Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Alexander Waechter als heiliger Trinker © Andreas Anker

Alexander Waechter als heiliger Trinker © Andreas Anker

Die Legende vom heiligen Trinker oder unverhoffte Wunder am Lebensende

Alexander Waechter mit der Statue der heiligen Therese

Alexander Waechter mit der Statue der heiligen Therese

Alexander Waechter führt sein Publikum durch die berührenden Untiefen einer armen Seele

Andreas Kartak ist eine gescheiterte Existenz. Seine Nächte verbringt er unter den Brücken der Seine als Clochard. Was er sich am Tag erbettelt, wird umgehend in Alkohol umgesetzt, um ihn vor Skrupel über sein vermasseltes Leben zu bewahren. Auf der Suche nach einer Verbesserung seines Daseins hat es den schlesischen Kohlenarbeiter nach Paris verschlagen. Man verweigert ihm dort jedoch das Bleiberecht. Grund war dafür wohl das Gefängnis, in das er gekommen war, nachdem er den Ehemann seiner Geliebten erschlagen hatte. Der in Ostgalizien in der Monarchie geborene österreichische Dichter Joseph Roth hat mit dieser tragisch-erbärmlichen Figur seine eigene Person und sein Leiden verwoben.

Roth war selbst ebenfalls dem Suff verfallen. Die letzten Lebensjahre verbrachte er im Exil in Frankreich und starb in Paris an Alkoholsucht. Vielleicht war es das Herbeischreiben von Hoffnung, das ihn zur Novelle „Die Legende vom heiligen Trinker“ bewogen hat, die 1939 posthum erschienen ist.

 

Sein Andreas begegnet unvermittelt einer Reihe von Wundern. Es beginnt mit einem unbekannten Herrn, der ihm 200 Francs gibt, mit der Auflage, diese nicht ihm, sondern der heiligen Therese von Lisieux in der Kapelle Ste-Marie des Batignolles zu erstatten. Er setzt das gesamte Geld in Pernod um, erhält aber beinahe gleichzeitig die Möglichkeit, exakt diese Summe durch Gelegenheitsarbeit zu verdienen. Ein Mirakel folgt dem nächsten, vom Treffen mit einem zu Vermögen gekommenen Schulkameraden, über Nächte mit schönen Frauen bis zum Fund von 1000 Francs in einer übertragen erworbenen Brieftasche. Roth schreibt dazu: An nichts gewöhnen sich Menschen schneller als an Wunder. Allein, es gelingt Andreas Kartak nicht, sein Versprechen der Heiligen gegenüber einzulösen, bis sie ihn selbst zu sich holt. Man spürt aus dem menschlich dichten Text unmittelbar die Verzweiflung eines Menschen, der seinen Schwächen ausgeliefert ist. Dazu kommt das ergreifende Spiel von Alexander Waechter, der in seinem „theater franzjosefskai21“ sowohl den Antihelden als auch dessen Begegnungen lebendig werden lässt und damit begreiflich macht, dass es innerhalb des Wunders nichts Verwunderliches gibt.

theater franzjosrfslai21

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