Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Verdichtungen, Ausstellungsansicht © Wien Museum / Klaus Pichler

Verdichtungen, Ausstellungsansicht © Wien Museum / Klaus Pichler

VERDICHTUNGEN im Œuvre einer „Universalkünstlerin“

Verdichtungen, Ausstellungsansicht

Verdichtungen, Ausstellungsansicht

Heliane Wiesauer-Reiterer ermöglicht Bilderfahrungen von außergewöhnlichem Tiefgang

Es gibt kaum eine Sparte der bildnerischen Kunst, in der sie sich nicht versucht hätte. Heliane Wiesauer-Reiterer ist Malerin, Grafikerin, Fotografin und Bildhauerin. Ihre Formate reichen von kleinen Stücken bis zu monumentalen Arbeiten. Es gibt von ihr groß angelegte Serien, aber auch Einzelstücke und gedanklich verbundene Gruppen. Wenn sie mit Fragmentierung, Gliederung, Teilung und Reduktion beginnt, geht es ihr letztlich doch um Verdichtungen. So arbeitet sie auf das „wesenhafte Sein“ hin, das in der Konzentration auf Kopf, Torso oder abstrahierte Strukturen zeigt. Ihr Anliegen ist das Sichtbarmachen emotionaler Zustände, denen sie einen Schuss Melancholie verleiht, da ihre menschliche Figur gekrümmt oder fallend als Sinnbild der Existenz steht.

Heliane Wiesauer-Reiterer, KörperSekundenBild, 2012-2013 © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Wien Museum

Heliane Wiesauer-Reiterer, KörperSekundenBild, 2012-2013 © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Wien Museum

Heliane Wiesauer-Reiterer, Teilung eines Würfels (2011)

Heliane Wiesauer-Reiterer, Teilung eines Würfels (2011)

Bis 29. November 2026 sind Werke aus ihrem vielfältigen Œuvre im MUSA unter dem Titel „Verdichtungen“ zu sehen. Wiesauer-Reiterer zählt zu den „Neuen Wilden“ der 1980er-Jahre, ist aber in die Folge nur schwer bestimmten Richtungen zuzuordnen. Sie sucht auf eigenen Wegen ihre Spuren, indem sie in gefundenem Material individuelle Qualitäten erkennt und sich den Stein zum Partner auserkoren hat. In diesem Sinn erklärt sich ihre tiefe Zuneigung zur Natur. Gleichermaßen sind ihre Fotografien eine Mischung aus Bewunderung und Sorge, die in Verkehrung, Spiegelung und Tonung ausgedrückt wird. Der eigentliche Grund für diese von Berthold Ecker kuratierte Ausstellung ist jedoch eine großzügige Schenkung an das Wien Museum, das diesen hochrangigen Querschnitt durch ihr Schaffen ermöglicht.

DER BILDGENERATOR Die Faszination von Fotos als Mandalas

Der Bildgenerator, Ausstellungsansicht

Der Bildgenerator, Ausstellungsansicht

Die analogen Bildwelten des Tüftlers Karl Heinz Koller

Den Anfang haben Serien wie „One month in my Life“ (1974) gemacht. Karl Heinz Koller hat Performances von Künstlern wie Johann Jascha und Bruno Demattio mit der Kamera begleitet und eine umfangreiche Dokumentation zu europäischen Jugendzentren vorgelegt. Mit der Farbfotografie eröffnete sich ab 1975 ein neues Feld der Fotokunst. Mit Drehtisch, Mehrfachbelichtung und gezieltem Spiel von Schärfe und Unschärfe schuf er bis dahin kaum machbar Geglaubtes. Entstanden sind hunderte kreisrunde Kompositionen, die deutlich an die vergänglichen Mandalas aus dem Fernen Osten erinnern, mit dem Unterschied, dass sie auf dem fotografischen Trägermaterial bleibend sind. Koller selbst bezeichnet diese aus technischer Brillanz und Forschergeist entstandenen Werke als „Konfigurationen“.

Karl Heinz Koller, Ohne Titel, 1970er Jahre © Steven Koller, Foto: Wien Museum

Karl Heinz Koller, Ohne Titel, 1970er Jahre © Steven Koller, Foto: Wien Museum

Aus „Body Art Sequence“, 1974, Performance Johann Jascha

Aus „Body Art Sequence“, 1974, Performance Johann Jascha

In der Ausstellung im MUSA wird Karl Heinz Koller nun bis 29. November 2026 wieder einem größeren Publikum präsentiert. Kurator Berthold Ecker hat dazu einen Überblick über sein Schaffen angelegt, der neben den oben erwähnten Arbeiten auch den zwischen 1989 und 1995 entstandenen Werkkomplex „Aus dem Palast der Unsterblichkeit – Projekt Erwin“ enthält. Bestehend aus 39 Notizbüchern mit Texten, Fotos und Ausschnitten offenbart sich ein eigenwilliges avantgardistisches Œuvre. Es fand zur Zeit seiner Entstehung bereits öffentliche Anerkennung. Koller wurde zur Teilnahme an der legendären Ausstellung „Erweiterte Fotografie“ in der Secession eingeladen, um dort entsprechend zu reüssieren. Durch seinen frühen Tod wurde eine weitere Bekanntheit verhindert und es wurde still um einen, dessen bedeutende analoge Position in einem digitalen Zeitalter endlich wieder in den Blick der Kunstgeschichte gerückt wird.

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