Kultur und Wein

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Million Dollar Quartett, Ensemble © Rolf Bock

Million Dollar Quarett, Ensemble © Rolf Bock

MILLION DOLLAR QUARTETT oder die Sternstunde des Rock´n´ Roll

Million Dollar Quarett, Ensemble © Rolf Bock

Million Dollar Quartett, Ensemble © Rolf Bock

Unsterbliche Hits der Fünfzigerjahre reißen bis heute die Leute von den Sitzen

Eigentlich war es eine traurige Geschichte, die Sam Philips da am 4. Dezember 1956 widerfahren ist. Und doch begann es unglaublich erfreulich. Der Betreiber der Sun Studios wollte mit dem von ihm gemachten Star Carl Perkins einen neuen Hit produzieren. Dessen „Blue Suede Shoes“ hatten zwar eingeschlagen, Sam wurde aber das Gefühl nicht los, dass das Publikum neben Schlagzeug, Bass und Gitarre noch andere Instrumente hören wollte. Also hatte er für diese Einspielung den noch unbekannten Pianisten Jerry Lee Lewis engagiert. Ganz zufällig schneite an diesem Nachmittag auch Elvis Presley ins Studio herein, ein mittlerweile ganz Großer, den es offenbar nur um einen Besuch bei alten Bekannten ging. Er hatte nämlich genau hier seine fulminante Karriere gestartet. In seinem Schlepptau befand sich seine Freundin. Die Anwesenden waren von deren Stimme begeistert, auch Johnny Cash, der ebenfalls bei den Sun Studios unter Vertrag stand. Wie es bei einem Treffen derartiger Kapazunder nahezu unausweichlich ist, wurde daraus bald eine Jamsession.

Anna Burger (Dyanne) © Rolf Bock

Anna Burger (Dyanne) © Rolf Bock

Manfred Chromy am Kontrabass als Jay Perkins © Rolf Bock

Manfred Chromy am Kontrabass als Jay Perkins © Rolf Bock

Sam Philips ließ das Band mitlaufen und konnte damit eine Sensation auf den Markt bringen; ein Album, das unter dem Titel „Million Dollar Quartett“ zur Legende wurde. Das gleichnamige Musical nach einem Buch von Colin Escott & Floyd Mutrux erzählt aber auch, dass sowohl Perkins als auch Cash die Sun Studios verlassen wollten und das gemeinsame Musizieren ein Abschied von Sam Philips als Produzent war – ein Wermutstropfen in einem Abend mit mitreißenden Nummern wie „See You Later Alligator“, „Don´t Be Cruel“, „Down by the Riverside“ und vielen anderen „Klassikern“ dieser Genres.

 

Für das Metropol unter Peter Hofbauer stellte es eine reizvolle Herausforderung dar, ein solches Meeting auf die Bühne zu stellen. Immerhin sind dazu Musiker nötig, die erstens ihr Handwerk bestens beherrschen, aber auch in die Haut eines der Stars schlüpfen können. Mit der Besetzung, die am 6. Oktober 2021 die Premiere von „Million Dollar Quartett“ feierte, hätten die vier Titanen von Rock´n´ Roll und Country garantiert ihre Freude. Reinwald Kranner wird Elvis himself, nicht nur mit Stirnlocke und Koteletten, sondern vor allem in Bewegung und Stimme, die zu Presleys Lebzeiten laute Stürme der Begeisterung hervorgerufen haben. Als der von sich überzeugte Carl Perkins grantelt Toni Matosic über das Treiben im Studio, das so gar nicht nach seinem Geschmack abgeht. Auf der Gitarre lässt er aber Riffs perlen, die es in sich haben, und er hat auch das entsprechende Organ, um seine Nummern authentisch herauszufetzen.

Andy Lee Lang (Jerry Lee Lewis) und Ensemble © Rolf Bock

Andy Lee Lang (Jerry Lee Lewis) und Ensemble © Rolf Bock

Reinwald Kranner (Elvis), Anna Burger (Dyanne) © Rolf Bock

Reinwald Kranner (Elvis), Anna Burger (Dyanne) © Rolf Bock

Der introvertierte Johnny Cash hat mit Werner Auer (er ist auch für die Regie verantwortlich) den idealen Interpreten gefunden. Mit dem passenden Organ für raue Country-Songs braucht man nur die Augen zu schließen, um bei einem der Gigs in Nashville dabei zu sein. Dann aber wieder Augen auf! Zuschauen wird zum Vergnügen, wenn Andy Lee Lang (mit abenteuerlicher Perücke) an den Tasten am Werk ist. Wie sein Vorbild, eben Jerry Lee Lewis, gibt er seine eigene Show am Piano, einmal mit der Ferse, dann mit dem Hintern, natürlich auch mit den Händen, deren Finger gar nicht anders können, als Akkorde, Soli und wilde Fahrten über die gesamte Klaviatur hinzulegen. Presleys Freundin ist hier Dyanne, als die Anna Burger mit reizendem Erscheinungsbild und mächtigem Rohr die Burschen oben und das Publikum davor bezaubert. An den Drums von Fluke sind alternierend Christoph Sztrakati und Alex Schuster zugange und mit der Hundehütte, also dem Bass von Jay Perkins, treiben Manfred Chromy und Peter Strutzenberger ihre artistischen Späße. Damit man Bescheid weiß, was damals in den Sun Studios wirklich passiert ist, erzählt Ronny Kuste als Sam Philips ehrlich und berührend die Story, um am Ende resignierend festzustellen: „Solange sie noch klein sind, kleben sie an dir wie die Fliegen, aber nach ihrem Höhenflug kommen sie nie wieder zurück.“ Oh doch! Sonst hätte es ja nie ein „Million Dollar Quartett“ gegeben.

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