Kultur und Weindas beschauliche MagazinNÖ Landesausstellung 2026, Ausstellungsansicht LANDESKLINIKUM MAUER Wo die Welt im Jugendstiljuwel Kopf steht
Bis Ende des 18. Jahrhunderts galten psychische Krankheiten, insbesondere geistige Störungen, als Strafe Gottes, die Betroffene aus eigener Schuld auf sich geladen hatten oder sie waren von Besessenheit geschlagen. Da mit „Wahnsinnigen“ ein gesellschaftliches Zusammensein nicht möglich war, wurden sie wie Kriminelle in das Gefängnis weggesperrt, waren Exorzismen ausgeliefert oder wenn ihr Verhalten den Zeitgenossen originell erschien, wurden sie als belustigende Attraktionen auf Jahrmärkten vorgeführt. Der aufgeklärte Kaiser Joseph II., dem die Gesundheit seiner Untertanen ein Herzensanliegen war, hatte erkannt, dass die sogenannten Irren oder Verrückten in Wahrheit krank waren. Auf dem Gelände des Allgemeinen Krankenhauses am Alsergrund, damals noch außerhalb der Stadt gelegen, wurde für diese Menschen ein eigenes Gebäude errichtet, heute bekannt als „Narrenturm“ oder wegen seiner auffälligen Architektur als „Gugelhupf“ bezeichnet. Damit nahm eine neue Denkweise ihren Anfang, die über zahlreiche Stationen zur heute praktizierten medizinischen Fachdisziplin Psychiatrie führte.
Ein Modell dieses ersten für damalige Begriffe fortschrittlich ausgestatteten Krankenhauses ist Teil der Objekte, mit denen im ehemaligen Direktionsgebäude des Landesklinikums Mauer die Geschichte des Umgangs mit psychischen Erkrankungen und mit den davon Betroffenen anschaulich gemacht wird. Der Titel „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit“ (bis 8. November 2026) wird dem Thema insofern gerecht, als nach wie vor Patienten dort zu den Problemen mit der sie umgebenden Realität behandelt werden, allerdings nicht mehr in den wunderschönen Jugendstilpavillons, sondern in modern ausgestatteten Abteilungen für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin. 640 historische Objekte sind anschauliche Anziehungspunkte auf dieser Wanderung durch 250 Jahre Medizingeschichte, die von Niko Wahl und Michael Resch gestaltet wurde. Zusätzlich sind an zahlreichen Hörstationen die Stimmen von Erkrankten, Angehörigen und Mitgliedern des Personals zu hören. Erschütternd ist der Abschnitt, in dem es um „Euthanasie“ im Nationalsozialismus geht. Im Sinne von Begriffen wie unwertes Leben, Eugenik und Rassenhygiene wurden Massenmorde an psychisch Kranken begangen und alle bis dahin gewonnenen medizinischen Erkenntnisse im Namen einer schrecklichen Ideologie vom Tisch gewischt. Der euphemistische Ausdruck „Gnadentod“, wie er in einem Ermächtigungsschreiben vom 1. September 1939 von Adolf Hitler verwendet wurde, sollte wohl den letzten Rest von Gewissen in den damit betrauten Ärzten beruhigen. In Mauer-Öhling wurde erst 2010 mit einer gründlichen Aufarbeitung dieser Verbrechen begonnen. Präsentiert werden nun Entwürfe, wie den auf dem Anstaltsfriedhof verscharrten und mühsam identifizierten Opfern würdevoll gedacht werden könnte.
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