Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Mausefalle, Ensemble © Peter Buchecker

Die Mausefalle, Ensemble © Peter Buchecker

DIE MAUSEFALLE fängt Opfer und Täter im Schneetreiben

Reinhard Müller © Peter Buchecker

Reinhard Müller © Peter Buchecker

Il Vero Teatro überrascht in Agatha Christies Kriminalstück mit der unerwarteten Lösung des Falls

Seit dem 25. November 1952 wird täglich im Londoner West End gerätselt, wer mit dem Kinderlied „Three Blind Mice“ einen Mord ankündigt und diesen auch tunlichst ausführt. Dank der Disziplin des Publikums bleibt das Geheimnis gewahrt und hat damit zu einem wohl unüberbietbaren Rekord geführt. „The Mousetrap“ ist das am längsten ununterbrochen (abgesehen von der Corona-Zwangspause) aufgeführte Theaterstück der Welt. Unter ihrem deutschen Titel wurde „Die Mausefalle“ nun auch im Theater Center Forum I aufgerichtet und anstelle von Speck mit dem Köder Spannung bestückt; mit der reizvollen Möglichkeit, sich in der Pension Monkswell Manor durch ungewöhnlich starke Schneefälle von der Außenwelt abschneiden zu lassen und nicht nur vor Kälte, sondern auch aus Angst vor dem nächsten Mord zu zittern.

Die Mausefalle, Ensemble © Peter Buchecker

Die Mausefalle, Ensemble © Peter Buchecker

Kristina Krenn, Walter Koch © Peter Buchecker

Kristina Krenn, Walter Koch © Peter Buchecker

Die Truppe um Veronica Buchecker, bekannt als „Il Vero Teatro“, stellt dazu die von Agatha Christie erdachte Gesellschaft mit einem engagiert agierenden Ensemble. Martin Gesslbauer hat ein gemütliches englisches Zimmer geschaffen, mit Ledersofa im Zentrum, einem Kamin, den man sich mit wärmenden Feuer vorstellen muss, und genügend Aus- und Eingängen, durch die ein potentieller Täter seinen dunklen Machenschaften nachgehen könnte. Aus dem Radio ertönt gleich zu Beginn die Stimme von Jürgen Pfaffinger, der über einen seltsamen Mord an einer gewissen Maureen Lyon in London berichtet. So lange es das Wetter zulässt, erscheint in der von Mollie (Sandra Bern) und Giles Ralston (Thomas Bauer) neu eröffneten Pension Monkswell Manor eine Schar illustrer Gäste.

Reinhard Müller ist Christopher Wrenn, mit wirrem Haar, künstlerischer Aufmachung und auffälligem Benehmen ein kurioser Nachfolger des großen englischen Architekten gleichen Namens. Der in die Jahre gekommenen Mrs. Boyle (Kristina Krenn) passt gleich einmal gar nichts. Die Zufahrt für das Taxi war nicht ausgeschaufelt, jetzt ist ihr kalt und sie vermisst das Personal. Stramm ist der Auftritt von Walter Koch als Vertrauen erweckender Major Metcalf, dem die wortkarge und eher unfreundliche Miss Casewell (Veronica Buchecker) folgt. Durchaus suspekt ist arrogante und bei der Hausfrau sofort anlassige Mr. Paravicini, den Peter Masch in einer Mischung aus Deutsch und Italienisch erklären lässt, dass sich sein Rolls Royce in einer Schneewächte überschlagen hätte. Jeder und jede der Anwesenden wird in den Augen des sportlichen, mit Schiern angereisten Detective Sergeant Trotter (Alexander Schrei) verdächtig, sowohl die Frau in London als auch die nörgelnde Mrs. Boyle auf dem Gewissen zu haben. Die Lösung ist verblüffend, denn kaum jemand hätte erwartet, dass...

Thomas Bauer, Sandra Bern © Peter Buchecker

Thomas Bauer, Sandra Bern © Peter Buchecker

Szenenaufnahme aus Paradiso © Peter Buchecker

Szenenaufnahme aus Paradiso © Peter Buchecker

PARADISO Einsamkeit und Entenfüttern verbinden

Dagmar Truxa, Veronica Buchecker © Peter Buchecker

Dagmar Truxa, Veronica Buchecker © Peter Buchecker

Eine Parkbank als Schauplatz berührender Gespräche zwischen zwei Generationen

Dr. Martha Eisenbrunn ist pensionierte Schulleiterin und genießt die Zeit mit Spaziergängen im Park. Ihre Aufmerksamkeit gilt den Enten im dortigen Teich. Sie kennt längst jedes einzelne Tier, namentlich den Grünschwanz, einen prächtigen Erpel. Die Vögel sind die Gesellschaft einer Frau, die weder Mann und Kind noch irgendwelche Verwandte hat. Sie sind außerdem unkomplizierter als Menschen, denen Martha aus dem Weg zu gehen versucht. Es gelingt nicht ganz. Denn eines Tages setzt sich eine Frau mittleren Alters neben sie auf die Bank und lässt sich auch durch Grobheiten nicht abschütteln. Vicky ist gelernte Krankenschwester, derzeit stellungslos und bald obdachlos. Sie stellt sich jedoch als Amateurdetektivin heraus, die das Dasein von Martha bis ins kleinste Detail recherchiert hat. Was will diese Frau? Die Skepsis der Älteren ist verständlich. Irgendwann gewinnt doch die praktische Seite dieser neuen Bekanntschaft die Oberhand. Vicky ihrerseits kann alte Leute pflegen und massieren, Martha hingegen verfügt über Geld und eine Wohnung, in der genügend Platz für eine zweite Mitbewohnerin ist.

Wie sich diese Zweckgemeinschaft mit jeder Sitzung auf der Parkbank mehr und mehr in Freundschaft vertieft, ist Inhalt des Stücks „Paradiso“ von Lida Winiewicz. Veronica Buchecker, Chefin von „Il Vero Teatro“, hat für die Produktion im Theater Center Forum II die Hauptrolle übernommen. Angetan mit einem abenteuerlichen Poncho spricht sie eine elegant gekleidete Dame an, um diese zuerst einmal zu rügen. Es ist verboten, die Enten zu füttern. Entsprechend harsch reagiert Martha, die von Dagmar Truxa alle Nuancen einer in Würde gealterten Frau erhält. Sie verbindet darin Überheblichkeit, beinahe krankhaften Geiz, zögerliches Öffnen und am Ende ergreifend schmerzliches Verlorensein. Martha lässt Vicky spüren, wie wenig gebildet sie sei und steht dennoch den praktischen Argumenten der anderen hilflos gegenüber. Wie ein Damoklesschwert hängt über dem allmählichen Zusammenwachsen die Abschiebung in das Pflegeheim namens „Paradiso“, die Martha vehement ablehnt. Nicht zuletzt daraus beziehen die Dialoge ihre Spannung, die neben pointierten Sätzen und feiner Charakterdarstellung diesen Theaterabend sehenswert macht.

Dagmar Truxa als einsame Direktorin im Ruhestand © Peter Buchecker

Dagmar Truxa als alternde einsame Direktorin © Peter Buchecker

Statistik