Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAK-Ausstellungsansicht, 2019 „SITZEN 69“ REVISITED © MAK/Georg Mayer

„SITZEN 69“ REVISITED mit Pop-Ikonen und Tischlersesseln

Walter Pichler, Fauteuil Galaxy, Wien, 1966 © MAK/Georg Mayer

Ergänzung für eine große Ausstellung von Sitzmöbeln

1969 präsentierte das Österreichische Museum für angewandte Kunst in der Möbelausstellung SITZEN 69 gediegene „Tischlersesseln“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich. Mittlerweile ist aus dem Museum das MAK geworden. In einer Rückschau wurde festgestellt, dass damals Sitzgelegenheiten, die heute für diese Epoche charakteristisch sind, gefehlt haben. Der runde Fünfziger ließ dieses Thema wieder aktuell werden. Gefeiert wird mit „SITZEN 69“ REVISITED (bis 29. März 2010) im bezaubernden Ambiente der MAK-Schausammlung Historismus Jugendstil. Sie stehen nun friedlich einander gegenüber; rechts auf elegant silbergrauem Podest die in solider Handarbeit von Tischlern gefertigten Sessel.

Josef Frank, Armlehnsessel, Wien, 1933 © MAK/Nathan Murrell

Links auf blauem Untergrund reihen sich verspielt verrückte Möbelobjekte, wie sie damals zum Inbegriff der alternativen und utopischen Wohnkonzepte geworden waren und, je nach Jahrgang des Besuchers, durchaus nostalgische Reminiszenzen an ein Dasein in neugewonnener geistiger und sexueller Freiheit erwecken dürften.

 

Man darf sich freilich nicht draufsetzen. Schließlich ist auch der einladenste Stuhl ein museales Objekt und ausschließlich dafür da, gebührend bewundert zu werden. So hat der Armlehnsessel von Josef Frank bereits ein ehrwürdiges Alter. 1933 war er vom bedeutendsten österreichischen Möbeldesigner und Raumgestalter der Zwischenkriegszeit entworfen worden. Auf bequeme Armlehnen hat man auch in den 1950er-Jahren nicht verzichtet. Architekt Karl Schwanzer hat für den Pavillon der Brüsseler Weltausstellung 1958 (heute Belvedere 21) eine solche Sitzgelegenheit aus Aluminium und Polsterung mit Textilbezug kreiert. Acht Jahre später hob Walter Pichler mit „Galaxy“ in den Weltraum ab, um diskutierende und Gin trinkende „Astronauten“ auf einem Fauteuil aus genietetem Aluminium und einer Polsterung aus Schaustoff die bevorstehende Mondlandung besprechen zu lassen. In Italien, dem modischen Vorreiter auch in Sachen Möbeln, hing man zu dieser Zeit bereits in einem Sack, dem „Sacco“, herum und schlürfte Cincano.

Zeitgleich räkelten sich Monsieur und Madame Gitanes qualmend im Tongue Chair des Franzosen Pierre Paulin. Damit wird diese kleine, aber feine Ausstellung zu einer Reise durch Erinnerungen an ein „sitzendes“ Lebensgefühl, das heute längst kleinlichen Vorschriften zum Opfer gefallen ist. Gleichzeitig ist diese von Kurator Sebastian Hackenschmidt gestaltete Schau ein Wetterleuchten für „BUGHOLZ, VIELSCHICHTIG“ (ab 18. Dezember 2019), bei dem Thonet und das moderne Möbeldesign näher vorgestellt werden.

MAK-Ausstellungsansicht, 2019 „SITZEN 69“ REVISITED © MAK/Georg Mayer
MAk Logo 300

Statistik