Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Cirquettes mit dem Cancan

Cirquettes mit dem Cancan

OHLALA Burlesque, Cabaret und feines Speisen

Cake  Jump von Rachel Riot

Cake Jump von Rachel Riot

Premiere einer Show zwischen frech-frivolem Tanz und atemberaubender Artistik

Frauen wie aus dem Bilderbuch, das zeichnet die Künstlerinnen des Cirque Rouge aus. Sie spielen freizügig mit ihrer Attraktivität und beherrschen virtuos den Einsatz der Erotik. Sie sind darüber hinaus noch perfekte Tänzerinnen und einige von ihnen sogar grandiose Akrobatinnen. Zu erleben sind sie nun jeden Mittwoch Abend mit dem neuen Programm „Ohlala“ im Mirage, der Eventlocation im Prater. Als wäre die Zeit in die wilden 20er-Jahre zurückgedreht worden, erscheint mit Schnauzbart und Melone ihr Conférencier. Nicht ohne Augenzwinkern stellt er sich als „Russell the Love Muscle“ vor. Er ist eigentlich Amerikaner und spricht Englisch, wird auf der Bühne aber zum waschechten Franzosen, der das Publikum in die Extravaganz des berüchtigten Moulin Rouge entführt. Begleitet wird sein Auftritt von den Randy Dandies, einer gestandenen Jazzband, die von Nobuo Watanabe vom Klavier aus geleitet wird. Sie begleitet die Darbietungen der Hauptdarstellerinnen mit Live-Musik.

Russell the Love Muscle mit Muse Hanny

Russell the Love Muscle mit Muse Hanny

Madeleine Spinelli mit den Feuerreifen

Madeleine Spinelli mit den Feuerreifen

Klassisches Burlesque steht auf dem Programm. Wenn Michelle Marvelous im prächtigen Glitzerkleid erscheint, wird die Atmosphäre im Zelt mit einem Schlag schlüpfrig. Die Dame beginnt mit raffinierten Griffen sich ihres Gewandes zu entledigen, zur Begeisterung gleichermaßen von Männern und Frauen an den Tischen rund um sie herum. Bevor das letzte Stückchen Stoff von ihrem makellosen Körper gezupft wird, ist aber Schluss mit dem Spaß. Dieses „Teasen“, zu Deutsch Necken, ist ein wesentlicher Teil der Performances. Die Grenze zur Nacktheit wird auch im gewagtesten Strip nicht überschritten. Was einst in Paris für einen Skandal sorgte, hat als Cancan längst die Bühnen erobert und wird von den Cirquettes mit Temperament und hoch geschwungenen Beinen auch in diesem Etablissement geboten. Während Russell immer wieder mit launigen Kommentaren die Stimmung hebt, lässt Mila den Atem anhalten. In einem rosaroten Herz, dem Aerial Heart, beweist sie hoch über der Bühne die Elastizität ihrer Gliedmaßen und unerschütterliches Gleichgewicht. Sie ist eine Akrobatin, die ihr Können mit den offensichtlichen Reizen ihres Körpers genial verbindet. Mit dem Feuer im wahrsten Sinn des Wortes jongliert Madeleine Spinelli. Wie Hula Hoop Reifen lässt sie brennende Ringe um sich tanzen und entzündet damit nicht zuletzt die Begeisterung im Zuschauerrund.

The Mooche - Badewanne mit Michelle Marvelous

The Mooche - Badewanne mit Michelle Marvelous

Blue Iguana - Cirquettes als Flamingos

Blue Iguana - Cirquettes als Flamingos

Doch was wäre ein Abend ohne feines Speisen!? Dafür ist die Küche des Mirage zuständig. Nach jeweils einer Stunde Show gibt es einen der drei Gänge eines köstlichen Menüs. Nach dem Gedeck aus rustikalem Bio-Krustenbrot und Aufstrichen eröffnet eine Burrata di Puglia das Dinner, gefolgt von einem sensationell zarten, auf den Punkt gebratenen Entrecôte mit knusprigen Stroherdäpfeln und Sauce Béarnaise oder für Vegetarier eine Trüffel-Tagliatelle.

