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Ausstellungsansicht Mark Rothko Foto: KHM-Museumsverband

MARK ROTHKO „Unbroken Silence“ zwischen Wänden aus Farben

Christopher Rothko und Sabine Haag Foto: KHM-Museumsverband

Eine Kunst, die direkt ins Gemüt geht, ohne den Umweg über das Verstehen nehmen zu müssen.

Der New Yorker Mark Rothko (1903-1970) hat mehrmals Europa bereist. Ziel seiner Besuche waren die großen Museen und Stätten der Antike, aus denen er sich Inspiration für seine Arbeit holte. In Wien ist er nie gewesen, hat aber ziemlich sicher die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums gekannt. 1950 waren diese im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt worden. Leidenschaftlich liebte Rothko auch die Musik aus Österreich, denn er besaß Aufnahmen von Mozart, Schubert, Haydn und Beethoven aus dem Wiener Konzerthaus. Darauf angesprochen, meinte er: „Ich bin Maler geworden, weil ich der Malerei die Schärfe von Musik und Dichtung geben wollte.“ Seine Gemälde sind ähnlich absolute Kunst wie die Klänge einer Symphonie, die, wie man in Wien sagt, direkt ins Gemüt gehen, ohne den Umweg über das Verstehen nehmen zu müssen. Es ist, wie er selbst sagte, „Unbroken Silence“, die geheimnisvoll die Räume erfüllt, in denen die Werke aus seinen letzten Lebensjahren hängen. Es sind übereinander geschichtete Farben in weiten Flächen, denen die Techniken der Alten Meister zugrunde liegen und die damit den Blick ihr „inneres Licht“ spüren lassen.

Mark Rothko (1903-1970) Untitled 1950 © 1998 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko/Bildrecht, Wien

Der deutsche Maler und Bildhauer Gerhard Richter hat als tiefe Verbeugung vor dem Kollegen Mark Rothko gemeint: „Er war ein Mensch, der eine besondere Kunst für uns geschaffen hat, und niemand wird je wieder so malen wie er. Ich glaube, dass Rothko für die kommenden Jahrhunderte wichtig sein wird.“

 

Insofern passt dieser Meister der jüngeren Gegenwart großartig in das Kunsthistorische Museum. Man kann nicht einmal sagen, dass Mark Rothkos Werke ein Kontrapunkt zu Bruegel, Caravaggio, Dürer oder Rubens wären. Die Gemälde ergänzen einander in beschaulicher Größe und schaffen dem Museum eine Art Brückenschluss von aus 5.000 Jahren gesammelter menschlicher Kreativität. Kurator dieser Ausstellung, die bis 30. Juni 2019 erlebt werden kann, ist der Kunsthistoriker Jasper Sharp, der vom Sohn des Künstler Christopher Rothko unterstützt und beraten wurde.

Dass eine derart beeindruckende Schau von unvorstellbar teuren Gemälden erstmals dem Wiener Publikum präsentiert werden kann, ist der Großzügigkeit und nicht zuletzt der Risikobereitschaft von Sammlungen wie der Fondation Beyeler in Riehen, dem Jewish Museum in New York, dem Kunstmuseum Bern und nicht zuletzt der Familie Rothko zu verdanken. Damit kann das Lebenswerk von frühen Arbeiten bis zu den monumentalen Farbflächen in einem Rundgang durch die klassisch eingerichteten Säle des Kunsthistorischen erfahren werden und zu einem neuen Erleben von moderner Kunst führen.

Mark Rothko (1903-1970) Underground Fantasy Um 1940 © Foto: National Gallery of Art, Washington, D.C
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