Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Lola Klamroth, Seán McDonagh © Tommy Hetzel

Lola Klamroth, Seán McDonagh © Tommy Hetzel

LYSISTRATA Friede durch Sexstreik? Netter Versuch!

Lysistrata, Ensemble © Tommy Hetzel

Lysistrata, Ensemble © Tommy Hetzel

Dank Aristophanes darf auch in Zeiten von Kriegen genau darüber (zumindest bitter) gelacht werden.

Wenn man nach dem Zweiten Weltkrieg Frauen gefragt hat, was sie als Soldaten getan hätten, gaben viele eine weise Antwort: „Wir hätten nie so lange unsere Köpfe dafür hingehalten.“ Wieder waren es Frauen, großteils Mütter, die beim Zerfall Jugoslawiens in Slowenien die Kasernentore besetzten und so das Ausrücken ihrer Söhne und Ehemänner verhinderten. Die Welt bräuchte mehr solcher Pazifistinnen, im Moment ein ganzes Heer, das sich gegen die Streitlust eines Haufens alter Männer stellt, die mit einem Schulterzucken die Jugend ihres Landes in einen gegenseitigen Massenmord treiben. Das Problem ist nicht neu. Es hat schon um 400 v. Chr. den griechischen Dichter Aristophanes genervt, dass sich seine Heimat Athen und der Nachbar Sparta in einem sinnlosen bewaffneten Dauerkonflikt aufgerieben haben. Seine Reaktion war eine Komödie, triefend vor Zynismus auf seine Geschlechtsgenossen, in der Frauen auf ihre Art für Frieden sorgen wollen. Unter der Führung von Lysistrata beschließen sie, ihre Männer mit seinem Sexstreik und der Konfiskation der Kriegskasse zum Einlenken zu bewegen.

Annamária Láng, Roland Koch, Lola Klamroth © Tommy Hetzel

Annamária Láng, Roland Koch, Lola Klamroth © Tommy Hetzel

Michael Wächter, Lola Klamroth © Tommy Hetzel

Michael Wächter, Lola Klamroth © Tommy Hetzel

Der Lyriker und Übersetzer Erich Fried hat den Text von Aristophanes ins Deutsche übertragen. In Kurzform wurde dieser von Regisseur Thomas Jonigk und dem Ensemble für das Kasino und damit in einem Raum mit dem Flair einer antiken Theaterruine umgesetzt. Unter der souveränen Führung von Mavie Hörbiger als Lysistrata geschieht das nahezu Undenkbare. Athenerinnen wie Kalonike (Ines Marie Westernströer) und Myrrhine (Seán McDonagh) mit der Spartanerin Lampito (Annamária Láng) lassen sich von ihr überreden, ihre Gatten und Liebhaber zwar zu reizen, aber für das heiße Drängen der Herren nicht die Beine zur Decke zu strecken. Die Ausdrucksweise ist durchaus schlüpfrig und gewinnt durch Geschlechtertausch noch an Laszivität und Witz.

Als Drakes kratzt sich Lola Klamroth ungeniert wo Männer die Geschlechtsteile haben und bettelt als hoch erregter Kinesias bei seiner Gemahlin um Beischlaf, wird aber von Myrrhine/MacDonagh in gekonnt femininer Weise von der Bettkante gestoßen. Aus dem für die weiblichen Umtriebe verständnislosen Athener Strymodoros wird zuletzt ein Spartaner, der mit einem Ständer, also mit einem Kleiderständer anrückt, weswegen sich Michael Wächter von den Damen ganz schön zweideutige Bemerkungen gefallen lassen muss. Ein Mann, wie er im Buche steht, ist Roland Koch, der Ratsherr, der offenbar vom Krieg heimkehrt. Er versucht es mit Autorität, mit Gebrüll und mit List, scheitert aber an der Eloquenz von Lysistrata und dem Durchhaltevermögen der Frauen. Es wäre keine Satire, gäbe es mit dem Handshake zwischen Athen und Sparta wirklich den ersehnten Frieden. Erich Fried hat dazu einen ernüchternden Epilog verfasst. Lysistrata: „Das Spiel ist aus. Noch nicht aus sind die Kriege ... So gings bis heut, Jahrhundert um Jahrhundert.“

Lysistrata Mavie Hörbiger © Tommy Hetzel

Lysistrata Mavie Hörbiger © Tommy Hetzel

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