Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Michelle C. Härle (Sally), Arthur Ortens (Mr. Smith 1) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Michelle C. Härle (Sally), Arthur Ortens (Rober, Mr. Smith 1) © Gloria Theater / Martin Rehberger

2 LINKS 2 RECHTS A Hetz mit verhinderten Seitensprüngen

2 Links 2 Rechts, Ensemble © Gloria Theater / Martin Rehberger

2 Links 2 Rechts, Ensemble © Gloria Theater / Martin Rehberger

Ein flotter Abend für ein durch und durch „komisches“ Ensemble

Derek Benfield (1926-2009) hat in „2 Rechts 2 Links“ britischen Humor mit einem Schuss französischer Amour fou zu einer anständigen Komödie gemixt und dabei nicht an Wortwitz und Slapstick gespart. Ohne zu viel zu verraten: Ein anscheinend in sicherer Einsamkeit gelegenes Hotel wird von zwei Pärchen für ein paar Tage sinnlicher, jedoch außerehelicher Freuden gebucht. Was an sich unter Erwachsenen nicht ungewöhnlich ist. In diesem Fall sind es aber blutige Dilettanten des Seitensprungs, die sehenswert an ihrem unmoralischen Vorhaben scheitern. Böse Zufälle tragen das ihre dazu bei, dass aus dem Kuscheln nichts wird, was nicht zuletzt an den miserablen Zuständen des gastlichen Hauses liegt, in dem beispielsweise das Zimmertelefon nicht funktioniert und ein um das Wohl seiner Gäste nicht gerade engagierter Portier das Durcheinander perfekt macht.

Christoph Fälbl (Geoff), Angela Schausberger (Helen) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Christoph Fälbl (Geoff), Angela Schausberger (Helen) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Michelle C. Härle (Sally) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Michelle C. Härle (Sally) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Lachen ist garantiert, zumal die Besetzung, die Prinzipalin Claudia Rohnefeld für ihre zweite Produktion engagiert hat, feine Schmähs und derbe Gags in großartiger Weise umzusetzen vermag. Robert Notsch hat ein würdevoll in die Jahre gekommenes Hotel aufgebaut und es dabei geschafft, zwei Zimmer und eine Rezeption auf der Bühne des Gloria Theaters so anzuordnen, dass Scheinwerfer genügen, um von einem in den anderen Schauplatz zu wechseln, in diesem Fall vom grünen in das blaue Zimmer, in denen jeweils ein gewisser Mr. Smith auf seine Angebetete wartet.

Der um Souveränität bemühte Roger (Arthur Ortens) ist der eine Mr. Smith, der tatsächlich nach kurzem Warten Besuch vom blonden Gift namens Sally (Michelle C. Härle) bekommt. Im anderen Zimmer erntet Christoph Fälbl als Geoff verdiente Lacher, wenn er unbeholfen mit den Mängeln seiner Logis hadert. Als die elegante Gespielin Helen (Angela Schausberger) auftaucht, soll es zur Sache gehen, aber sie nascht lieber ihre Pralinen. Im Zentrum steht als Spezialist für subtiles Amüsement Thomas Schreiweis. Sein Ferris hat hinter dem Pult mit der fallsüchtigen Glocke freilich sofort erkannt, worum es den inkognito gebuchten Herrschaften geht. Doch statt in aller Ruhe an seinem Kreuzworträtsel weiterarbeiten zu können, wird sein Dasein durch ein turbulentes Tür auf Tür zu zu einem stressigen, letztlich jedoch mit Schmiergeld gut bezahlten Management, um die vier Liebessüchtigen zu ordnen bzw. voneinander zu trennen. Das Publikum ist von diesem Tohuwabohu begeistert, da alles wie am Schnürl läuft, wobei nicht die Affären gemeint sind. Es ist die Regie, die diesen Spaß minutiös eingerichtet und sich redlich den allseits beliebten Champagner verdient hat.

Thomas Schreiweis (Ferris) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Thomas Schreiweis (Ferris) © Gloria Theater / Martin Rehberger

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

DER NACKTE WAHNSINN Zum Einstand „Noises off!“ Lachen an!

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

Die beliebte Floridsdorfer Komödienbühne wurde von einem vertrauten Ensemble erfolgreich wiedererweckt.

