Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Weinblätter im Herbst

STEINFEDER GNEIS & LÖSS 2020 Der „jüngste“ Wachauer Grüne Veltliner

Das berühmte Kellerschlössel der Domäne Wachau

Der leichtfüßige Vorbote eines „merkwürdigen“ Jahrgangs kommt aus der Domäne Wachau

Als im zeitigen Frühjahr die Stipa pennata mit ihren Samenfäden die Trockenrasen in den Wachauer Weinbergen mit mystischem Weißgrau überzog, hätte noch niemand geglaubt, was in diesem Jahr alles an Ungemach auf uns zukommen würde. Die Steinfeder, so der populäre Name dieses seltenen Grases, wurde noch eifrig als Hutschmuck zum Kalmuck gesammelt, um bei Fest und Feier zünftig befedert aufmarschieren zu können. Mittlerweile wissen wir, dass daraus nichts geworden ist. Ein sattsam bekanntes Virus hat uns gehörig Laune und Spaß verdorben. Am wenigsten Schuld daran trägt aber die Steinfeder. Viel mehr lässt sie uns den Jammer vergessen, vor allem dann, wenn wir sie im Glas vor uns stehen haben. Sie ist nämlich auch Namenspatin des leichtesten der Weine, die in der Vinea Wachau als Steinfeder, Federspiel und Smaragd höchste Qualität aufgrund getreulicher Einhaltung strenger Vorschriften und deren Kontrolle garantieren. Das heißt u. a. erstens absolute Handlese, zweitens Verbot der Anreicherung des Mostes und der Weine und drittens ausschließlich Trauben aus der Wachau.

Die Riede Achleiten bei Weisenkirchen © Domäne Wachau

Mit seinen 11,5 % Alkohol und einer „kecken“ Säure von 6,5 ‰ ist die STEINFEDER GNEIS & LÖSS 2020 von der Domäne Wachau ein wahrer Lichtblick in dunklen Zeiten. Dieser Grüne Veltliner zeigt bereits alle die positiven Eigenschaften seiner beliebten Sorte. Angenehm steigt der grüne Apfel in die Nase, neben Zitrustönen, etwas Stachelbeere und zart pfeffrigen Noten.

Die Trauben kommen von den steilen Terrassen mit den Urgesteinsböden ebenso wie von den Löss-Weingärten, den sogenannten Frauenweingärten in der Ebene. Einen guten Teil liefern die weltbekannten Lagen in Weißenkirchen, Dürnstein und Loiben, der Rest kommt vom Südufer der Donau, die hier wie dort für dieses unvergleichliche Mikroklima von warmen Tagen und kühlen Nächten sorgt, das in der Wachau einen legendären Wein ermöglicht. Ein Glas davon ist sicher nicht genug, zu schön ist der sogenannte Trinkfluss. Aufgrund ihrer Leichtigkeit, Spritzigkeit und Eleganz empfiehlt sich diese Steinfeder für alle Tage und jede Tageszeit, ist man in der Domäne überzeugt. Vor allem sollte er innerhalb des ersten Jahres nach der Ernte getrunken werden. Dazu ein Tipp: Während uns der Lockdown Kilo um Kilo ansetzen lässt, will diese Steinfeder am liebsten zu leichten Vorspeisen, Salaten und gebratenem Fisch genossen werden und sorgt damit indirekt für eine Figur, die wir nach dem Ende der zahllosen Beschränkungen in passender Gewandung der Öffentlichkeit zufrieden zeigen können.

Flaschenfoto Steinfeder Gneis & Löss 2020 © Domäne Wachau

Domäne Wachau: mehr als ein Top-Weißweingut

Vielseitige Nachhaltigkeit für die Zukunft der Wachau

„Es gibt nichts Schöneres, als wenn du eine Heimat herzeigen kannst und die Leute sind begeistert“, schwärmt Heinz Frischengruber. Der „Technical Director“ der Domäne Wachau ist gebürtiger Rührsdorfer, also geborener Wachauer und innig mit seinem „Arbeitsplatz“, den einzigartigen Weinrieden der Wachau, verbunden. Nach Ausbildung und Studien, die ihn bis Geisenheim geführt haben, ist er über den Umweg durch die weite Welt des Weines 2005 wieder heimgekehrt, um hier im Team mit Mag. Roman Horvath (Weingutsleiter seit 2004 und seit 2009 Master of Wine) die Genossenschaft Freie Weingärtner zum Top-Weißweingut Domäne Wachau zu führen.

