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Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht

Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht

WIENER MODERNE Weiblich, widerständig – Frauenkunst

Fanny Harlfinger-Zakucka, Kirchgang & Ohne Titel (um 1908)

Fanny Harlfinger-Zakucka, Kirchgang & Ohne Titel (um 1908)

Eine Ausstellung als „notwendige“ Revision der Kunstgeschichte

Vor genau 100 Jahren initiierte Fanny Harlfinger-Zakucka (1873-1954) in Wien eine progressive Künstlerinnenvereinigung. Geboren wurde Fanny in Mank (NÖ), ging aber Mitte 20 nach Wien und besuchte die Kunstschule für Frauen und Mädchen, von der aus sie das Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für angewandte Kunst, antrat. Was sich heutzutage wie der übliche Weg einer begabten jungen Frau ausnimmt, was seinerzeit alles andere als einfach. Seit 1900 war Wien ein kulturelles Zentrum Europas, das von einer Aufbruchsstimmung in Kunst und Wissenschaft getragen war. Darin agierten Frauen allerdings als Randerscheinungen. Studieren durften sie erst ab 1920. Aber sie hatten eigene Strukturen wie private Kunstschulen, Ateliergemeinschaften und andere Möglichkeiten zur Förderung ihrer künstlerischen Sichtbarkeit.

Fanny Harlfinger-Zakucka, Freystadt 1927

Fanny Harlfinger-Zakucka, Freystadt 1927

Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht © Kunstmeile Krems, Foto: Agnes Winkler

Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht © Kunstmeile Krems, Foto: Agnes Winkler

Eine dieser Vereinigungen war die 1910 gegründete VBKÖ (Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs), der sich Fanny Harlfinger-Zakucka 1914 anschloss. Nicht nur in den Ateliers herrschte die sogenannte Wiener Moderne, dort aber gaben Gustav Klimt, Oskar Kokoschka oder Egon Schiele den Ton an. In der VBKÖ dürfte eine eher rückwärts gewandte Richtung vertreten worden sein, denn 1926 gründete Harlfinger-Zanucka eine eigene Gruppe von gleichgesinnten Künstlerinnen unter dem Titel „Wiener Frauenkunst“. Versammelt waren darin Malerinnen, Keramikerinnen, Bildhauerinnen bis zu Architektinnen und Kunsthandwerkerinnen. Der Ansatz war progressiv und feministisch. Ausstellungen wurden zu räumlichen Arrangements, die erstmals unter bestimmte Themen gestellt und von einem Katalog mit theoretischen Texten begleitet wurden. In der Landesgalerie NÖ werden bis 10. Jänner 2027 unter „Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig“ ihre sechs wichtigsten Ausstellungen anhand von Fotos, historischen Dokumenten und – was für das Publikum wohl das Wichtigste ist – mit ausgewählten Werken nachempfunden.

Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht

Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht

Viele der Namen waren längst unbekannt. Auch bei bestem Willen konnte in der Landesgalerie NÖ nur ein kleiner Teil der vielen Künstlerinnen wieder ins allgemeine Gedächtnis gerufen werden. Wild anmutende Keramiken von Erna Kopriva stehen neben zarten Lithografien zu Ovids „Kunst der Liebe“ von Mariette Lydis oder den modern wirkenden Frauenbildnissen von Franziska Zach.

Den Hauptanteil stellen dennoch die Arbeiten von Fanny Harlfinger-Zakucka. Ihr Blick war stets nach vorne gerichtet. Mutiger Expressionismus zeigt sich in trostlosen Feldern, die sich unter einer schwarzen Wolke bis zu einem fernen Horizont ziehen, Holzschnitte vermitteln in reduzierter Darstellung damaliges Alltagsleben und von ihr designte Möbel sind Art déco vom Feinsten. Mit einigen Gemälden war sie ihrer Zeit jedoch weit voraus. „Kirchgang“ um 1908 könnte geradeso vom wesentlich späteren Alfons Walde stammen und die 1907/08 entstandene „Ernte“ ist ein erstaunlicher Vorgriff auf die Naive Kunst eines Gottfried Kumpf. Verheiratet war Fanny mit dem Maler Richard Harlfinger, einer entscheidenden Stimme der Wiener Secession. Die Zuneigung der beiden Ehepartner war über gegenseitige Bewunderung des jeweiligen Talents hinausgehend getragen vor allem von seinem Anliegen als Lehrer an der Wiener Frauenakademie, der Kunst für herausragende weibliche Talente wie Fanny neue Wege zu eröffnen und entsprechende Anerkennung zu ermöglichen.

Irma Rothstein, Sitzendes Mädchen, undatiert

Irma Rothstein, Sitzendes Mädchen, undatiert

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