Kultur und Wein

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VERMISCHTE GEFÜHLE Fein gewürzt mit einem Heiratsantrag

Vermischte Gefühle, Ensemble © Komödie am Kai

Vermischte Gefühle, Ensemble © Komödie am Kai

Schmunzeln über eine amüsant-seltsame Liebeserklärung

Hermann Löwy ist durch und durch Geschäftmann. Aber er ist trotz seiner vorgerückten Jahre noch paarungswillig, weil einsam. Die über alles geliebte Frau, Ilse, ist vor einigen Jahren gestorben, der Sohn lebt in Deutschland als erfolgreicher Arzt und seine offenbar einzige Unterhaltung sind die Streitereien mit seinem Buchhalter. Was liegt also näher, als sich in der vertrauten Umgebung nach einem Objekt für einen weiteren gemeinsamen Lebensweg umzuschauen. Infrage kommt nur Christine Rieder. Sie ist die Witwe seines besten Freundes Erich. Man kennt einander seit Jahrzehnten und, so die Kalkulation von Hermann, sind unangenehme Überraschungen ausgeschlossen. Beinahe hätte er sich getäuscht. Christine ist drauf und dran zu ihrer Freundin nach Florenz zu ziehen. Für die Auflösung des Wiener Hausstandes hat sie bereits eine Speditionsfirma beauftragt. Als er in der fast ausgeräumten Wohnung erscheint, ist er anfangs wenig willkommen. Christine hat nicht im Entferntesten damit gerechnet, von Hermann einen Heiratsantrag zu bekommen. Es folgt eine wortwitzige, von berührender Menschlichkeit geleitete Diskussion, ob eine Ehe zwischen zwei sich so vertrauten Senioren möglich wäre.

Toni Bieber, Lara Neversal, Doris Richter-Bieber © Andrea Eckstein/Komdie am Kai

Toni Bieber, Lara Neversal, Doris Richter-Bieber © Andrea Eckstein/Komdie am Kai

Rudi Larsen, Doris Richter-Bieber © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Rudi Larsen, Doris Richter-Bieber © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Unter dem deutschen Titel „Vermischte Gefühle“ hat Gerhard Bronner das englische Original „Mixed Emotions“ von Richard Baer ins Wienerische übertragen und damit wunderbar heimisch gemacht. Die Komödie am Kai erweist sich für dieses Kammerstück als ideale Bühne. Unter der umsichtigen Regie von Christian Spatzek lässt das Ensemble bereits dagewesene Produktionen gerne vergessen. Rudolf Larsen ist der brummige Hermann Löwy, der seine Herzlichkeit hinter einer fast abstoßend wirkenden Schroffheit verbirgt. Christine Rieder, gespielt von Doris Richter-Bieber, durchschaut das Manöver selbstverständlich sofort, braucht aber doch ihre Zeit, sich seelisch darauf einzustellen. Eine Flasche süßer Sherry, ein von Hermann als sauteuer beklagtes Abendessen und ein feines Tänzchen lassen sie schließlich einen Blick auf seinen „großen bösen Wolf“ tun, der sich letztlich als harmlose Promenadenmischung herausstellt. Für die Räumung des von Siegbert Zivny eingerichteten Wohnzimmers sind Herr Swoboda als unbestechlicher Möbelpacker (Toni Bieber) und dessen junge Gehilfin Langer (Lara Neversal) zuständig. Diese beiden bringen ein erfrischend komisches Element in das an sich nicht bierernste Liebeswerben der Protagonisten. Wenn die Langerin beim Verpacken der Schallplatten im Titel Eroica einen Druckfehler vermutet, weil es ihrer Meinung nach Erotica heißen müsste, darf gelacht werden, genauso aber auch über die Pedanterie von Hermann, wenn er mit Kennermiene darauf beharrt, Waldquelle von Vöslauer geschmacklich unterscheiden zu können.

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