Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


DIE RICHTIGE SEITE Meinungsmatsch im virtuellen Wirtshaus

Die richtige Seite, Ensemble © Thomas Lieser

Die richtige Seite, Ensemble © Thomas Lieser

Was am Stammtisch einer rechten Facebookgruppe alles so gepostet wird...

Bernhard Dechant, zweifacher Träger des Nestroy-Spezialpreises (2015, 2025) und einer Reihe weiterer Auszeichnungen, hat für seine jüngste Produktion das Publikum in ein Wirtshaus eingeladen, in diese herrlich muffige Atmosphäre, über die sich schon Thomas Bernhard sein Maul zerrissen hat. Auch Dechant ist ein Theatermacher, dem allerdings jede Überheblichkeit eines abgehobenen Prinzipals fehlt. Er gibt zu, dass er für „Die richtige Seite“ von Werner Schwabs „ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM“ und von einer transdanubischen Facebookgruppe mit dem Namen „Ich wohne auf der richtigen Seite der Donau“ dazu inspiriert wurde. Der Stammtisch befindet sich im Netz, die Bühne dagegen ganz IRL im gemütlichen Wirtshaus Birner an der unteren Donau, wobei das Seidel Bier und ein Paar Frankfurter die Aufführung in die Nähe eines proletarischen Dinnertheaters rücken.

Babett Arens (Wirtin), Bernhard Dechant (Künstler) © Thomas Lieser

Babett Arens (Wirtin), Bernhard Dechant (Künstler) © Thomas Lieser

Miriam Strasser (Antifa), Isabella Knöll (Herta), Florentin Groll (Jürgen) © Thomas Lieser

Miriam Strasser (Antifa), Isabella Knöll (Herta), Florentin Groll (Jürgen) © Thomas Lieser

Es wird diskutiert. Es gibt ja eine Menge von Themen, über die man versteckt unter einem Nickname streiten und verbale Fäkalien absondern kann. Das Personal für diese Aufgabe hat Dechant großteils von Schwab übernommen. Es gibt den rabiaten Schweindi (Thomas Frank) mit seinem Hasi (Betty Schwarz), einen Karl (Didi Kern) und dessen Herta (Isabella Knöll), den Alten (Florentin Groll als Jürgen, der Lulu gehen möchte), den freundlichen Kellner Fotzi (Johnny Mhanna) und die Wirtin (Babett Arens) als strenge Wächterin über die Postings. Die Sprache ist den infantilen Gebräuchen im Internet angepasst. So werden die Äußerungen mit Bussi, Like, Bizeps, Herzi, etc. kommentiert.

Zu hören sind Rülpser aller Art, vor allem solche, die sich gegen sogenannte Linke Strömungen in unserer Gesellschaft richten. Es wird über den Missbrauch des Regenbogens gejammert, der mittlerweile von der queeren Gesellschaft als deren Symbol gekrallt wurde. Der Versuch, die Ballade vom Erlkönig zu gendern, geht unter dem Getöse einer raffinierten Soundmaschine unter. Bedient werden die Geräuschinstrumente übrigens von Karl, dessen Zorn sich in einem fulminanten Schlagzeugsolo gegen Tische, Gläser und die Trommelschlägel selbst richtet. Dass in dieser Gruppe Bernhard Dechant als Staatskünstler und eine um Sachargumente bemühte Antifa (Miriam Strasser) Aufnahme gefunden haben, erscheint kurios. Das „Schöne Paar“ (Schwab) wird aber gebraucht, um im Kreis der „Aufrechten“ Unruhe zu stiften und diesen Haufen als Blauwähler der bürgerlichsten Sorte zu entlarven, ohne jedoch die mittlerweile weitverbreitete Überzeugung „Empathie ist die größte Schwäche der westlichen Welt“ wirksam zu erschüttern.

Betty Schwarz (Hasi) © Thomas Lieser

Betty Schwarz (Hasi) © Thomas Lieser