Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht: Peter Friedl. Teatro Foto © Jorit Aust

PETER FRIEDL. TEATRO Die ganze Welt ist Bühne...

Teatro (Report) 2016-2018

Vielsprachiger Report als Bericht an eine Akademie

Wenn man Texte zu den Werken von Peter Friedl liest, wird man viel G´scheites und noch mehr Unverständliches finden. Das ist in schönstem Kuratorenmanierismus die Rede von Facettenreichtum in Bezug auf Medium und Stil und von exemplarischen Vorschlägen und Lösungen für ästhetische Probleme hinsichtlich unseres politischen und historischen Bewusstseins. Auf den abschreckenden Punkt bringt es die Kunsthistorikerin Hilde Van Geldern im Begleitbüchlein.

Rehousing, 2012-2019, Installationsansicht

Sie bezeichnet dort die Kunst von Peter Friedl als Resultat einer ästhetischen Strategie „radikaler Neutralität“. Näher ans Publikum, das an derlei Formulierungen üblicherweise kopfschüttelnd scheitert, kommt der scheidende Direktor der Kunsthalle Wien Nicolaus Schafhausen, der im Zusammenhang mit der Ausstellung „Peter Friedl. Teatro“ (bis 9. Juni 2019) von „brutaler Poesie“ spricht. Es geht um ein Welttheater, das Theatrum mundi, das über einfaches Bühnengeschehen weit hinausgeht und die Zuschauer ebenso einbindet wie die vom Künstler engagierten Akteure. Damit wird ein Rundgang durch die Arbeiten des in Österreich geborenen, in Deutschland arbeitenden Peter Friedl zum berührenden Erlebnis, das sich jeder Besucher selbst in seiner Fantasie inszenieren kann. Die Elemente sind bald gefunden: Modell, Sprache, Geschichte, Übersetzung, Theatralik, anhand derer man mit kindlichem Staunen und einem Schmunzeln vor allem keine Motive finden muss, die zu diesen durchwegs reizvollen Schöpfungen geführt haben mögen.

The Dramatist (Black Hamlet, Crazy Henry, Giulia, Toussaint) 2013

Mit „The Dramatist“ ist eine Gruppe von Marionetten betitelt, die auf ihren Auftritt in einem noch nicht geschrieben Stück warten. Es handelt sich bei den dramatis personae um Black Hamlet, mit dem bürgerlichen Namen John Chavafambira, bekannt durch Aufzeichnungen des Südafrikanischen Arztes und Psychoanalytikers Wulf Sachs, Crazy Henry (Ford) im Businessanzug der 1920er-Jahre und Toussaint (Louverture), dem Anführer der Haitianischen Revolution in prächtiger Uniform.

Im bravem Kleid komplettiert Giulia (Julia Schucht), die Ehefrau von Antonio Gramsci (italienischer Schriftsteller und Kommunist) das Quartett. Freilich ist es rein technisch nicht möglich, die vier Figuren zu bewegen, das sie von der Decke hängend zwar am Boden stehen, in ihrer angedeuteten Gestik aber arretiert sind. Dennoch ist es eine Herausforderung, die verschiedenen Zeiten und Orte, denen die Puppen entstammen, im eigenen Kopf zu einer zusammenhängenden und vor allem sinnvollen Story zu verbinden.

 

Das Hauptwerk, eine Videoinstallation, erfordert vom Betrachter Geduld und vielseitige Sprachenkenntnis. Hinter dem Titel „Report“ (2016) steht Franz Kafka und dessen „Ein Bericht für eine Akademie“, in dem der Affe Rotpeter vor den „Hohen Herren“ über seine geglückte Menschwerdung referiert. Der Monolog ist bei Peter Friedl auf 24 Menschen aufgeteilt, die in ihrer Sprache Teile daraus rezitieren, so in Arabisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Kurdisch oder Swahili. Allein, es fehlt der deutsche Beitrag, was das Ganze insofern spannend macht, weil man sich automatisch gefordert fühlt, die jeweilige Sprache zu erkennen.

Schauplatz der Aufführung ist die Bühne des Nationaltheaters in Athen, das Ende des 19. Jahrhunderts vom deutschen Architekten Ernst Ziller entworfen wurde. Man findet die Bühne des „Teatro“ en miniature neben der Filmkoje. Die nachgebildeten Sprecher könnten in diesem verspielt wirkenden Guckkasten jederzeit verschoben oder ersetzt werden. Sie schweigen, wie es Modelle eben tun, aber sie sind dennoch beredte Vertreter eines verwunschenen Werks in performativen Skulptur.

Peter Friedl, Teatro Popular, 2016–2017 Foto © Daniel Malhão
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