 

Als Önologe ist Frischengruber für die Mitgliederbetreuung zuständig, das heißt mit 250 Winzerfamilien zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam im Sinn ihres Weingutes letztlich die Philosophie der Domäne zu verwirklichen. Gemeint ist damit extrem hohes Qualitätsniveau im Weingarten und im Keller, das durch einen ansehnlichen Preis für die Trauben bedankt werden kann, der seinerseits wiederum als Motivation für viele kleine Weinbauern dient, doch die Plackerei auf den mühsam zu bearbeitenden Terrassen weiterhin auf sich zu nehmen.

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l.g.o.: Das barocke Kellerschlössl, Wahrzeichen der Domäne Wachau

l.o.: Ein Büscherl Steinfeder im Kostraum der Domäne

l.u.: Herbstliche Stimmung am Kellerberg

l.g.u.: Wunderschöne Fassböden im Keller der Domäne

l.g.g.u.: Die Domäne, mit der Bahn bestens erreichbar

r.o.: Roman Horvath, Weingutsleiter seit 2004 und seit 2009 Master of Wine

r.u.: Heinz Frischengruber, Technical Director der Domäne Wachau

Leiste: Putto am Kellerschlössl (in der Vergrößerung: Groteskfigur auf einem Bild im Inneren des Schlössls)

Zusammengefasst bedeutet das: Nachhaltigkeit auf vielen Seiten. Provokant könnte man fragen, ob ohne die Domäne die Wachau noch die Wachau wäre. Derzeit ja, aber was ist mit der Zukunft? Heinz Frischengruber ist überzeugt: „Wir können zuversichtlich in die nächsten 100 Jahre schauen“, weil bereits jetzt naturnahe gearbeitet wird, mit schonendem Pflanzenschutz, aber auch Landschaftspflege betrieben wird. Die in Trockenbauweise aufgeschichteten Mauern sind zwar ein ständiger Risikofaktor, aber immerhin wesentlicher Teil des Weltkulturerbes. Eine Wachau ohne Terrassen? Unvorstellbar!

 

Als Weingut ist die Domäne Mitglied der Vinea, oder genau gesagt, der Vinea Wachau Nobilis Districtus, bekannt für ein überaus strenges Regelwerk, aufgezeichnet im Codex Wachau, der Charta des reinen Weines. Steinfeder, Federspiel und Smaragd sind die drei Marken und gleichzeitig die Garantie für absolut naturbelassenen Wein aus der Wachau, ohne jede Anreicherung oder künstliche Konzentrierung und ohne jede Aromatisierung (Barriqueeinsatz oder Holzchips) usw., also durchwegs Verfahren, die vom Weingesetz zugelassen sind, und zuletzt: strengstes Herkunftsprinzip: ausschließlich in Flaschen abgefüllter Wein aus dem Weinbaugebiet Wachau.

 

Von der Domäne aus sieht man die Steinfeder blühen, auf der aufgelassenen Riede „Küss den Pfenning“, einem Trockenrasen mit seltener Flora und Fauna. Im Keller der Domäne, einem historischen Gewölbe aus 1719, das aber nicht zuletzt durch seine Größe (250 Meter lang) bis heute seine Funktion bestens erfüllt, lagert ebenfalls die Steinfeder, der leichteste der drei Vinea-Weine. Neben ihm wird von Grünem Veltliner und Riesling das Federspiel gekeltert, ein frischer Wein, den man, so Frischenschlager, „zu jeder Tages- und Nachtzeit trinken kann, waagrecht, senkrecht, wie es dir halt geht.“

 