In Zeiten schwindender Subventionen ist es mehr als eine Mutprobe, ein sogenanntes Off-Theater zu eröffnen. Die Schauspielerin Claudia Rhonefeld konnte jedoch nicht untätig zuschauen, wie das vom skandalöserweise viel zu früh verstorbenen Gerald Pichowetz gegründete Gloria Theater allmählich in Vergessenheit geriet. Das Motto „Da, wo das Lachen zuhause ist“ wurde von ihr übernommen und am 10. März 2026 mit der im Grund programmatischen Komödie „Der nackte Wahnsinn“ wieder eröffnet. Die neue Prinzipalin setzte damit auf die verlässliche Wirkung des englischen Humors, auf gekonnten Slapstick, denn Michael Frayn strapaziert in dieser Persiflage auf eine kleine Wanderbühne gehörig das Zwerchfell. Unter dem Titel „Noises off!“ erblickte das Stück 1982 erstmals das Licht der Scheinwerfer und ist seither aus kaum einem Spielplan, nicht einmal dem des ehrwürdigen Burgtheaters, wegzudenken.

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

Der nackte Wahnsinn, Ensemble © Martin Rehberger

Geza Terner, Pia Strauss © Martin Rehberger

Geza Terner, Pia Strauss © Martin Rehberger

Tür auf, Tür zu, und das auf einer Bühne, deren Ausstattung von hinten und von vorne zu sehen ist, diese Vorgaben in einem entsprechenden Tempo umzusetzen, ist bereits eine gewaltige Herausforderung, das einem seriösen Leading Team den Schweiß auf die Stirne treibt. Unter der Regie von Rohnefeld & Thomas Schreiweis hat der in Sachen Bühnenbild kompetente Robert Notsch eine raffinierte Konstruktion entwickelt, die sich sogar bei offenem Vorhang, begleitet von entsprechenden Kommentaren, amüsant und kurzweilig umbauen lässt. Dazu braucht es allerdings einen Darsteller, der einst als „SelfMan“ Heimwerker zu ihrem Tun ermutigt hat und jetzt als Regisseur eine Chaostruppe für eine Tournee durch die Provinz vorbereiten muss. Andreas Steppan ist dieser Leonhard Dallmayer, der trotz Diskussionslust, menschlicher Schwächen und dem schauspielerischen Unvermögen seines Ensembles nicht verzweifelt. Groß ist auch sein körperlicher Einsatz, vor allem bei den jungen Frauen seines Teams. Betroffen sind davon die naive und brav ihren Text aufsagende Julia (Daniela Lehner), die als Finanzbeamtin Vicki in reizvoller Unterwäsche auf amourösen Abwegen einen Steuersünder dingfest machen will, und die kleine bescheidene Poppy (Xina Ziegler), die als Regieassistentin unauffällig für Ordnung sorgt.

Im Zentrum steht die Haushälterin Frau Guggenbichler, die nicht und nicht in den Genuss ihrer Sardinen kommt. Dass ihre Darstellerin Dotty Haferl, authentisch verkörpert von Steffi Paschke, mit den Herren Frederick Fellinger als Hausbesitzer Philip Brenner und Gerry Jungmann, der als Makler Robert Tramminger erscheint, offenbar ein Techtelmechtel hat, wird mit Geza Terner und Christoph Fälbl in herrlich komischen Gewaltausbrüchen zur wahren Gaudi. Pia Strauss ist als Belinda Barich für die Rolle der eleganten Flavia Brenner zuständig, ist aber wie auch die anderen gefordert, den trinkfreudigen Einbrecher Helmut Mauerbach (Peter Faerber) von der Whiskyflasche fernzuhalten. Das Kraut des Durcheinanders fett macht Georg Hasenzagl, dessen Tim Allgut als Inspizient mit Treffsicherheit die für den Regisseur gekauften Blumen an die falschen Damen überreicht. Es ist eben Theater im Theater im Theater und damit eine Lachgarantie, die auf das Weiterbestehen des Gloria Theaters als Heimat der leichten, aber niveauvollen Unterhaltung berechtigte Hoffnung macht.

Daniela Lehner, Christoph Fälbl © Martin Rehberger

Daniela Lehner, Christoph Fälbl © Martin Rehberger

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