Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Il Signor Bruschino Ensemble © Andreas Anker

Il Signor Bruschino Ensemble © Andreas Anker

IL SIGNOR BRUSCHINO Rossinis spritzig witziger Opernspaß

Dora Garcidueñas (Sofia), July Zuma (Florville) © Patrick Piller

Dora Garcidueñas (Sofia), July Zuma (Florville) © Patrick Piller

Feinster Belacanto, liebe- und kunstvoll gepflegt im kleinsten Opernhaus Österreichs

In Zeiten, als die freie Wahl des Ehepartners noch undenkbar war, mussten junge Leute zu allerhand Listen greifen, um ihre persönliche Liebe gegen die Familienraison durchzusetzen. Dass derlei Vorhaben selten von Erfolg gekrönt waren, erzählt uns die Geschichte. Dass es aber auch gelingen kann, vorausgesetzt die Tricks sind entsprechend kurios, führt uns Gioachino Rossini in einer „farsa giocosa per musica“, einer verspielten Farce für Musik, eindrücklich vor Augen. Es geht um den würdigen Gaudenzio, Vormund eines Mädchens, das er an den Sohn von „Il Signor Bruschino“ bringen will. Sofia hat sich jedoch bereits für Florville entschieden, blöderweise den Spross eines Erbfeindes des Alten. Da Bruschino Figlio offenbar das Schuldenmachen im Wirtshaus einer Verlobung vorzieht, fädelt Florville eine groteske Verwechslungskomödie ein, die darin mündet, dass er sich als dieser ausgibt. Bis Vormund und Vater völlig den Überblick verlieren. Wer ist nun der echte Sohn? Bruschino Padre durchschaut irgendwann die Schmiere und klinkt sich in die Komödie um den ihm untergeschobenen Filius ein, um Gaudenzio eins auszuwischen. Für Spaß ist also gesorgt, wenngleich auf Italienisch gesungen wird und es empfehlenswert ist, sich vorher mit dem etwas komplizierten Inhalt dieses Kleinods der Opernliteratur vertraut zu machen.

Andrea Calce (Bruschini figlio), Damian Suchożebrski (Wirt) © Patrick Piller

Andrea Calce (Figlio), Damian Suchożebrski (Wirt) © Patrick Piller

Emilio Marucci (Gaudenzio) © Andreas Anker

Emilio Marucci (Gaudenzio) © Andreas Anker

KlassikFestival Kirchstetten ist zwar klein, aber fein. Nicht umsonst hat es sich in den Jahren bisher den Ruf geschaffen, ein Hort des Belcantos zu sein. Umständehalber wurde die Aufführung aus dem herrlichen Barocksaal des Schlosses heuer in den Ehrenhof verlegt. Dem musikalischen und szenischen Genuss hat es überhaupt nicht geschadet. Der junge Regisseur Richard Panzenböck hat das turbulente Geschehen auf drei kleine Bühnen und zwischen die Zuschauerreihen verlegt, um damit ein unmittelbares Musikerlebnis zu schaffen. Er bremst auch nicht die Darsteller in ihrer Komik, die damit eine an sich vertrackte Handlung für Sprachunkundige leichter verständlich macht. Am Pult steht wie immer Hooman Khalatbari, der mit seinem kleinen Orchester Rossinis Komposition das entsprechend zündende Tempo gibt. Bitte nicht irritieren lassen, wenn die zweite Geigerin in der Ouvertüre mehrmals mit dem Bogen gegen das Pult klopft! Bei der Uraufführung 1813 hat diese Einlage noch für einen Skandal gesorgt. Heute nimmt man es als Vorahnung der zahllosen Gags, die das Publikum erwarten darf.

Dora Garcidueñas (Sofia), Theresa Krügl (Marianne) © Patrick Piller

Dora Garcidueñas (Sofia), Theresa Krügl (Marianne) © Patrick Piller

Dora Garcidueñas (Sofia), Daniele Macciantelli (Bruschino) © Andreas Anker

Dora Garcidueñas (Sofia), Daniele Macciantelli (Bruschino) © Andreas Anker

Marianne (Theresa Krügl) ist das Zimmermädchen, dessenhübsche Stimme rollenbedingt leider zu selten solistisch zu hören ist. Das gleiche gilt für Andrea Calce, der als Bruschino Figlio und Commissario mit Blaulichthund nur Kurzauftritte absolviert, dabei aber seinen klangvollen Tenor hell aufblitzten lässt. Damian Suchożebrski lenkt als launiger Wirt namens Filiberto das Geschehen in die richtigen Bahnen. Gaudenzio hat mit Emilio Marucci einen mächtigen Bariton gefunden, dem aber auch die Boxershorts nicht helfen, um sich gegen die liebenswürdigen Mogeleien in seinem Haus durchzusetzen. Dora Garcidueñas ist sein Mündel Sofia. Man sieht ihr den Schalk an, der ihr im Nacken sitzt. Wenn sie mit dem umtriebigen Florville im Duett ihre Liebe besingt, ist von vornherein klar, dass das gemeinsam ausgeheckte Manöver gut gehen muss. July Zuma ist ein schlanker Tenor, absolut passend für den jungen Mann, der mit allen, auch unlauteren Mitteln, die Frau seines Lebens gewinnen will. Dem Vorhaben im Weg steht nur Bruschino Padre. Daniele Macciantelli hat Belcanto offenbar mit der Muttermilch eingesogen. Sein Bass ist klangvoll, er schafft höllisch viele Silben in kürzester Zeit und seine Lust am gekonnten Blödeln ist gewaltig. In „Per un figlio già pentito“, einem Geniestreich Rossinis, in dem ein Bass, ein Bariton und ein Tenor im Terzett singen, hat er als tiefste Stimme gefühlt den meisten Text zu bewältigen und sich am Ende Bravorufe und Applaus redlich verdient.

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