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3 GROTESKEN vom Meister der kleinen komischen Szene

Alexander Waechter in 3 Grotesken

Mit Alexander Waechter eintauchen in den von Arthur Schnitzler aufbereitete Seelenlandschaften

Empfindsamkeit kann ebenso tödlich sein wie Kränkung oder Verunsicherung. Der Arzt Arthur Schnitzler wusste wohl Bescheid über die möglichen letalen Folgen diverser psychischer Vorgänge, noch bevor Sigmund Freud tief in die Seelen der Menschen eingetaucht ist und diese mit seiner Wissenschaft offiziell gemacht hat. Als Dichter hat Schnitzler diese Erkenntnisse zur Grundlage viele seiner Werke gemacht, in denen die tiefsten Beweggründe im Plauderton des Fin de Siècle ernsthaft abgehandelt werden.

 

Alexander Waechter, Prinzipal seines Theaters Franzjosefkai21, nennt ihn den Meister der kleinen komischen Szene – und einen Weltmeister der großen tragischen Szene. Die geringe Größe der Bühne ließ Waechter zu den Miniaturen greifen, mit denen er in einem Einmannstück, einem literarischen Triptychon, „3 Grotesken“ Schnitzlers spielt und liest. Wie man es schon von den bisherigen Produktionen gewöhnt ist, verwandelt sich Waechter virtuos von einem Satz zum anderen in die jeweiligen Gestalten, wie sie ihm Schnitzler skizziert hat.

Alexander Waechter in 3 Grotesken © Theater Franzjosefskai21

Mit Stimme und Gestus malt er vor dem schwarzen Hintergrund mit kärglich ausgestatteter Szene Bilder, wie sie bunteste Kulissen nicht zu zeigen vermöchten. Eineinhalb Stunden werden zu einer Wanderung durch Seelenlandschaften, die unterhält und zum Lachen bringt, gleichzeitig aber voll tiefer Tragik sind und so ein Spannungsfeld aufbauen, wie es vielleicht nur Arthur Schnitzler mit seinem unbestechlichen Blick auf seine Mitmenschen schaffen konnte.

 

Kurz zum Inhalt der 3 Grotesken: In der ersten geht es um einen jungen Mann, der offenbar ernsthaft verliebt ist, bis er feststellen muss, dass er von der jungen Dame lediglich wie ein Medikament eingenommen wurde. Verschrieben hatte ihr die Arznei ein gewisser Dr. Schnitzler, der als einziger von einer ganzen Reihe von Ärzten direkt zu ihr gesagt hat, das sie sich einen Liebhaber nehmen soll. Mit der Entjungferung hat sie die in der Pubertät verschwundene Singstimme wieder gefunden und gesteht dies in einem langen Brief dem allzu empfindsamen Liebhaber, der sich ob dieser Offenbarung erschießt. Im zweiten Teil ist es ein braver Beamter namens Andreas Thameyer, der den Freitod wählt, weil alle Welt über ihn lacht. Seine Frau hat ein schwarzes Baby geboren, obwohl er überzeugt ist, dass sie ihn nie betrogen hat. Grausam ist der Ehrentag in der dritten Groteske für einen bedeutungslosen Kleindarsteller in einem Operettentheater, dem seine Freunde wohlmeinend einen tödlichen Streich spielen. Sie engagieren Claqueure, die seinen Kurzauftritt frenetisch bejubeln und ihm damit eine Ehre verschaffen, die er nicht überleben will.

theater franzjosrfslai21

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