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Alexander Waechter in 1fach Komik

Alexander Waechter in 1fach Komik

1FACH KOMIK oder die absurde Realität von Witzen

Alexander Waechter in 1fach Komik

Alexander Waechter in 1fach Komik

„Unkorrekte“ Anekdoten von Alexander Waechter, Samuel Beckett, Matthias Hartmann u.v.m.

Alexander Waechter warnt sein Publikum im Programmzettel, dass es mit obszönen Witzen, also wunderbar unanständigen Zoten, konfrontiert werde. Dass er bei der finalen Pointe sogar die Hose herunterlässt, davon steht dort kein Wort. Wenn einem dabei die Schamröte ins Gesicht schießt, bleibt das ohnehin im Dunkel des Zuschauerraumes unbemerkt. Man darf sich ohne weiteres diesem Solo eines lebens- und bühnenerfahrenen Mannes aussetzen, ganz ohne Skrupel bezüglich Political Correctness oder ähnlich jüngst auferlegter Einschränkungen. „1fach Komik“ ist nichts anderes als der Beweis, dass niveauvolle Unterhaltung auch zum Lachen anregen darf und manche Grenze, aber nie die des guten Geschmacks, überschreiten darf.

Es beginnt mit einer Rückschau auf die Kindheit, auf die Ratlosigkeit beim Gelächter der erwachsenen Onkel. Sie klopften sich auf die Schenkel, wenn die Frage eines Clowns zu den Haaren der Frau damit endet, dass ein Polizist die empörte Zuschauerin damit tröstet: „Wenn er das Wort Fut sagt, ist er eh gleich verhaftet.“ Die beiden Buben, er und sein zwei Jahre älterer Bruder, kannten diesen derben Ausdruck für einen bestimmten weiblichen Körperteil einfach noch nicht. Bei seinem ersten Parisaufenthalt wusste Alexander bereits besser Bescheid, entging dort aber um ein Haar der Erschießung durch zwei Flics, die sich von ihm bedroht fühlten.

Alexander Waechter in 1fach Komik

Alexander Waechter in 1fach Komik

Nach diesen biografischen Details wird Samuel Beckett auf die mit Stehleitern und einem Fahrrad dekorierte Bühne eingeladen. Waechter ist, und das ist nicht zu überhören, ein Verehrer dieses irischen Schriftstellers, der das absurde Theater unters Volk gebracht und mit dem Titel „Warten auf Godot“ ein geflügeltes Wort als Ausdruck für alle Sinnlosigkeit jedweden Daseins geschaffen hat. Waechter weiß aber auch, dass dieser nicht nur ein Genie und Mitglied der Résistance war, sondern auch ein ordentlicher Schweinigel, der im Drang seiner Triebe auf dem Place Pigalle von einem Zuhälter beinahe erstochen worden wäre. Erinnerungen an die Bühne, auch an eigene Auftritte plus veritablem Hänger, werden immer wieder von privaten Eröffnungen aus der Familie abgelöst. Man hängt an seinen Lippen, wenn er über den Militäreinsatz von Vater und Onkel als Sanitäter erzählt und kurz darauf im „Endspiel“ die Leitern hochkraxelt, um als hinkender Clov das Nichts vor den Fensterluken zu sehen. Allein das Clownkostüm von Heinz Rühmann, das dieser einst als Estragon in „Warten auf Godot“ unter der Regie von Fritz Kortner in München getragen hat, ist ein guter Aufhänger für „unkorrekte“ Anekdoten, um dabei die Zuschauer zu einer Reise in eine absurd heitere Wirklichkeit mitzureißen.

theater franzjosrfslai21

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