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GELIEBTER LÜGNER Eine komplizierte Liebe im Rückblick

Doris Richter-Bieber, Rudolf Larsen © Komödie am Kai

Doris Richter-Bieber, Rudolf Larsen © Komödie am Kai

Der Briefwechsel von Mrs. Stella Patrick Campbell und George Bernard Shaw

Der irische Dichter mit der spitzen Feder hatte sich tatsächlich unsterblich verliebt. Nicht in seine Frau, sondern in eine Schauspielerin, die ihrerseits ebenfalls verheiratet war. Was sich zu einer Amour fou entwickeln hätte können, wird zu einer „Brieffreundschaft“, jedoch voller Leidenschaft, verliebten Neckereien und teils wüsten Beschimpfungen, die sich aber umgehend wieder in den Ausdruck warmer Zuneigung wandeln. Daran ändert sich nichts, als der Ehemann der Schauspielerin stirbt – er fällt im Burenkrieg – und zumindest auf einer Seite der Weg zu einer Liaison frei wäre. Die Witwe zieht es aber vor, als zweiten Mann einen anderen zu heiraten, George Cornwallis-West, ebenfalls einen Schriftsteller. Wie gewaltig die Gefühle auf Seiten von George Bernard Shaw waren, beweist die Tatsache, dass er kurioserweise darauf bestand, den mittlerweile 49jährigen Bühnenstar als Eliza in Pygmalion einzusetzen, sie also ein ca. 20jähriges Mädchen spielen zu lassen. Seine Beatrice, so der zweite Vorname von Stella Campbell, scheint nichts anderes gewesen zu sein, als die von diesem griechischen Bildhauer geschaffene Statue, also die Hauptfigur in seinem Stück, die zum Gegenstand von dessen Liebe und dadurch zum Leben erweckt wurde. Die Besetzung erwies sich zwar als Erfolg, zwischen Campbell und Shaw blieb aber alles beim Alten.

Doris Richter-Bieber, Rudolf Larsen © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Doris Richter-Bieber, Rudolf Larsen © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

In der Komödie am Kai ist mit der Produktion des von Jerome Kitty in ein Theaterstück gegossenen Briefverkehrs – mehr war es nicht – mit dem Titel „Geliebter Lügner“ ein Traum von Prinzipalin Sissy Boran in Erfüllung gegangen. Sie hat selbst Regie geführt und als Darsteller zwei – pardon – nicht mehr ganz so junge Schauspieler engagiert: Doris Richter-Bieber und Rudolf Larsen, die aber gerade deswegen die Schau zurück glaubhaft machen. Denn die Affäre, die sie ja nie gewesen ist, wird von hinten aufgerollt. Es beginnt mit dem Auftauchen der sauber geordneten Korrespondenz in einer Hutschachtel unter dem Bett von Stella, genau dort, wo sie ihren Herzensfreund nie hingebracht hat. Das Publikum wird Zeuge zweier völlig unterschiedlicher Leben, die nur durch Briefeschreiben verbunden waren und deren Beziehung doch inniger war, als beispielsweise die Shaws zu seiner Frau Charlotte und der von Beatrice zu ihren Ehemännern. Der Reiz, den dieser Theaterabend ausmacht, sind seine geschliffenen Formulierungen, die bei ihr beinahe Neid auslösen, sie aber doch nicht davor zurückhalten, immer wieder zu antworten und schließlich sehnsüchtig auf seine Entgegnung zu warten.

