Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ballett der Bühne Baden © Christian Husar

Ballett der Bühne Baden © Christian Husar

SUNSET BOULEVARD Träume aus Licht zum Klingen gebracht

Lukas Perman, Maya Hakvoort © Christian Husar

Lukas Perman, Maya Hakvoort © Christian Husar

Berührende Konflikte am Treffpunkt von genialer Jugend und alternden Stars

Wenn Andrew Lloyd Webber drauf steht, dann ist garantiert großartige Musik drinnen. Man darf allerdings keine Ohrwürmer erwarten, wenn Don Black und Christopher Hampton Buch und Gesangstexte verfasst haben und damit eine ergreifende und die Traumfabrik Hollywood entlarvende Geschichte erzählen. Schauplatz ist neben den Filmstudios der SUNSET BLVD, an dessen Rändern sich mondäne Villen all derer reihen, die es im Filmgeschäft irgendwann zu Ruhm und damit zu Geld gebracht haben. Eine deren Bewohnerinnen ist Norma Desmond, der Star der Stummfilmzeit. Ihr Gesicht hat die Menschen einst derart fasziniert, dass sie die Kinos gestürmt haben, um sich von diesen „Träumen aus Licht“ verzaubern zu lassen. Der Ton zu den laufenden Bildern hat sie arbeitslos gemacht. Dank ihres Butlers Max ist ihr zumindest die Illusion geblieben, täglich Fanpost zu bekommen, und die Aussicht, ein von ihr verfasstes Drehbuch bei Paramount verfilmen zu lassen – mit ihr in der Hauptrolle der sechzehnjährigen Salome. Als sich der mittel- und auftragslose Schriftsteller Joe Gillis auf der Flucht vor Schuldeneintreibern in ihr Refugium verirrt, nimmt eine tragische Handlung ihren Lauf. Er soll das Buch bearbeiten und – so vermeint die ältliche Dame – ihr jugendlicher Liebhaber werden.

Sunset Boulevard, Ensemble © Christian Husar

Sunset Boulevard, Ensemble © Christian Husar

Dorina Garuci, Lukas Perman © Christian Husar

Dorina Garuci, Lukas Perman © Christian Husar

Wegen seines Films „Boulevard der Dämmerung“ wurde Billy Wilder 1950 als Nestbeschmutzer verunglimpft. Als 1993 das Musical „Sunset Boulevard“ in London seine Weltpremiere feierte, waren diese Stimmen längst verstummt. Bis heute fasziniert dieser doch schonungslose Blick auf das Hollywood der 1950er-Jahre die Menschen. Die Gründe dafür sind die gleichen wie ehedem. Große Emotionen, fatale Irrtümer und reizende Love Stories, untermalt mit berauschender Musik, die jedem Blockbuster-Streifen zur Ehre gereichen würde. Die Bühne Baden erweist sich dafür als wunderbarer Schauplatz. Andreas Gergen (Inszenierung) hat gemeinsam mit Christian Floeren (Ausstattung) mittels Video-Projektionen eine Welt aufgebaut, die das Publikum gefangen nimmt und nach L.A. entführt. Ein traumhafter Blick auf die abendliche Stadt wechselt mit kühlen Fronten der Studios, mit der düsteren Fassade der Villa und einem Stiegenaufgang in deren gespenstischen Inneren ab.

Der dort logierende Star ist Norma Desmond, der Maya Hakvoort nichts erspart. Wenn sie den doch um etliches jüngeren Lukas Perman als Joe Gillis mit der verzweifelten Erotik einer in die Jahre gekommenen Frau verführen will, klingt unübersehbar weibliche Überwindung an; zumal ihr Konterpart Betty Schaefer (Dorina Garuci) ist, die erfrischend optimistische Anfängerin im Drehbuchgewerbe. Dazwischen steht wie ein Fels in der Brandung Butler Max (Beppo Binder) mit der Überzeugung: „Kein Star wird jemals größer sein!“ Durchaus passend und mit ansprechenden Stimmen besetzt sind auch die zahlreichen anderen Rollen, angefangen bei Erin Marks als Astrologin, über Thomas Smolej als Freund Artie Green bis zum alten Boss Cecil B. DeMille, dem Gerhard Balluch warme Menschlichkeit im harten Filmgeschäft angedeihen lässt. Das Ballett erledigt verkleidet als goldene Oscar-Figuren im Hause Norman Desmonds ungewöhnliche Aufgaben eindrucksvoll bis zur Gänsehaut. Das Orchester, geleitet von Anđelko Igrec, trägt das Seine dazu bei, dieses Meisterwerk von Andrew Lloyd Webber mit der dabei zu erwartenden Klangfülle umzusetzen.

Maya Hakvoort © Christian Husar

Maya Hakvoort © Christian Husar

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