Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Hoch die Republik Raum 1 © Hertha Hurnaus

hdgö als Versuch, die Republik ins Museum zu stellen

Ansicht Erinnerung Waldheimpferd © Foto Hertha Hurnaus

HAUS DER GESCHICHTE ÖSTERREICH – ein Verlegenheitsgeschenk zum Hunderter

Mit Hängen und Würgen wurde das Geburtstagsgeschenk unserer Republik fertig gestellt. Es waren daran rote Minister und es ist zur Zeit ein schwarzer, pardon, türkiser Minister beteiligt. Immerhin geht es um die verflossenen 100 Jahre, in den kein Kaiser mehr von Gottes Gnaden über unser Schicksal bestimmt, sondern eine von Frauen und Männern dieses Staates frei gewählte Regierung. Wenn das kein Grund zum Feiern ist?! Und ein Anlass, ein Museum zu eröffnen?! Dass es in diesem Säkulum einige Unterbrechungen demokratischen Wohlseins gegeben hat, ist bekannt. Ab 1934 gab es den Ständestaat und was zwischen 1938 und 45 passiert ist, konnte in diesem Gedenkjahr ohnehin niemand ignorieren. Aber 1918 war die Saat gelegt, die uns Heutigen regelmäßig zur Wahlurne schreiten lässt, im Vertrauen darauf, dass die von Hans Kelsen erarbeitete und mittlerweile immer wieder verbesserte Verfassung von den angekreuzten Parteien und deren Politikern auch ernst genommen wird. Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.

Kleid von Conchita Wurst im Raum 3 Wunderkammer © Hertha Hurnaus

So darf ohne weiteres auch die Errichtung eines Museums beschlossen werden, das uns, also den Staatsbürgern und allen anderen Erdbewohnern, entscheidende Geschehnisse aus diesem Zeitraum vor Augen führt. Da aber nun einmal jeder eine andere Sicht auf Vergangenheit hat, ist Diskussion durchaus nicht negativ, sollte aber nicht durch eine tendenziöse Gestaltung die Kontrahenten in gute Linke und böse Rechte trennen, was mit dem „Hause der Geschichte Österreich“ in der Neuen Hofburg leider unübersehbar passiert ist.

 

Vom Gestalterischen her verdient dieses Museum einen klaren Fünfer. Es ist hoffnungslos überladen. Der ohnehin peinlich knappe Raum, der dafür zur Verfügung gestellt wurde, ist tapeziert mit Papierln, die von den wenigen dreidimensionalen Objekten ablenken, beziehungsweise diese schwer finden lassen. An Videos wurde zwar nicht gespart, aber die gesamte Raumstimmung lässt so wenig Ruhe aufkommen, dass man sich, will man eine dieser Aufzeichnungen länger verfolgen, bereits als Störfaktor vorkommt. Es fehlt auch die Hand eines Regisseurs, der den Besucher informativ durch das Gezeigte leitet. So muss man stets erst suchen, worum es gerade geht.

Vor allem aber ist Fremdschämen angesagt. Was sind wir Österreicher doch für ein niederträchtiges Volk! So die Grundtendenz dieses angeblichen Geschichtslabors, das Fragen stellen will, die damals wie heute Österreich und Europa bewegen. Derzeit steht es noch unter der Leitung der Österreichischen Nationalbibliothek und soll später dem Parlament zugeschlagen werden. Man darf neugierig sein, wie kommende Regierungen mit diesem (missglückten) Abriss der Geschichte im hdgö umgehen werden.

Ausstellungsansicht Das ist Österreich © Foto Hertha Hurnaus
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