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Die Golden Girls mit Peter Kuderna als Heiratsschwindler © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

GOLDEN GIRLS Ein Hymnus auf den witzigen Charme reifer Damen

Irene Budischowsky, Margdot Ganser-Skofic, Ulli Fessl, Editz Leyrer © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Thank you for being Friends erfolgreich vom TV auf die Bühne geholt

Alles kann angesprochen werden, jedes Thema, und sei es noch so heikel. Man braucht nur im rechten Moment zu zwinkern und schon ist jede Bösartigkeit gebannt und jeder Jammer im Grunde nur ein Lächeln wert. Meisterinnen in diesem Fach sind zweifellos die vier Damen, die das Schicksal zu einer Wohngemeinschaft zusammen gewürfelt hat. Jede von ihnen hat einen guten Teil des Lebens bereits hinter sich, hegt und pflegt die Erinnerungen an einen verstorbenen Partner und hat dennoch den Blick nach vorne gerichtet. Die Zukunft könnte ja doch noch einiges an Schönem und Elektrisierendem bringen, sogar für die betagte Sophia Petrillo, die nur deswegen zu ihrer Tochter Dorothy gezogen ist, weil ihr das Altersheim abgebrannt ist. Als gebürtige heißblütige Sizilianerin hat sie, was sinnliche Ansprüche betrifft, der Jüngeren nach wie vor einiges voraus, vor allem ist sie stets für ein Bonmot gut, das punktgenau ins Bullseye des jeweiligen Problems trifft. Einzig Blanche kann in dieser Beziehung einigermaßen mithalten, da sexlose Tage für sie einst ein Gräuel waren und wohl bis heute noch sind.

Ulli Fessl, Edith Leyrer © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Ein Spezialfall ist Rose aus dem sehr ländlichen St. Olaf, die allen gut sein will, deren Intelligenz im Kreise der schlagfertigen Damen jedoch nicht so recht mitspielen will. Sie sorgt in dieser doch ungewöhnlichen WG für unfreiwillige Unterhaltung, die ihr von den anderen aber mit inniger Zuneigung gedankt wird. Diese Frauen sind eben Freundinnen, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, wenn´s drauf ankommt – und das dürfen sie in einer Reihe von nicht unkniffligen Fällen immer wieder auf die Probe stellen und am Ende mit Bravour bestehen.

Edith Leyrer, Irene Budischowsky, Christian Spatzek, Margot Ganser-Skofic © KaK, Andrea Eckstein

„Golden Girls“ hat als TV-Serie das Publikum bei der Stange gehalten und nicht nur reife Frauen, sondern alle Alterschichten begeistert. In der Komödie am Kai wurde am 20. Februar 2020 der Beweis erbracht, dass es möglich ist, die Geschichte der Girls aus Miami ohne Verlust ihres Witzes auch auf eine Bühne zu stellen. Christian Spatzek hat das dazu geschaffene Stück für dieses traditionsreiche Kellertheater eingerichtet und zu einem kurzweiligen und wahrhaftig lustigen Abend eingekocht.

Nachdem die vier Frauen mit zwei Männern ihr Auslangen finden müssen, hat er selbst die Nebenrollen Pfarrer, Beamter und Regisseur für Werbespots übernommen. Der andere Herr ist Peter Kuderna, der als handküssender Heiratsschwindler, als geschäftstüchtiger Bestatter und als heiratslustiger Big Daddy die Ladys überzeugt. Natascha Shalaby erscheint als böse Menschenfeindin Frida ebenso wie als Lesbe Jean, die sich glatt in Rose verknallt. Dass Ulli Fessl diese Avancen nicht entsprechend erwidern kann, ist klar. Dafür ist ihre Rose einfach zu hausbacken, wenngleich deren originelles Verhalten oft ein amüsiertes Kopfschütteln ihrer Freundinnen zeitigt.

Irene Budischofsky mit strengem Hosenanzug und grauer Perücke ist eine von Vernunft geplagte Dorothy, die ihre liebe Not mit Margot Ganser-Skofic als hinreißender Mama Sophia hat. Sie muss ihr Pornovideos abnehmen und wie der Teufel aufpassen, dass diese nicht mit dem nächstbesten Witwer abhaut. Ganz auf makelloses Äußeres ist Blanche bedacht, der Edith Leyrer Lebenslust vom Feinsten verleiht und damit dieses goldene Quartett aus vier charmant witzigen Frauen komplettiert.

Natascha Shalaby, Ulli Fessl © Komödie am Kai/Andrea Eckstein
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