Kultur und Weindas beschauliche MagazinDer nackte Wahnsinn, Ensemble © VOGUS DER NACKTE WAHNSINN Die wahre Farce hinter den Kulissen
Wenn auf der Bühne Türen im Sekundentakt auf- und zufliegen, Sardinen zur wichtigsten Requisite des Abends werden und Schauspieler vor wie hinter den Kulissen zunehmend die Kontrolle verlieren, dann ist das Chaos perfekt – und genau das ist bei den Schloss-Spielen Kobersdorf ausdrücklich erwünscht. Mit Michael Frayns Komödienklassiker „Der nackte Wahnsinn“ setzt Intendant Wolfgang Böck in diesem Sommer ganz auf Tempo, Slapstick und pointierten Theaterwitz. Statt großer gesellschaftlicher Themen steht heuer der unbeschwerte Spaß im Mittelpunkt – und das Publikum dankte es bei der Premiere mit herzhaftem Lachen und langem Applaus, Die Handlung dreht sich um eine britische Theatertruppe, deren Aufführung bereits bei der Generalprobe aus dem Ruder läuft. Vergessene Texte, verpasste Auftritte, Missverständnisse und private Konflikte lassen jede weitere Vorstellung mehr im Chaos versinken. Was ursprünglich als Boulevardkomödie geplant war, entwickelt sich zu einer herrlich turbulenten Parodie auf den Theaterbetrieb, bei der das Geschehen auf und hinter der Bühne gleichermaßen zum eigentlichen Spektakel wird.
Wolfgang Böck überzeugt als Selsdon Mowbray, ein liebenswert zerstreuter Schauspieler, dessen Rolle als Einbrecher regelmäßig daran scheitert, dass er seinen Einsatz verpasst. Mit trockenem Humor und perfektem Gespür für Timing macht Böck diese Figur zu einem der Höhepunkte des Abends. Ebenso beeindruckend präsentiert sich Boris Popović, der als Garry und Roger enorme körperliche Präsenz beweist. Ob hüpfend mit zusammengebundenen Beinen oder spektakulär eine Treppe hinunterstürzend – seine akrobatischen Slapstick-Einlagen sorgen immer wieder für Szenenapplaus Das gesamte Ensemble zeigt sich bestens aufeinander abgestimmt. Jo Bertl, Jens Claßen, Walter Ludwig, Marie Cécile Nest, Sophie Prusa, Mirko Roggenbock und Alexandra-Maria Timmel meistern die präzise Choreografie der Komödie mit sichtbarer Spielfreude und beeindruckender Genauigkeit. Regisseur Claus Tröger, der die Inszenierung machte, beweist auch diesmal ein sicheres Gespür für Rhythmus und Tempo. Trotz hochsommerlicher Temperaturen verliert die Aufführung nie an Dynamik. Die Pointen sitzen, die Verwechslungen steigern sich von Szene zu Szene und besonders im zweiten Teil entfaltet die Komödie ihre volle Wirkung.
Alexandra-Maria Timmel, Tristan Witzel, Lukas Haas, Wolfgang Böck, Clara Wolfram, Nils Hausotte © VOGUS GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD Ein beklemmender Abend mit Lichtblicken
Ödön von Horváths Gesellschaftsdrama „Geschichten aus dem Wiener Wald“ ist ein Stück über Verlogenheit, soziale Zwänge und zerplatzte Illusionen am Vorabend der Nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich. Die Schlossspiele Kobersdorf wagen sich heuer an diesen düsteren Stoff — und liefern eine insgesamt eindringliche, wenn auch etwas lang geratene Inszenierung, die zwischen Tragik und morbidem Wiener Humor wechselt.
Vor allem Clara Wolfram als Marianne überzeugt in der Hauptrolle. Mit viel Feingefühl und eindrucksvoller Präsenz lotet sie die Zerrissenheit einer jungen Frau aus, die aus ihrem vorgezeichneten Leben auszubrechen versucht und doch an den Konventionen ihrer Zeit zerbricht. Verliebt ist sie in Alfred (Nils Hausotte), einen windigen Tunichtgut, der seine Versprechen nie einlöst und sich dabei selbst am meisten bemitleidet. Dämonisch bedrohlich raunt Lukas Haas der seinem Fleischhauer Oskar davon gelaufenen Verlobten zu: „Du wirst meiner Liebe nicht entgehen!“ und behält traurigerweise damit recht. Wolfgang Böck zeigt als Zauberkönig erneut, warum ihm grantige, schnapsliebende Wiener Figuren so liegen: Er gibt dem Stück mit bissigem Witz und kernigem Charme willkommene komödiantische Farbtupfer. Das Bühnenbild von Erich Uiberlacker verzichtet auf Pomp und setzt auf Schlichtheit. Ein metallisches Gestänge steht symbolisch für den Wald, durch projizierte Einzelbilder wechseln die Schauplätze zwischen Wiener Gassen, Wachau und Kaffeehaus. Diese reduzierte Ausstattung verstärkt die Atmosphäre der Trostlosigkeit, die über der Handlung liegt.
Statistik |

















