Kultur und Weindas beschauliche Magazin"IM BLICK: Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere. Übermalt und freigelegt", Oberes Belvedere Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien ÜBERMALT UND FREIGELEGT Gemälde von J. B. Lampi d. Ä. & d. J.
Seit 1828 befindet sich das Gemälde „Venus, auf einem Ruhebett schlafend“ in der Sammlung des Belvedere. Geschaffen wurde es von Johann Baptist Lampi dem Jüngeren. Für eine Liebesgöttin fehlte aber deren Begleiter, der kindliche Amor, was abenteuerliche Interpretationen um die dargestellte Person eröffnete. In zwei Salzburger Heimatromanen des frühen 20. Jahrhunderts wurde sie zu Emilie von Wolfsberg, einer Geliebten Napoleons, erklärt. Die Leser waren begeistert, ein so schönes Bild dieser Frau im Museum bestaunen zu können und pilgerten zu diesem Behuf in Scharen nach Wien. Es sollten noch gute 100 Jahre vergehen, bis Röntgen- und Infrarotaufnahmen hinter der schwarzen Fläche rechts über der Dame den geflügelten Schelm mit seinen Pfeilen offenbarten. Mit entsprechendem Aufwand und vor allem gewaltigem Fingerspitzengefühl wurde die Übermalung von der Restauratorin Ana Stefaner entfernt und der mythologische Inhalt freigelegt.
Dieses Meisterwerk prangt nun im Zentrum der Ausstellung „Im Blick“, die den beiden Malern Johann Baptist Lampi dem Älteren (1751 Romeno-1830 Wien) und dem Jüngeren (1775 Trient-1837 Wien) bis 11. Oktober 2026 gewidmet ist und von Kuratorin Katharina Lovecky als spannender Kunstkrimi gestaltet wurde. Wie dem Sohn war es auch dem Vater ergangen. Seine Arbeitsweise steht für den Übergang von der Barockzeit zum Klassizismus. Nachdem er es in Wien zu einem gefragten Maler und 1786 sogar zum Professor für Historienmalerei an der Wiener Akademie gebracht hatte, zog es ihn 1788/89 nach Warschau. Kein Geringerer als Giacomo Casanova hatte ihn den höchsten polnischen Kreisen empfohlen. Unter anderem saßen ihm Mitglieder der Familie Tomatis Modell. Ein ebenfalls im Belvedere befindliches Werk zeigt die Schwestern Adelaide und Zoë in vertrauter Umarmung, in einer Emotion, die damals die förmlichen Porträts ablöste.
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