Bevor es ans Löffeln des Desserts, einem kühlen Tartufo Scuro, geht, springt noch Rachel Riot aus der Torte. Geburtstage gibt es immer und sie werden hier groß gefeiert, wobei sich das Geburtstagskind allerdings von Russell ein paar sanfte Schläge auf den Popo gefallen lassen muss. Akt drei wird mit einer Malaktion à la Yves Klein eröffnet. Russel wird zum Künstler, der seine Muse Hanny mit Goldfarbe bestreicht und abdruckt. Sie hinterlässt ihre reizvollen Formen auf der Leinwand und fertig ist das Bild, das in der Folge versteigert wird. Wieder ist es Michelle Marvelous, die von zwei Cirquettes als Zofen zu einem Bad in der Wanne entkleidet wird. Unter den anwesenden Herren knistert es, wenn sie ihre Strümpfe von den Beinen streicht. Doch statt mit einem von ihnen ein entspanntes Schaumbad zu nehmen, stellt Michelle ihre Gewandtheit am Rand der Wanne sportlich unter Beweis. Der kräftige Applaus beim Oh La La Rendezvous am Schluss bestätigt den Spaß und die Anregung, die nur Burlesque in dieser wunderschönen Form bieten kann.

Blue Drag - Pearls mit Michelle Marvelous

Blue Drag - Pearls mit Michelle Marvelous

Das. Doreen Quartett im Kerzenlicht © Mirage

Das. Doreen Quartett im Kerzenlicht © Mirage

NUIT DES LUMIÈRES Speisen bei edler Musik im Kerzenlicht

Mislav Brajković, ein Virtuose am Cello © Mirage

Mislav Brajković, ein Virtuose am Cello © Mirage

Ein Abend, der mit seiner Romantik den Alltag vergessen lässt

Über 2000 Kerzen erleuchten das Rund im Zelt und verbreiten mit ihrem Flackern eine beinahe unwirkliche Stimmung. Draußen ist es noch taghell, während drinnen die „Nacht der Lichter“ ihren Lauf nimmt. Die Menschen an den gedeckten Tischen lassen sich davon gerne einfangen und in eine Zeit entführen, in der Fürsten und Prinzessinnen in ihren Schlössern bei Tisch von geübten Musici unterhalten wurden, während sie an der Tafel die von devoten Dienern aufgetragenen Köstlichkeiten schmausten. In der Nuit des Lumières bestehen die Unterschiede lediglich darin, dass sich anstelle der Lakaien ein aufmerksames, aber selbstbewusstes Personal um das Wohl der Gäste kümmert, und vor allem, dass Konzert und Speisen getrennt sind. Beide Attraktionen haben es verdient, allein für sich mit voller Konzentration genossen zu werden.

Ein fein geseckte Tafel bei Nuit des Lumières © Mirage

Ein fein geseckte Tafel bei Nuit des Lumières © Mirage

Stimmmung bei Musik und flackernden Kerzen © Mirage

Stimmmung bei Musik und flackernden Kerzen © Mirage

Nach der Vorspeise, einem wunderbaren Tatar vom Kalb (für Vegetarier eine Cremige Burrata), ziehen drei der Mitglieder des Doreen Quartetts musizierend zur Bühne, auf der das Cello, meisterhaft beherrscht von Mislav Brajković, den berühmten Kanon in D von Johann Pachelbel mit sonoren Tönen eröffnet hat. Nach dem letzten Takt wird die erste Geigerin Ieva Pranskutė zur Moderatorin, die in gut verständlichem Englisch die kommenden Stücke bekannt gibt. Als Reverenz an Wolfgang Amadée Mozart gibt es die Kleine Nachtmusik, bevor es mit dem Libertango von Astor Piazzola argentinisch wird und die Reise wieder zurück nach Wien mit dem Donauwalzer geht. Jetzt wird der Zwischengang aufgetragen, ein Caesar Gourmet-Salat, der den Appetit auf ein rosa gebratenes Black Angus Filet (bzw. ein Blumenkohl-Brokkoli-Steak) so richtig anregt. Bis dahin und nach der Hauptspeise wird wieder aufgespielt. Vier Streichinstrumente schaffen dank raffinierter Arrangements einen faszinierend orchestralen Klang, der über die Kammermusik hinaus mit Soundtracks des Kinos (z. B. Cinema Paradiso von Ennio Morricone) und Juwelen der Popmusik wie „Can You Feel the Love Tonight“ von Elton John die feinsten Ohren überzeugt.

