Kultur und Weindas beschauliche MagazinTerminal Piece, Ausstellungsansicht TERMINAL PIECE Durch Gitterstäbe von der Kunst getrennt
Wie bei vielen neuen Museumsdirektionen steht auch für Generaldirektorin Fatima Hellberg eine Öffnung des (an sich bis dato ohnehin gut besuchten) mumok an vorderster Stelle. Schwellenangst soll abgebaut werden und das Interesse über die Kunst affine Community hinaus in eine teils hartnäckig dieses Genre ignorierende Gesellschaft getragen werden. Möglichkeit dazu bietet ihre erste Großausstellung mit dem geheimnisvollen Titel „Terminal Piece“ (bis 7. Februar 2027). Die Ebene 0 darf bis 30. September 2026 ohne Erlag des Eintrittsgeldes besucht werden, was, so die nicht unberechtigte Annahme, Neugier auf den Rest erweckt und die jeweiligen Personen an die Kassa lenkt, um nach Erwerb eines Tickets mit den flotten Aufzügen auf Ebene 4 gebracht zu werden. Dort ist der Start eines beschaulichen Abstiegs, um das Haus bis ganz unten zu erkunden, bis Ebene -4, wo das kunstvoll drapierte Sammelsurium „Figure of the Child“ (bis 1. November 2026) von Tolia Astakhishvili den Ausstellungsreigen eröffnet hat. Das Entree wartet mit einem Prolog. Der Ausdruck ist nicht zufällig aus der Theaterwelt übernommen. Die 700 Quadratmeter wurden von der Bühnenbildnerin Anna Viebrock zum, wie es hier heißt, begehbaren Kunstwerk transformiert. Damit sollte der gesamten Schau der Gedanke eines Dramas zugrunde gelegt werden, der jedoch in den anderen Bereichen nur ansatzweise erkennbar ist. Es ist tatsächlich verlockend, dieses Labyrinth aus Räumen und Gängen zu betreten, um bei jeder Biegung auf Kunst zu treffen. Über ein Kirchensetting, das aus einer Inszenierung von Goethes Faust stammt und in seinen Ecken Werke von Gerhard Rühm oder Leander Schönweger zeigt, gelangt man in ähnlich eingerichtete Räumlichkeiten wie Wohnzimmer und Keller. An den Wänden eines Korridors wird man von FIREARMS (Lutz Bacher) begleitet, einer Leihgabe der Österr. Ludwig-Stiftung, ohne durch diese Faust-Feuerwaffen einen Rückgriff auf die Kirche schaffen zu wollen, wie Chefkurator Lukas Flygare mit einem Lachen versichert. Die Werke und deren Beschreibung wurden getrennt. Ein Leporello, der allerdings nur mit Lupe zu lesen ist, verrät, wer die großteils titellosen Arbeiten geschaffen hat. Ganz oben geht der Vorhang zum ersten Akt hoch. Die erste Szene zeigt einen düsteren Raum, in dem hinter Gittern Reihen von Sesseln aufgestellt sind. Ein einziger davon ist von einer Schaufensterpuppe besetzt. Diese Installation der US-amerikanischen Feministin und Schriftstellerin Kate Millett ist namensgebend für die gesamte Ausstellung. „Terminal Piece“ ist entstanden, weil die Künstlerin nur in dieser Form ihre Aussage umsetzen konnte. Barrieren wie diese erinnern an ein Gefängnis, wobei letztlich die Frage offen bleibt, auf welcher Seite man sich fühlt. Hell und frei wird es in der Folge, wenn sich ein Blick auf die Dächer der anschließenden Museen bietet.
Tobias Pils Shh, Ausstellungsansicht Statistik |









