Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht Elfie Semotan. Haltung und Pose, 2021 © KUNST HAUS WIEN, Foto: Rudolf Strobl

ELFIE SEMOTAN als Philosophin hinter der Kamera

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Elfie Semotan, o.T., Marfa, Texas, 2016/2020 © Elfie Semotan, Courtesy: Studio Semotan und Gabriele Senn Galerie, Wien

Haltung und Pose als Klammer über einem fotografischen Lebenswerk

Sie ist zweifellos die populärste Fotografin Österreichs, vielleicht sogar der ganzen Welt. Elfie Semotan hat mit Plakatserien für diverse Firmen Kunstgeschichte geschrieben. Ihre Aufnahmen für Palmers oder Römerquelle sind an Perfektion, an dezent erotisch prickelnden Erzählungen und an Breitenwirkung bis dato noch nicht übertroffen worden. Es war nicht zuletzt der liebevolle Blick auf ihre Models und der feinsinnige Umgang mit schönen Frauen und Männern, der ihr die Verwirklichung hoher Kunst auf dem an sich flachen Parkett der Reklame ermöglicht hat. Sie stand selbst in jungen Jahren als Mannequin vor der Kamera und kannte das an sich beinharte Geschäft auch von dieser Seite. Anlässlich ihres 80. Geburtstages (Frau Semotan hat mit der Bekanntgabe ihres Alters absolut kein Problem) wurde ihr nun im KUNST HAUS WIEN eine Retrospektive über ihr fotografisches Lebenswerk gewidmet (Elfe Semotan. Haltung und Pose, bis 29. August 2021).

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o.T. (Madonna mit Hunden, Renaissance), New York, 2005/2013 © Elfie Semotan, Courtesy: Studio Semotan

Die Kuratorinnen Bettina Leidl und Verena Kaspar haben gemeinsam mit der Künstlerin einen selten beschaulichen Blick über ein für den unbedarften Betrachter großteils unbekanntes Werk geschaffen. Was auf den ersten Blick wie ein zufälliger Schnappschuss aussieht, gibt bei eingehender Betrachtung die subtil vielschichtige Arbeitsweise Semotans frei. Alles ist inszeniert und konstruiert, egal ob es der barock anmutende Blumenstrauß in der Vase oder der dreckige Wohnwagen in der Einöde einer burgenländischen Landschaft ist. Deutlich wird stets auch die eigentliche Inspirationsquelle, die ihr die bildende Kunst verlässlich liefert. Arbeiten von Lucian Freud, Roy Lichtenstein, von Diane Arbus oder John Copland finden sich als Zitate in ihren Fotografien.

 

Die von Elfie Semotan geschaffenen Künstlerporträts etwa von Martin Kippenberger und Atelieraufnahmen zu Bruno Gironcoli oder Franz West spiegeln ihre Leidenschaft für die Kunst und den Willen, den individuellen Ausdruck der Dargestellten durch penible Aufmerksamkeit für jedes Detail wiederzugeben. Dazu kommt die Natur als ihr Rückzugsort, nicht zuletzt in ihrem Haus im Südburgenland, das ihr neben Domizilen in Wien und New York Heimat vermittelt. Es ist die Poesie, die sie dort findet und in einer Reihe von gefühlvollen Stillleben den Betrachter spüren lässt.

Damit ist diese Ausstellung durchaus ungewöhnlich und für alle, die das Plakative in der Kunst von Elfie Semotan erwarten, wohl enttäuschend. Wie glücklich die Philosophin hinter der Kamera selbst aber damit ist, wird deutlich in ihrer Botschaft, die sie ihrem Publikum ausrichten lässt: „Das KUNST HAUS WIEN setzt sich kontinuierlich mit künstlerischer Fotografie auseinander, ich freue mich, dort mit meinen Arbeiten vertreten zu sein. Die Ausstellungskomposition ist extravagant, meine Fotografien werden nicht chronologisch, sondern aus einem neuen intuitiven und innovativen Blickwinkel präsentiert.

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Elfie Semotan, Cordula Reyer, Ungarn 1990/2013 © Elfie Semotan, Courtesy: Studio Semotan

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