Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Arsen und Spitzenhäubchen Szenenfoto © VOGUS

ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN als verlässliche Publikumsmagneten

Arsen und Spitzenhäubchen Szenenfoto © Wolfgang Voglhuber

Mord oder gute Tat? Ist alles nur eine Frage des Anstands.

Die Nachbarn stört das nächtliche Trompetengeschmetter, weswegen auch die Polizei regelmäßig bei den Brewsters vorbeischaut. Die beiden liebenswürdigen Damen Martha und Abby sind mit den Inspektorinnen aber längst vertraut und es bleibt regelmäßig bei freundlichen Ermahnungen seitens der Gesetzeshüter. Der, der den Krach macht, ist für seine Taten nicht wirklich verantwortlich. Deren Neffe Teddy ist überzeugt, Theodore Roosevelt zu sein und lässt sich nur mit Mr. President ansprechen. Trotz seines hohen Amtes ist er sich nicht zu gut, im Keller für den Panama-Kanal Schleusen zu graben. Dass in den ausgehobenen Gruben alleinstehende ältere Herren zur ewigen Ruhe bestattet werden, nachdem sie Holunderwein genossen haben und aufgrund eines darin befindlichen Giftcocktails von ihrer Einsamkeit erlöst wurden, wissen nur die beiden Fräuleins, die ganz allein nur aus Mitmenschlichkeit handeln. „Arsenic and Old Lace“ ist der Originaltitel dieser schwarzen Komödie des US-Autors Joseph Kesselring.

Gertrud Roll (Martha), Erika Mottl (Abby) © VOGUS

Im Deutschen hat „Arsen und Spitzenhäubchen“ bereits als Schwarzweißfilm breiteste Bekanntheit in unseren Landen erlangt. Diese Popularität tut der Begeisterung am Bühnenstück jedoch nicht den geringsten Abbruch. Der wundersame Gegensatz zwischen dem bereits unanständig guten Gewissen der zwei reizenden Mörderinnen und der Fassungslosigkeit, mit der ihr Neffe Mortimer diesem Treiben gegenübersteht, ist bis heute ein Erfolgsgarant. Freilich gibt es auch einen unsympathischen Bösewicht, Jonathan, Mortimers Bruder. Er hat gerade so viele Opfer auf seinem Kerbholz wie die Tanten, kann ihnen aber bezüglich Charme und Raffiniertheit nicht den kleinen Finger reichen.

Arsen und Spitzenhäubchen, Szenenfoto © VOGUS

Wolfgang Böck, Intendant der Schloss-Spiele Kobersdorf, hat die Umsetzung dieser Komödie seinem vertrauten Regisseur Werner Prinz übertragen. Dieser wiederum hat keine Experimente angestellt, sondern sich im Großen und Ganzen an die Filmvorlage gehalten. Das Publikum will unterhalten werden und das vorfinden, was es kennt. In den stimmungsvollen Arkadenhof wurde also ein Wohnzimmer aus dem New York der 1940er-Jahre gestellt, das als Schauplatz voll und ganz genügt.

Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist sein Bruder Jonathan (Clemens Aap-Lindenberg). Er sieht wie eine bestimmte Figur aus einem Gruselfilm aus und wird fuchsteufelswild, wenn diese Tatsache irgendwer entdeckt und anspricht. Schuld an dem verpfuschten Gesicht ist sein Begleiter, ein gewisser Dr. Herman Einstein, dem Wolf Bachofner sogar sympathische Züge entlockt. Die beiden Polizistinnen Officer O´Hara (Lisa Stern) und Officer Klein (Andreas Köhler) dürfen dümmer sein als es die Polizei erlaubt. Dass es sich um weibliche Beamte handelt, bringt eine ungewohnte, aber doch sehr lustige Note ins komödiantische Geschehen. Um Mr. Gibbs (Michael Reiter) wär´s schade, hätte er die Barmherzigkeit der beiden Schwestern in Form eines Glases Holunderweins konsumiert.

Aber davor bewahrt in Mortimer, der dafür von seinen Tanten nur Unverständnis erntet. Erika Mottl ist Abby und Gertrud Roll Martha. Diesen beiden herzigen alten Damen würde kein Mensch einen Mord zutrauen. Elaine Harper (Dagmar Bernhard) ist das brave Mädchen aus der Nachbarschaft, die sich in Mortimer verliebt hat und ihn trotz aller Vorfälle heiraten will. An Teddy, den seltsamen Bruder ihres Freundes, hat sie sich schließlich auch schon gewöhnt. Wolfgang Böck genießt sichtlich dessen Rolle. Es muss ja wirklich was Schönes sein, einfach keine Ahnung zu haben, was sich tatsächlich abspielt. Einmal nicht den Kopf hinhalten zu müssen für das, was andere anrichten, auch wenn man selbst durch die Auswahl des Stückes dafür der Hauptverantwortliche ist.

Clemens Aap-Lindenberg, Alexander Jagsch, Wolf Bachofner © Wolfgang Voglhuber
Schloss.Spiele Kobersdorf Logo 250

Statistik