Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


The Breath From Which the Clouds Are Formed © Ayumi Ishii

The Breath From Which the Clouds Are Formed © Ayumi Ishii

WENN DER WIND WEHT Luft als künstlerische Herausforderung

Plastic Trees © Eduardo Leal

Plastic Trees © Eduardo Leal

Von der Faszination, ein unsichtbares Element fotografisch evident zu machen

Die Luft selbst kann eine Künstlerin sein. Man braucht sich an einem Sommertag nur in die Wiese legen und den freundlichen Haufenwolken zuschauen, wie sie in großer Höhe vom Wind getrieben und geformt werden. Während sich hienieden kein Blättchen bewegt, ist da oben eine Kraft am Werk, die wundersame Gestalten kreiert, aus dem weißen Dunst stets verändernde Plastiken ins Himmelblau zaubert und unsere Fantasie spielerisch herausfordert. Bei diesem Staunen nehmen wir kaum wahr, dass wir nur deswegen am Leben sind, weil es diese Luft gibt, die mit jedem Atemzug unseren Körper mit dem notwendigen Sauerstoff versorgt. Umso spannender ist die Auseinandersetzung von Menschen, die in ihrer Kunst mit diesem Gasgemisch in Konkurrenz treten. Sie machen auf verschiedenste Weise sichtbar, was wir sonst nur spüren, nämlich den Wind. Wobei allerdings eine entscheidende Frage nicht beantwortet wird. „Was tut der Wind, wenn er nicht weht?“ Nur ein Kind kann ein so komplexes Problem aufwerfen, wie schon Erich Kästner festgestellt hat. Das Kunst Haus Wien versucht mit der Ausstellung „Wenn der Wind weht“ (bis 28.08.2022) eine für Erwachsene durchaus zufriedenstellende Erklärung, ob sie aber auch den kleinen Philosophen befriedigen würde?

One More Night © Julius von Bismarck

o.: One More Night © Julius von Bismarck

r.: Current Study #1 © Sjoerd Knibbeler

Current Study #1 © Sjoerd Knibbeler

22 österreichische und internationale fotografische Positionen aus verschiedenen Generationen laden zum Nachdenken ein. Das Thema bietet trotz der Dünnheit des Stoffs eine dichte Auswahl an Motiven. Am ehesten leuchtet noch das in unserer Wohlstandskultur unentbehrliche Plastiksackerl ein, das der Wind durch die Gegend treibt und malerisch an dürrem Gebüsch drapiert. Der Portugiese Eduardo Leal hat eine Reihe dieser von bewegter Luft generierten Installationen in der Serie unter dem Titel „Plastic Trees“ eingefangen und die Hässlichkeit und Umweltsünde zu einem mit all den Tugenden eines den Blick anziehenden Fotos gewandelt. Die offensichtlich zerstörerische Kraft des Sturms zeigen uns der Deutsche Peter Piller mit „Immer noch Sturm“ und Julius von Bismarck, der nicht nur Zelte wie kleine Flugzeuge abheben lässt, sondern auch die alles vernichtende Kraft des am längsten ausdauernden Wirbelsturms, des Hurrikans Irma, dokumentiert hat. In diesem Spannungsfeld liegen die Schweden Biegert & Bergström, die in ihren Arbeiten zu Kriegsberichterstattern in „The Weather War“ werden, die Wienerin Karin Fisslthaler mit Video Stills aus „I Can Feel It Coming“ oder Ólafur Elíasson, der mit „Your Windy Corner“ die Eintretenden schon im Stiegenhaus mit einer unsichtbaren Skulptur konfrontiert. Gemeinsam ist allen den Kunstobjekten die Erkenntnis, dass wir ständig in stürmischen Zeiten leben, sowohl im meteorologischen als auch im übertragenen Sinn, aber trotz allem mit der Wetter machenden Atmosphäre genügend heiße Luft für nutzlose Palaver über Klima und andere brennende Fragen zu Verfügung haben.

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