Kultur und Weindas beschauliche MagazinDrei Arbeiten von Johann Gabris aus dem Anatomical Folding Book TIERISCH MENSCHLICH Kunstvoller Blick auf eine Partnerschaft
In Genesis 2 formt Gott alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führt sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Dass unter diesen Geschöpfen auch eine verderbliche Schlange ist, dürfte auch dem Allwissenden entgangen sein. Das schlaue Reptil verführte unsere Ureltern zum Biss in die verhängnisvolle Frucht und trug damit zum Auszug aus dem Paradies bei. Abgesehen von diesem Lapsus steht der Mensch über der Natur und damit auch über den Kreaturen, die ihn vom ersten Moment an begleiten, weiß zumindest die Bibel, die uns diese Episode überliefert. Eine derart anthropozentrische Haltung hat sich erst in jüngster Zeit in Richtung eines neuen Denkens aufzulösen begonnen, ist aber noch lange nicht verschwunden. Nach wie vor ist das Tier juristisch gesehen eine Sache wie das Handy oder das Auto. Deswegen hat Direktorin Johanna Schwanberg dieses enge, aber nicht friktionsfreie Verhältnis einer eingehenden Betrachtung unterzogen und dazu gemeinsam mit Vanessa Joan Müller die Jahresausstellung „tierisch menschlich“ (bis 22. August 2027) gestaltet.
Schon beim Anstieg in den ersten Stock geht man vorbei an einer Reihe von Arbeiten, für die Werner Feiersinger Wien durchstreifte und Tierdarstellungen im öffentlichen Raum dokumentierte. Ist man oben angekommen, hockt da ein Monster, das mit aufgerissenem Maul die Eintretenden bedroht. Tatsächlich handelt es sich um einen Wasserspeier vom nahen Stephansdom in Form eines Hundes. Dem besten Freund des Menschen begegnet man auch in einer verspielten Züchtung, die Norbertine Bresslern-Roth im Mops gefunden hat. Es handelt sich hier um das erste von fünf Kapiteln, die, so die Gestalterinnen, der Komplexität und der emotionalen Bandbreite des Themas Rechnung tragen. Von diesen „Ambivalenten Berührungspunkten“ geht es zu „Gejagt, gequält, gegessen“. Immer sind es Kunstwerke, von denen man angesprochen wird bzw. teils harsch zu Rede gestellt wird.
Alles in Arbeit, Ausstellungsansicht ALLES IN ARBEIT Dasein zwischen Mühsal und Erfüllung
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“ heißt es in Genesis 3,19. Ausgesprochen wurde diese Forderung ausgerechnet bei der Vertreibung aus dem Paradies. Gemeint ist die Arbeit, die uns seit dem Sündenfall auferlegt ist, um unser Dasein zu bestreiten. Aber war das Leben ohne sie tatsächlich so paradiesisch? Denn ein islamisches Sprichwort sagt deutlich: „Wenn Allah dich liebt, gibt er dir Arbeit.“ Wahrscheinlich kommt es auf die Perspektive an, von der aus Arbeit betrachtet und erlebt wird, um der einen oder der anderen Seite Recht zu geben. Fragen und Antworten darauf gibt es an einer Stelle, die schon von ihrer Ausrichtung her dem Himmel näher steht als andere ähnlich gelagerte Institutionen. Das Dom Museum Wien lädt mit dem Titel „Alles in Arbeit“ (bis 30. August 2026) zu Reflexionen darüber ein, was dieser Begriff für den einzelnen Menschen bedeuten kann. Hilfestellung gibt es dazu von der Kunst, die mit zahlreichen Werken ein gedeihliches Nachdenken anregt und zu neuen Erkenntnissen inspiriert.
Gestaltet wurde die Schau von Museumsdirektorin Johanna Schwanberg gemeinsam mit Vanessa Müller. Die beiden Frauen haben Wert darauf gelegt, nicht eine chronologische Geschichte zu erzählen. Vielmehr haben sie sich dem Thema über diverse Zugänge genähert; auch über die Politik und soziale Aspekte. Gerade unsere Stadt war mit dem Roten Wien eine Bastion der Arbeiterschaft, die mit der Kirche so ihre Probleme hatte. Diese scheinbar unüberwindliche Frontstellung ist mittlerweile Geschichte. Ein gutes Beispiel ist die raumfüllende Installation der Künstlerin Iris Andraschek. In „Fortsetzung der Arbeiten vom Vortage“ zeigen Tafeln den Beginn des Wiederaufbaus des in den letzten Kriegstagen zerstörten Stephansdoms, der von der gesamten Bevölkerung, egal welcher parteimäßigen Ausrichtung, fleißig mitgetragen wurde.
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