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 Glanzstücke, Ausstellungsansicht © Van Cleef & Arpels

Glanzstücke, Ausstellungsansicht © Van Cleef & Arpels

GLANZSTÜCKE Lustvoll verirren im prächtigen Labyrinth

Glanzstücke, Ausstellungsansicht

Glanzstücke, Ausstellungsansicht

Pariser Haut Joaillerie und Meisterwerke der eigenen Sammlung im nobel geführten Dialog

Die Augen wollen einem übergehen, wenn man die Ausstellungshalle betritt. Der Titel „Glanzstücke“ (bis 27. September 2026) verspricht wahrlich nicht zuviel. Man wagt sich in ein Labyrinth der Schönheit, in dem man sich staunend in den Schöpfungen höchster Juwelierkunst, gepaart mit dem Erfindungsreichtum begnadeter Kunsthandwerker verirren darf. Der Untertitel verrät den zugrunde liegenden Gedanken: „Van Cleef & Arpels High Juwelry x Masterpieces from the MAK“. Was hier in schnödem Englisch verkündet wird, entfaltet seine wahre Wirkung erst in den jeweiligen Originalsprachen. Vertreten sind eine für Haute Joaillerie bekannte Pariser Maison und das MAK selbst mit einer wahrhaft elitären Auswahl von Objekten aus seiner eigenen Sammlung.

Chrysanthemum Brosche, 1937 © Sammlung Van Cleef & Arpels

Chrysanthemum Brosche, 1937 © Sammlung Van Cleef & Arpels

Rosette aus dem sogenannten Haller Schmuck, um 1580 © MAK/Nathan Murrell

Rosette aus dem sogenannten Haller Schmuck, um 1580 © MAK/Nathan Murrell

Alexandrine Maviel-Sonet und Anne-Katrin Rossberg hatten das Vergnügen, diese Schätze aufzuarbeiten und für das Publikum so attraktiv wie möglich zu präsentieren. Unterstützt wurden sie dabei von ATTA (Atelier Tsuyoshi Tane), die mit der Idee eines Labyrinths die Schau mit einem emotionalen Erlebnis bereichern. Als Wegweiser, keinesfalls jedoch als Exitstrategie bei Verlaufen, gibt es fünf Themenkreise: Wanderlust, Architektur, Rhythmische Designs, Auf der Bühne, Metamorphosen und Natur & Kosmos. Aus Gold, Silber und Jaspis wurde auf der „Werft“ von Van Cleef & Arpels das maßstabsgetreue Modell der Segelyacht Varuna gebaut, das gemeinsam mit dem sogenannten Portugiesen-Teppich aus dem MAK das nicht zuviel versprechende Entree bietet. Wer sich die Mühe nimmt und die blass gedruckten Texte zu entziffern versteht, erfährt, dass das Modell aufgrund seiner kostbaren Materialen den Eindruck von Bewegung vermittelt, während der seltene Knüpfteppich aus dem 17. Jahrhundert aus dem Besitz des Kaiserhauses stammt. Dessen Mitglieder konnten sich an den darauf abgebildeten Schiffen und europäischen Passagieren in rauer See voll Ungeheuern ihr persönliches Reiseerlebnis imaginieren.

Felice Rix, Zigarettenschuber mit Quasten, 1929 © MAK / Tamara Pichler

Felice Rix, Zigarettenschuber mit Quasten, 1929 © MAK / Tamara Pichler

So bildet jede Etappe dieser wundersamen Promenade ihre Höhepunkte. Nach der Minaudière von Van Cleef & Arpels, einem raffinierten Accessoire für Damen in den 1930er-Jahren, hemmt der klassizistische Spieltisch des berühmten Ebenisten (Kunstschreiner) David Roentgen den Schritt. Er ist aufklappbar für Karrtenspiele, Schach und Backgammon. Man muss den Augen genügend Gelegenheit geben, die „Malerei“ mit exotischen Hölzern auf der obersten Tischplatte aufzunehmen.

Geometrische Stoffmuster des Art déco werden mit dynamisch-strukturellen Kreationen aus Paris kombiniert. Schmuck und wieder Schmuck ist einer der roten Fäden, an denen man sich zur „Chrysanthemum Brosche“ leiten lässt. Sie ist Teil des Mystery-Sets, in dem Edelsteine so in die Goldfassung eingesetzt sind, dass diese unsichtbar bleibt. Mit dieser Technik wurde das Aufblühen der Blume eingefangen und ihr natürlich scheinendes Leben geschenkt. Nicht zurückstehen braucht dagegen die Armillarspähre (ein frühes astronomisches Gerät) aus dem MAK. Drehbare Metallringe veranschaulichen die Bewegungen der Himmelskörper, während in das äußere Band kunstvolle Tierkreisbilder eingraviert sind. Dass es sich bei all den gezeigten Kostbarkeiten um Meisterwerke der angewandten Kunst und damit um die DNA des MAK handelt, ist der Mehrwert an praktischem Wissen, den eine derart aufwändige Unternehmung ihren Besucherinnen und Besuchern bietet, die dank eines opulenten Katalogs die Eindrücke der Ausstellung quasi mitnehmen können, um sie im trauten Heim genüsslich noch einmal zu genießen.

Kleine geflügelte Fee, Brosche 1941 © Sammlung Van Cleef & Arpels

Kleine geflügelte Fee, Brosche 1941 © Sammlung Van Cleef & Arpels

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