An der zweiten Violine werkt übrigens Yerassyl Khamit und an der Bratsche Gustavo Lennertz. Das Doreen Quartett ist also ein internationales Ensemble, das auf der ganzen Welt Erfolge feiert und mit der Breite seines Programms weit über Klassikfans hinaus seine Zuhörer anspricht. Wenn das Ganze dazu im Rahmen eines Candlelight Dinner Concerts geboten wird, dürften keine Wünsche an einen derart romantischen Abend offen bleiben.

Blick von der Bühne ins Zelt © Mirage

Blick von der Bühne ins Zelt © Mirage

Fünf Herren von Sixx Paxx

Fünf Herren von Sixx Paxx im Anmarsch

SIXX PAXX Muskelmänner lassen Frauen kreischen

Sixx Paxx: Mann mit Mädchen in der Badewanne

Sixx Paxx: Mann mit Mädchen in der Badewanne

Eine kraftvolle Berliner Truppe begeistert auch in Wien das (weibliche) Publikum.

Die Herren sind ausnehmend gut gebaut. Ein toptrainierter Körper ist ihr Kapital und Arbeitsgerät. Dazu können sie grandios tanzen und haben, wie wir in Wien sagen, den richtigen Schmäh bei den Mädels drauf. SIXX PAXX ist Programm und Titel einer Show, in der sich die Disco Musik aus der ordentlich aufgedrehten Tonanlage mit dem quietschenden Gejohle aus dem Rund der Zuschauerinnen matcht, wobei nicht immer klar ist, was von den beiden die Oberhand behält. Männliche Wesen sind im Publikum die berühmte Nadel im Heuhaufen. Sie sind eine verschwindende Minderheit angesichts der Damen, die sich im Mirage zum Polterabend ihrer Freundin, zu einer Geburtstagsfeier ohne störenden Beziehungsanhang oder zu einer ausgelassenen Ladies Night versammelt haben. Allein das gewagte Outfit verrät die Abendteuerlust, bei den angebotenen Burschen, vor allem aber an deren Bodys verwegen Hand anzulegen oder ihrer nackten Haut auf einem schwebenden Bett bzw. in der Badewanne bis zur tabulosen Berührung nahezukommen.

Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise © Mirage

Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise © Mirage

Schummriges Licht, Disco Musik und starke Männer

Sixx Paxx: Schummriges Licht, Disco Musik und starke Männer

Die Herren um den aus Österreich stammenden Schlagzeuger Michael Eisensteyn beherrschen virtuos das sinnliche Spiel mit angedeuteter Erotik. Bräute werden auf die Qualität ihrer Verführungskünste getestet und frisch getrennte Frauen mit einem emotionalen Song getröstet. Die Gunst, mit einem von ihnen vorne zu stehen, wird möglichst gerecht auf die Besucherinnen verteilt. Die Herren sind bereit, ihre Leiberl vom Körper zu reißen und sie ins Publikum zu werfen oder unter rasendem Beifall ihre knackigen Pöpsche zu entblößen. Damit hat es sich aber.

Mehr wird nicht zur Schau gestellt, es gibt keinen Striptease bis zum..., naja, man weiß schon. Der Berliner David ist Mastermind von SIXX PAXX. Ihm ist wichtig, dass alles, was hier passiert, die beteiligten Frauen auch dem Freund daheim erzählen könnten, ohne große Eifersucht zu erwecken. Dennoch: Schon nach wenigen Minuten ist die Stimmung auf dem Pegel eines startenden Flugzeugs, um bis zur Pause anzuhalten, was den Zuschauerinnen ein unermüdliches Organ attestiert. Still wird es erst, wenn Futter angesagt ist. Im Mirage wird zur Revue ein dreigängiges Dinner serviert. Ein fein abgestimmtes Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise und ein Hauptgang mit einem sensationellen Lady´s Cut Filet Steak werden von Bananensplit mit Vanilleeis beschlossen. Freilich gibt es auch ein Menü für Vegetarierinnen mit Caesar Salat, gefolgt von cremigem Risotto und frischem Gemüse. Was immer gewählt wurde, es hat geschmeckt und nach dem letzten Bissen wird ohnehin bereits der nächste Auftritt des mit Muskeln und Charme bepackten Ensembles heiß erwartet.

