Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Tania Golden mit Ensemble © Rolf Bock

DIE FLEDERMAUS flattert mit neue´ Schmäh´ durch Hernals

Die Fledermaus reloaded im Metropol Ensemble © Rolf Bock

Ein Klassiker reloaded für ein Publikum abseits der Staatsoper

An sich ist dieses Stück Musiktheater bereits lustig genug, möchte man meinen. Kein Silvester ohne „Die Fledermaus“, in der es vor Champagnerseligkeit nur so rauscht. Die Melodien sind einzigartig in der Musikgeschichte, weder Operette, noch Oper, und dennoch über allem erhaben mit ihrer perlenden Spritzigkeit, die im Zuhörer das Blut aufbrausen lässt. Ein Geniestreich halt, der unserem Schani Strauß da eingefallen ist. Peter Hofbauer, Prinzipal des Metropol, und seine Tochter Flo waren mutig genug, um das Ganze zeitlich ein knappes Jahrhundert Richtung Heute zu versetzen, so ca. Mitte der 1920er-Jahre, und mit einem Feuerwerk schlüpfriger Gags aufzuladen. Vor allem wird das Warum und Wieso genau erklärt. Man weiß am Ende ganz genau, warum dieser Mummenschanz, bei dem der Ehemann seine Gattin nicht erkennt, von Dr. Falke inszeniert wurde. Er war schlicht beleidigt, weil ihn Dr. Eisenstein nach einer besoffenen G´schicht dem Spott preisgegeben hat. Das ist nun die Rache, die weiland schon Richard Genée pointenreich in ein Libretto verpackt hat.

Peter Kratochvil, Conny Mooswalder © Rolf Bock

Er hätte wahrscheinlich auch mit der aktuellen Metropolfassung seinen Spaß gehabt, da vor allem einige zentrale Texte im Original belassen wurden. Eines hätte er dem Autorenduo aber nicht verziehen. Sie haben aus seinem geheimnisvollen Prinz Orlofsky, einer androgynen, in jeder Beziehung saturierten Gestalt mit Frauenstimme tatsächlich eine weibliche Rolle gemacht. Das ist Feigheit vor dem Feind! Man braucht ja keinen Countertenor. Es darf ruhig eine Sängerin in Hosen auftreten, aber sie muss irritieren, um alle die Unanständigkeiten dieser bunten Gesellschaft in sich zu vereinigen.

Ronny Kuste (Frosch) © Rolf Bock

Am Piano sitzt Max Hagler, wird aber immer wieder von Orchestereinspielungen abgelöst, wenn es darum geht, die Sänger bei den teils halsbrecherischen Einlagen zu begleiten. Mit hörenswerter Leichtigkeit jubelt dabei Juliette Khalil als Adele mit glockenhellem Sopran in strahlende Höhen, was wirklich Lust macht, die junge Dame ganz Natur in der Volksoper (ihr derzeitiges Engagement) zu erleben. Ihre Schwester Ida (Sofie Denner) gibt sich ja ohnehin Mühe, damit sie entdeckt wird.

Dass dabei der als Chevalier Chagrin hochstapelnde Gefängnisdirektor Dr. Frank (Georg Leskovich) den Mädels seine Hilfe und ein Amuse-Geule anbietet, ist nicht wirklich hilfreich. Der ärmste Hund ist bekanntlich Alfred, der zuerst durchs Klofenster zu seiner Geliebten einsteigen und dann anstelle des Hausherrn ins Gefängnis einrücken muss. Als Gesangslehrer beherrscht Peter Kratochvil ausgezeichnet das Abrutschen von Spitzentönen und löst damit allseitige Erheiterung aus. Die schöne Rosalinde (Conny Mooswalder) gibt zumindest vor, sich an seiner Stimme sinnlich bis zum Seitensprung zu begeistern. Als sie aber vom väterlichen Freund ihres Gatten, dem Herrn Dr. Falke (Alfred Pfeifer) einen Brief erhält, mit dem Inhalt, sich an einer Abendgesellschaft zu beteiligen, ist ihr der Seitensprung egal. Dr. Eisenstein, ihr Mann, hat eine lockere Hand, was das Austeilen von Watschen betrifft, und er hat einen Polizisten geohrfeigt. Neun Tage soll er dafür sitzen, erscheint aber stattdessen als Marquis Renard ebenfalls auf der Soiree der steinreichen Russin Orlowskaya. Die stimmgewaltige Tania Golden ist bezüglich hemmungsloser Ausgelassenheit ihrer gern eingeladenen Gäste eine wahre Autorität, vor der sogar der Champagner Respekt hat.

Ein Schwerarbeiter im Kreise all dieser Taugenichtse ist Ronny Kuste. Zuerst vertritt er Eisenstein als Rechtsanwalt Dr. Blind mit Büro in der Taubstummengasse, wird zum Diener degradiert, um schließlich als Frosch mit sächsischem Akzent die Lacher einzuheimsen. Dass sich unter den Aktenordnern ein Kanister mit Slibowitz versteckt, mag eine der Ideen von Regisseur Andy Halwaxx sein, der diese Fledermaus als Mordsgaudi zwischen die Säulen des Metropols inszeniert hat.

Juliette Khalil, Georg Leskovich, Sofie Denner © Rolf Bock
Metropol Logo 350

Statistik