarraghina (in einer reizenden Szene Jacqueline Braun mit Matteo Di Sapia) das Wesen der Liebe erklärte.

Für den Vierzigjährigen werden Beziehungen zur nicht bewältigten Herausforderung. In seiner Vorstellung verquicken sie sich ineinander und lassen ihn den Boden unter den Füßen verlieren, was Dank der Regie dazu führt, dass zeitweilig der gesamte Harem von ihm dirigiert wird und dennoch jede für sich ihren Guido zu haben glaubt. Als Geliebte Carla Albanese lässt Dorina Garuci ihre Sexualität von der Leine und hat dennoch nicht begriffen, dass so ein Mann für eine Partnerschaft mit ihr ungeeignet ist. Die Schauspielerin Claudia Nardi hadert mit ihrem Dasein als Muse und will ebenfalls mehr von ihm, dabei total ihre eigentliche Rolle in seiner Kreativität verkennend. Ehefrau Luisa (Milica Jovanović) kennt Guido schon zwanzig Jahre und hat über vieles hinweggesehen. Angesichts seiner Schwäche ist aber auch sie stark genug, ihn zu verlassen. Sie alle, wie auch das gesamte Ensemble, liefern in jeder Hinsicht eine großartige Leistung ab, begleitet vom Orchester der Bühne Baden unter der Leitung von Christoph Huber.

Drew Sarich, Ensemble © Gregor Nesvadba

Patricia Nessy, Anna Overbeck, Drew Sarich, Jacqueline Braun, Wietske van Tongeren, Milica Jovanović © Gregor Nesvadba

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