Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Cool, 2004

Isolde Maria Joham, Cool, 2004

ISOLDE MARIA JOHAM Durchscheinendes und Zweideutiges

Isolde Maria Joham, Ausstellungsansicht

Isolde Maria Joham, Ausstellungsansicht

Eine Ausstellung fördert die verkannte Größe der überzeugten Visionärin zutage

Mit Niederösterreich verbindet Isolde Maria Joham ihre Wahlheimat Hainfeld. 1968 hat die geborene Steirerin den damals 23jährigen angehenden Bildhauer Gottfried Höllwarth geheiratet. Nach einem Zwischenspiel in Wien zog das Paar 1973 ins Gölsental, um dort gemeinsam zu leben und für sich eigenständig zu arbeiten. Man darf es verraten: diese Frau wird heuer ihren 90. Geburtstag feiern. Die Ausstellung, die ihr bis 9. Oktober 2022 in der Niederösterreichischen Landesgalerie in Krems gewidmet ist, bedeutet aber weit mehr als ein anlassbedingtes Geschenk, meint zu Recht die neue Direktorin Gerda Ridler. Es ist vielmehr eine längst fällige Schuldigkeit gegenüber einer Künstlerin, deren umfang- und facettenreiches Werk in Hinblick auf seine Bedeutung in keiner Weise so gewürdigt wurde, wie es der nun mögliche Blick darauf spontan einfordert.

Isolde, Gottfried, Daisy und Donald, 1977

Isolde, Gottfried, Daisy und Donald, 1977

Die Frage der Systeme, 1984

Isolde Maria Joham, Die Frage der Systeme, 1984

Im Mittelpunkt steht das malerische Œuvre von Isolde Maria Joham. Dazu kommen Beispiele aus der Glaskunst, die sie mit Feingefühl und technischer Brillanz ständig weiterentwickelt hat. Zierliche, das Licht brechende Objekte, Glasfenster und Mosaike zeugen von der Meisterschaft, Kunst in Form der Angewandten auszuüben. Die wuchtigen Eyecatcher sind jedoch monumentale Leinwandarbeiten; durchwegs Formate, die man der zierlichen Frau nicht zutrauen möchte. Vereint sind darin Klarheit und Witz der Pop-Art, fotografischer Realismus und die schonungslose Aufarbeitung von brennenden Fragen, die bis heute keine schlüssige Antwort erfahren haben.

Regenbogen, 1978

Isolde Maria Joham, Regenbogen, 1978

Die Frage der Energie, 1982

Isolde Maria Joham, Die Frage der Energie, 1982

Isolde Maria Joham selbst sagt: „Ich möchte keine eindeutigen Bilder malen, sondern zweideutige.“ Eigentlich sind ihre Gemälde vieldeutig. Man muss nur genau hineinschauen in das Gedränge von Motiven, wie im „Traum vom künstlichen Menschen“. In der Mitte dominiert eine humanoide Figur aus Gold, flankiert von zwei dicken Robotern. Verquickt sind darin zwei Filme: Fritz Langs Maschinenmarie aus Metropolis und zwei Passagiere aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Die Deutung steht dem Betrachter offen, ein entscheidender Hinweis kommt dennoch von der Künstlerin selbst. Sie zeigt uns damit zwei Seiten eines Traums, von dem man nie sicher sein kann, ob der gut oder schlecht ausgeht.

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