Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht A Muslim, a Christian, and a Jew © Ouriel Morgensztern

Ausstellungsansicht A Muslim, a Christian, and a Jew © Ouriel Morgensztern

MUSLIM, CHRIST & JUDE auf der Suche nach gemeinsam Trennenden

Eine bezeichnende Arbeit von © Eran Shakine

Eine bezeichnende Arbeit von © Eran Shakine

Der Israeli Eran Shakine liefert mit heiter wirkender Kunst ernste Denkanstöße.

„Kennen Sie den? Ein Muslim, ein Christ und ein Jude...“ Nein, es ist kein Witz, den uns der israelische Künstler Eran Shakine erzählen will, wenn er unter seine Werke den Text mit „A Muslim, a Christian, and a Jew“ beginnen lässt. Drei elegant mit Anzug und Zylinder gewandete Herren, reduziert auf die Gestalt einer Karikatur, streifen durch die Welt. Sie sind die Kinder einer gemeinsamen Mutter, identisch wie Drillinge, und erleben auch die gleichen Erfahrungen, wenngleich aus dreifach getrennter Sicht. Sie sitzen auf einem Waggon des Riesenrads und schauen unverwandt in verschiedene Richtungen oder ignorieren stur den kleinen Hund, der als Symbol des Glücks hinter ihnen herläuft. Dass jeder von ihnen glaubt, die Sonne scheine aus seiner Richtung auf ihn herab, ist eine der trennenden Pointen, die von einer Seilschaft oder einer vergeblichen Räuberleiter hinauf zum Himmelstor ihre verbindlichen Gegenstücke erhält.

Die Mutter bringt eineiige Drillinge zur Welt © Eran Shakine

Die Mutter bringt eineiige Drillinge zur Welt © Eran Shakine

Ein Muslim, ein Christ und ein Jude sehen Dinge aus anderer Perspektive © Eran Shakine

Ein Muslim, ein Christ und ein Jude sehen Dinge aus anderer Perspektive © Eran Shakine

Die Arbeiten sind alle sehr schnell, spontan entstanden, gerade so wie sie dem Zeichner und Maler in den Sinn gekommen sind. Betroffen sind davon die Mitglieder der drei damit angesprochenen Religionsgemeinschaften. Der große Rest der Menschheit, der damit nichts am Hut hat, mag sich wundern, warum gerade diese Gläubigen einander spinnefeind sind – und das im Namen ihres jeweiligen Gottes, der für alle drei an einer einzigen Wurzel, dem Monotheismus im Buch der Bücher, in der Bibel steht. Eran Shakine will und kann sich damit nicht abfinden. Er hat mit seiner Kunst einen Dialog angestoßen und über die drei Protagonisten hinausgehend ein allgemeines Verständnis angeregt, indem er die tiefen Gräben zwischen den drei scheinbar so verschiedenen Wegen zur himmlischen Seligkeit mit tiefsinnigem Humor und flotten Strichen einfach wegzeichnet. Zu sehen ist „A Muslim, a Christian, and a Jew“ bis 8. November 2026 als Sonderausstellung im Jüdischen Museum Wien in der Dorotheergasse 11.

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