Kultur und Weindas beschauliche MagazinWiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht WIENER MODERNE Weiblich, widerständig – Frauenkunst
Vor genau 100 Jahren initiierte Fanny Harlfinger-Zakucka (1873-1954) in Wien eine progressive Künstlerinnenvereinigung. Geboren wurde Fanny in Mank (NÖ), ging aber Mitte 20 nach Wien und besuchte die Kunstschule für Frauen und Mädchen, von der aus sie das Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für angewandte Kunst, antrat. Was sich heutzutage wie der übliche Weg einer begabten jungen Frau ausnimmt, was seinerzeit alles andere als einfach. Seit 1900 war Wien ein kulturelles Zentrum Europas, das von einer Aufbruchsstimmung in Kunst und Wissenschaft getragen war. Darin agierten Frauen allerdings als Randerscheinungen. Studieren durften sie erst ab 1920. Aber sie hatten eigene Strukturen wie private Kunstschulen, Ateliergemeinschaften und andere Möglichkeiten zur Förderung ihrer künstlerischen Sichtbarkeit.
Eine dieser Vereinigungen war die 1910 gegründete VBKÖ (Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs), der sich Fanny Harlfinger-Zakucka 1914 anschloss. Nicht nur in den Ateliers herrschte die sogenannte Wiener Moderne, dort aber gaben Gustav Klimt, Oskar Kokoschka oder Egon Schiele den Ton an. In der VBKÖ dürfte eine eher rückwärts gewandte Richtung vertreten worden sein, denn 1926 gründete Harlfinger-Zanucka eine eigene Gruppe von gleichgesinnten Künstlerinnen unter dem Titel „Wiener Frauenkunst“. Versammelt waren darin Malerinnen, Keramikerinnen, Bildhauerinnen bis zu Architektinnen und Kunsthandwerkerinnen. Der Ansatz war progressiv und feministisch. Ausstellungen wurden zu räumlichen Arrangements, die erstmals unter bestimmte Themen gestellt und von einem Katalog mit theoretischen Texten begleitet wurden. In der Landesgalerie NÖ werden bis 10. Jänner 2027 unter „Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig“ ihre sechs wichtigsten Ausstellungen anhand von Fotos, historischen Dokumenten und – was für das Publikum wohl das Wichtigste ist – mit ausgewählten Werken nachempfunden. Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig, Ausstellungsansicht Viele der Namen waren längst unbekannt. Auch bei bestem Willen konnte in der Landesgalerie NÖ nur ein kleiner Teil der vielen Künstlerinnen wieder ins allgemeine Gedächtnis gerufen werden. Wild anmutende Keramiken von Erna Kopriva stehen neben zarten Lithografien zu Ovids „Kunst der Liebe“ von Mariette Lydis oder den modern wirkenden Frauenbildnissen von Franziska Zach.
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