Sixx Paxx beim Körperkontakt mit den Fans

Sixx Paxx beim Körperkontakt mit den Fans

Secret Wonders im Mirage, der Eventlocation im Prater

Secret Wonders im MIRAGE, der Eventlocation im Prater

SECRET WONDERS Viel Genuss bei wundersamen Staunen

Christoph Kulmer und Ben Spade in Aktion © Wolfgang Fischer

Christoph Kulmer und Ben Spade in Aktion © Wolfgang Fischer

Eine Dinner Show mit dem magischen Duo Christoph und Ben

Der Münztrick ist eine elementare Fingerübung eines jeden Zauberers. Im Publikum stecken hinter jedem Ohr Geldstücke, die nur eingesammelt werden müssen. Wenn Christoph Kulmer und Ben Spade einen Sektkübel allmählich mit klimpernden Münzen füllen, dann ist das nur das Entree zu einer Nummer, deren Ausgang derart überraschend ist, dass Applaus der Klasse drei losbricht. Klasse eins ist liebloses Klatschen einiger weniger, bei dem sich in Klasse zwei zumindest die meisten Zuschauer anschließen. Erst wenn sich Bravorufe und begeistertes Trampeln dazu mengen, sind die beiden Magier von der Wirkung ihrer Illusion überzeugt. So dürfen sie sich auf diese Super-Ovationen verlassen, wenn der Führerschein einer jungen Dame unversehrt wieder auftaucht. Die wertvolle Plastikkarte war zuvor immerhin arg malträtiert worden, war in Flammen aufgegangen oder einfach spurlos verschwunden, was dessen Besitzerin sichtlich geschockt hatte.

Eine Freiwillige und ihr verzauberter Führerschein

Eine Freiwillige und ihr verzauberter Führerschein

Mit „Secret Wonders“ wurde ein neues Format im Reich der Zaubershows geschaffen. Üblicherweise arbeiten Künstler dieses Fachs allein, hüten ihre Geheimnisse wie einen Schatz und würden ihre Tricks um keinen Preis verraten, schon gar nicht an einen Kollegen. Christoph und Ben dürften diesbezüglich frei von derlei Vorbehalten sein. Sie werfen einander nicht nur Feuerbällchen über die Köpfe des Publikums hinweg zu, im Doppel moderieren sie launig eine verblüffende Gedankenübertragung und helfen einander, dass bei einem Kartentrick stets die richtige Karte im Stapel verkehrt herum liegt. Große Sensationen wie zersägte Jungfrauen und gefährliche Aktionen wie im Flammenmeer verschwundene „Freiwillige“ gibt es nicht, aber es bleibt das Staunen über viele kleine „Wunder“. Auf geheimnisvolle Weise hängen drei willkürlich eingesammelte Eheringe unzertrennlich als Kette aneinander und sogar das Handy kommt zu seinen Ehren, wenn es öffentlich zerschlagen wird und am Ende dennoch funktionstüchtig aus einem unvermuteten Versteck geholt wird.

Es ist vieles wundersam, was auf der Bühne und im Rund des Zeltes passiert, und es macht Appetit.

Ofenfrisches Brot und würzige Aufstriche verkürzen die Wartezeit bis zum ersten Trick. Es folgt zarte Burrata mit Kirschtomaten und Rucola als Vorspeise. Kulinarischer Höhepunkt der magischen Dinner Show ist das Black Angus Filet Mignon, rosa im Inneren und begleitet von knackigem Gemüse. Vor dem letzten Gong zu einer magischen Zugabe gibt es noch Schokofondant mit köstlich flüssigem Kern als zauberhaften Abschluss einer Kombination aus unterhaltsamer Magie und feinem Essen.

Black Angus Filet Mignon als kulinarischer Höhepunkt

Black Angus Filet Mignon als kulinarischer Höhepunkt