Der König der Wachau ist der Smaragd; nicht der Edelstein, sondern die farbenprächtige Smaragdeidechse, die sommers über die heißen Mauern der Weingärten huscht. In der Domäne ist dieser Adel den großen Lagenweinen vorbehalten, wie dem Kellerberg, einer Riede unmittelbar hinter dem Kellerschlössl, einem barocken Kleinod, das im Auftrag des Abtes Hieronymus Übelbacher von Jakob Prandtauer erbaut wurde. „Wein ist alles, und Wein ist über alles“ war der Leitspruch dieses lebensfrohen Prälaten, und sein Motto hat für die Domäne seine Gültigkeit behalten, aber nicht nur für sie, sondern für alle Winzer dieser traumhaften Gegend, wie auch Heinz Frischengruber bestätigt, „denn auf die Wachau passt jeder auf! Da halten wir zusammen.“

 

Katzensprung: Wiederauferstehung einer Legende

Ein Wein erzählt Geschichte

Wir Österreicher verdanken unsere Freiheit möglicherweise einem Grünen Veltliner. Am Bankett zum Staatsvertrag 1955 wurde der „Katzensprung“, ein Grüner Veltliner aus der Wachau, Jahrgang 1954, ausgeschenkt, nachdem nach gründlicher Verkostung Leopold Figl diesen Wein zu seinem Lieblingswein und damit für „staatsvertragstauglich“ erklärt hatte – was rückblickend betrachtet alles andere als ein Zufall war.

 

Überliefert sind nächtliche Besuche des damaligen Außenministers im Kellerschlössel der heutigen Domäne Wachau in Dürnstein, nämlich immer dann, wenn die Verhandlungen um den Staatsvertrag ins Stocken geraten waren. Das zementharte russische „Njet“ sollte durch einen guten Schluck Wein aufgeweicht werden. Figl verfügte über den Kellerschlüssel und machte davon reichlich Gebrauch. Im Keller der Domäne Wachau wird bei Führungen noch der Tisch gezeigt, an dem bei solchen Gelegenheiten gebechert wurde.

Katzensprung ist eigentlich der Name eines kleinen, steilen Weingartens, der im Laufe der folgenden Jahrzehnte jedoch weitgehend aufgelassen wurde. Gleichermaßen hatte auch der „Katzensprung“ an Bedeutung verloren. Jüngeren Generationen von Weinfreunden war er bestenfalls bekannt als Billigmarke oder seit 2005 vielleicht ein historischer Begriff. Anlässlich 50 Jahre Staatsvertrag wurde von den (damals noch) Freien Weingärtnern Wachau ein „Katzensprung“ dem originalen 54er nachempfunden und als Jubiläumswein angeboten.

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g.o.r.: Die romantische Wachau-Stadt Dürnstein mit dem Burgweingarten

r.o.: Das barocke Kellerschlössel, wo Leopold Figl die Staatsvertragsverhandlungen mit einem guten Glas Wein in Schwung brachte

l.: Ein steiler Weingarten mit Terrassen, ähnlich dem "Katzensprung"

l.u.: Smaragdeidechse, das "Wappentier" der Vinea Wachau. Der Katzensprung ist allerdings eine Steinfeder.


 

Seine nunmehrige nachhaltige Wiederauferstehung verdankt der „Katzensprung“ dem ausgezeichneten Jahrgang 2011. „Natürlich in neuer und attraktiver Aufmachung“, wie Roman Horvath, Master of Wine und Leiter des Weingutes Domäne Wachau, versichert: „Die Trauben stammen aus den umliegenden Rieden des Original-Katzensprungs und ergeben einen leichten, glasklaren Wein, eine Steinfeder-Selektion, trocken und würzig; besser, knackiger, frischer und fruchtiger denn je.“

 

Genossen zu Seezungenfilet, Filet mit Champignons, gefülltem Huhn und Salat mit harten Eiern gewinnt der neue Katzensprung sogar seine historische Dimension als „staatstragender“ Wein zurück. Genau dieses Menü wurde seinerzeit am Bankett den hohen Gästen der vier Besatzungsmächte serviert, nachdem deren Außenminister ihre Unterschrift unter unseren Staatsvertrag gesetzt hatten und Figl verkünden durfte: „Österreich ist frei!“

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