Kultur und Wein

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TANTE JOLESCH KOCHT? Natürlich ihre berühmten Krautfleckerl

Alexander Waechter als Tante Jolesch © Theater franzjosefskai21

Alexander Waechter in der literarischen Küche von Torberg & Co

Aus der ganzen Monarchie ist die Mischpoche zusammengekommen, wenn ihre Tante Jolesch Krautfleckerl auf dem Speiseplan hatte. Angeblich setzt dabei ein wahrer Tourismus ein, um sich die köstliche Kreation aus raffiniert gedünstetem Kraut und selbstgemachten Fleckerln einzuverleiben. Sie selbst hat das Geheimnis verraten, warum so ein Griss darum bestanden hat. Aber das kennt ja ohnehin jeder Leser von Friedrich Torbergs „Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“. Was sie aber alles zu erzählen hatte, während sie Zwiebel schälte, den Krautkopf tranchierte und den Nudelteig walkte, das wird man dort jedoch nicht erfahren. Dazu muss man schon das Theater franzjosefskai21 aufsuchen. Alexander Waechter verwandelt sich in eine ungemein liebenswürdige, aber jedem Tratsch zugetane Dame, eben in unser aller Tante Jolesch, die nie um einen originellen Sager verlegen war und damit in den ehemaligen Kronländern zu einer der meist zitierten literarischen Gestalten aufgestiegen ist. Man lächelt und denkt darüber nach.

Alexander Waechter beim Austeilen der Krautfleckerln

Wenn sie bzw. ihr alter Ego nun daran geht, im eigenen Theater eine Kochshow auszurichten, läuft einem allein bei der Vorstellung der zu erwartenden Genüsse das Wasser im Mund zusammen. Diese finden allerdings nicht nur im kulinarischem Bereich statt, sondern in erster Linie auf dem mit leichter Hand servierten Gericht aus launigen Erzählungen und G´schichterln aus einer Zeit, als jüdische Schriftsteller im Rauch dicker Zigarren die bis heute hochgeschätzte „Kaffeehausliteratur“ geschaffen haben. Tante Jolesch weiß natürlich aus erster Hand, das Fritz Imhoff und Armin Berg große Esser vor dem Herrn waren und auch entsprechende Leibesfülle aufgewiesen haben. Sie war dabei, als Franz Werfel und seine Alma in der Emigration die anderen, weniger glücklichen Auswanderer unterstützt haben, und wie Arnold Schönberg, als ein Filmmogul seine Musik als „nice“ bezeichnete, auf dem Absatz kehrt gemacht hat und ohne Auftrag für Hollywood abgegangen ist. Während all dessen garen auf einem alten Herd sowohl Kraut als auch Fleckerl, die nach der Vorstellung im Foyer verkostet und sogar von anwesenden Köchinnen als großartig gelobt werden.

theater franzjosrfslai21

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