Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


3 Musketiere Ensemble © Rolf Bock

3 MUSKETIERE als Musical im romantischen Steinbruch

Die drei Musketiere und D´Artagnan © Philipp Bernhard

Mit beeindruckenden Effekten und mächtigem Sound durch die Heldentaten der vier besten Freunde

Es dauert ja seine Zeit, bis der zarte, aber ungeheuer mutige D´Artagnan von den drei Raubeinen namens Athos, Porthos und Aramis als gleichwertiger Kampfgenosse anerkannt wird. Schließlich zeigt er nicht nur ihnen, was in ihm steckt, sondern auch Kardinal Richelieu und sogar dem französischen Königspaar. Alexandre Dumas hatte die Wirksamkeit einer solchen Männerfreundschaft erkannt und sie in seinem Roman „Die drei Musketiere“ unsterblich gemacht. Welcher Bub will nicht irgendwann D´Artagnan sein?! So sicher mit dem Degen umgehen und auf Kameraden zählen können, die sich ganz nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ miteinander durch dick und dünn raufen. Der Erfolg hat bis heute angehalten und segnet gewiss auch das Musical, das im Steinbruch zu Winzendorf diese Geschichte mit beeindruckenden Effekten, schönen Stimmen und eigens dafür geschaffenen mitreißenden Melodien erzählt. Geschrieben hat das Buch André Breedland, der, Dumas wird´s ihm verzeihen, die Handlung publikumswirksam ein bisschen verändert hat.

Sarah Zippusch, Kilian Berger © Rolf Bock

Er konzentriert sich auf das Wesentliche. Erstens braucht sich niemand mit der komplizierten Politik des 17. Jahrhunderts zu langweilen und zweitens müssen moralische Fragen wie der Ehebruch mit Madame Bonacieux nicht unbedingt thematisiert werden. In einem Geniegriff macht Breedland aus der untreuen Gattin einfach die reizend unschuldige Constance. Musik und Songtexte stammen vom erfolgreichen Duo Rob & Ferdi Bolland, wobei für die deutsche Fassung Wolfgang Adenberg die Lyrics und Ruth Deny das Buch eingerichtet haben. Die Original Arrangements haben Michael Reed & Roy Moore geschaffen, die von den jungen Musikern des Jam Music Lab Orchestra unter Lior Kretzer tapfer umgesetzt werden.

Zoë Straub, Christopher Dederichs © Philipp Bernhard

Marika Lichter, Intendantin des Musicalsommers Winzendorf, hat mit „3 Musketiere“ auch heuer wieder den Genius loci dieses wildromantischen Schauplatzes beschworen. Die Felsen, die schon über Jahrzehnte für die Karl May Festspiele alles das bieten, was sich ein Knabenherz in Männerbrust wünscht, erlauben den Einsatz von Pferden und neben gewagten Ritten von Esther Schneider und Josef Schützenhofer können in schroffen Landschaften abenteuerliche Kletterpartien absolviert werden.

Es ist außerdem Platz genug, um zu fechten was das Zeug hält. Nicht zuletzt lässt sich ein Feuerzauber veranstalten, der nur die kaltblütigsten Zuschauer nicht fasziniert. Alles das wurde von Regisseur Andreas Gergen bestens genutzt und macht ein solches Musical zu einem Gesamterlebnis, das über Kleinigkeiten wie brummende Boxen und einem etwas dumpfen und zu lautstarken Sound gnädig hinwegsehen lässt.

 

Das Ensemble, bestehend aus Nachwuchsdarstellern (ein persönliches Anliegen von Marika Lichter) tanzt und singt professionell. Man spürt ihre Freude und den Stolz, mit arrivierten Stars auf der Bühne stehen zu dürfen. Zu den durchwegs stimmstarken Solisten: Sarah Zippusch hat die Stimme einer wahren Königin, wenn sie ihren abweisenden Gatten Ludwig (Kilian Berger Jun.) um Liebe anfleht. Zoë Straub als Constance ist das liebe Mädchen, dem man sofort abnimmt, dass sie eine wunderbare Lebenspartnerin des fröhlichen D´Artagnan wäre.

Allerdings wird sie von der strengen und ganz gegen ihr eigentliches Naturell bösen, jedoch mit mächtiger Röhre singenden Milady de Winter (Lisa Antoni) vergiftet. Armin Kahl ficht ganz ohne Degen einen bitteren Gewissenskonflikt aus. Sein Amt als Kardinal Richelieu erlaubt ihm jedoch trotz seiner Rolle als Bösewicht einige wuchtige Gesangnummern, die seine politischen Umtriebe beinahe vergessen machen. Ähnliches gilt für seinen Adlatus, Kommandant Rochefort, dem Lorenz Sandmeier mutig die Rolle eines grantigen Losers angedeihen lässt. Athos (Christoph Apfelbeck), Porthos (Dirk Siebenmorgen) und Aramis (Florian Fetterle) sind die drei streitlustigen Herren, die den Nachwuchs-Musketier D´Artagnan beschützen sollen. Der aber schafft es ohnehin allein nach England und mit Diamantencollier wieder zurück. Christopher Dederichs kann nicht nur fein singen, sondern auch wunderbar mit dem Degen umgehen und wirbelt damit so quirlig durch Freund und Feind, dass man sich sogar vorstellen mag, so könnte der legendäre D´Artagnan tatsächlich ausgesehen haben.

Armin Kahl, Lisa Antoni © Rolf Bock
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