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Vitrine EXTRA #8, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Vitrine EXTRA #8, My Story, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

MY STORY Antike Frauenporträts und ihr Nachleben

Vitrine EXTRA #8, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Vitrine EXTRA #8, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Römerinnen beim Plausch über die Haarmode belauscht

Aus ferner Vergangenheit blicken die römischen Damen auf uns herab. Ihre Schönheit scheint für die Ewigkeit in Marmor festgehalten zu sein. Rund 250 dieser Bildnisse befinden sich in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums, doch nur einige davon haben es geschafft, in der Schausammlung bewundernde Blicke auf sich zu ziehen. Wie muss es die „göttliche“ Julia in ihrer Eitelkeit gekränkt haben, ein Dasein unbemerkt von der Öffentlichkeit im Depot zu verbringen? Sie war schließlich Tochter von Kaiser Titus und Nichte von Kaiser Domitian aus dem edlen Geschlecht der Flavier. Ihr Leiden wurde beendet, ebenso das einer wohlhabenden älteren Frau auf einem Grabrelief, das sie als „Große Herkulanerin“ darstellt. Beide Skulpturen stehen nun im Zentrum der Sonderausstellung „Vitrine EXTRA #8“ (bis 20. September 2026), in der antike Frauenporträts über die Veränderungen im Zuge ihres Nachlebens dank intensiver Forschungsarbeit selbst zu Wort kommen.

Julia Titi (61–89 n. Chr.), Tochter des Titus © KHM-Museumsverband

Julia Titi (61–89 n. Chr.), Tochter des Titus © KHM-Museumsverband

Vitrine EXTRA #8, My Story, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Vitrine EXTRA #8, My Story, Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Erstaunlicherweise ist es die Frisur, die sehr viel über deren Biografien verrät. So trägt die (vermutliche) Julia (61-89 n. Chr.) markante Stirnlocken, wie sie damals nur ihrem Rang zustanden. Der genaue Blick lässt jedoch eine raffinierte Montage aus antiken Fragmenten wie einem Kapitell und Bauornamenten erkennen. Es sind Ergänzungen aus dem 16. Jahrhundert.

Sie wurden so geschickt angebracht, dass sie lange unbemerkt blieben. Die zweite Frau, die auf dem Grabrelief, trägt ebenfalls eine modische Frisur, die sie als Zeitgenossin von Julia ausweist. Über den Rest ihrer Identität hält sie sich jedoch bedeckt, zumal Details wie die Rahmung und der Ehemann verloren gegangen sind. Dennoch konnte eruiert werden, dass beide Werke wohl über den Seehandel aus Attika auf den Venezianischen Kunstmarkt und von dort im 18. Jahrhundert in die Sammlung des Marchese Tommaso Obizzi (+1803) gelangt sind. Ihnen wurde nun eine Stimme verliehen, wie auch einer Reihe anderer Frauenporträts der Sammlung, deren selbstbewusste Statements auf Informationstafeln am Sockel zu lesen sind. Es sind Gespräche, wie sie noch heute im Coiffeur-Salon die Zeit des Schönmachens kurzweilig überbrücken. Wer genau hinhört, wird erfahren, dass die steinerne Haartracht durchaus auch späteren Trends angepasst wurde. So trug eine stolze Römerin ursprünglich die Lockenfrisur der Kaiserin Domitia, bevor sie mit einem Zopfkranz à la Kaiserin Helena bedacht wurde.

Grabrelief mit stehender Frau  Römisch-attisch; spätes 1. / frühes 2. Jh., flavisch-trajanisch

Grabrelief mit stehender Frau Römisch-attisch; spätes 1. / frühes 2. Jh., flavisch-trajanisch © KHM-Museumsverband

Um all diese Geschichten freizulegen, waren moderne Methoden wie Materialanalysen und restauratorische Untersuchungen nötig. Hilfreich bei der Spurensuche waren übrigens auch Münzen.

Neben ihrer Funktion als Zahlungsmittel waren sie Träger kaiserlicher Bildpolitik. Man kannte im ganzen Reich dank äußerst präziser Darstellungen das Aussehen und vor allem die Frisur des jeweiligen Imperators und seiner Familie. Sie bestimmten die Mode ihrer Untertanen, die sich auch in Grabbüsten und Sarkophagen niederschlug und bereits seit der Renaissance Identität und zeitliche Zuordnung ermöglicht.

Münzporträt der Iulia Titi Dupondius des Titus © KHM-Museumsverband

Münzporträt der Iulia Titi Dupondius des Titus © KHM-Museumsverband

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